Lateinamerika zwischen Dürre, Hurrikanen und höheren Abflüssen

In Brasilien, Mexiko und Argentinien werden extreme Wetterereignisse erwartet.

Hurrikan Rachel vor der mexikanischen Pazifikküste Ende September 2026. Der Wirbelsturm brachte an Teilen der Küste Starkregen, hohe Wellen und kräftigen Wind. (Grafik: NOAA/National Hurricane Center – Public Domain)
Hurrikan Rachel vor der mexikanischen Pazifikküste Ende September 2026. Der Wirbelsturm brachte an Teilen der Küste Starkregen, hohe Wellen und kräftigen Wind. (Grafik: NOAA/National Hurricane Center – Public Domain)

Brasilien meldet eine deutliche Verschärfung der Dürre, an Mexikos Pazifikküste sorgten zuletzt zwei Hurrikane für Starkregen und hohen Wellengang. In der argentinischen Provinz Mendoza werden nach starken Schneefällen in den Anden dagegen höhere Abflüsse erwartet.

Mexiko

An der mexikanischen Pazifikküste prägten Ende September und Anfang Oktober die Hurrikane „Polo“ und „Rachel“ die Wetterlage. Rachel verstärkte sich am 1. Oktober nach Angaben der mexikanischen Wasserbehörde Conagua zu einem Hurrikan der Kategorie 2. Am Morgen lag sein Zentrum rund 370 Kilometer südlich von Cabo San Lucas. Die anhaltenden Windgeschwindigkeiten betrugen zunächst 155 Kilometer pro Stunde; später am Vormittag meldete Conagua 165 Kilometer pro Stunde.

Die Behörde erwartete durch Rachel Niederschläge von 75 bis 150 Millimetern im Süden von Baja California Sur sowie im mittleren und südlichen Sinaloa. Für Nayarit und den Westen von Jalisco wurden 50 bis 75 Millimeter vorhergesagt. An der Küste von Baja California Sur wurden Wellenhöhen zwischen vier und sechs Metern erwartet. Conagua warnte vor möglichen Erdrutschen, steigenden Wasserständen in Flüssen und Bächen sowie Überschwemmungen in tiefer gelegenen Gebieten. Diese Angaben waren Warnungen und Prognosen der Behörde, keine Bilanz tatsächlich eingetretener Schäden.

Rachel folgte auf Hurrikan Polo. Polo hatte sich bereits am 22. September über dem Pazifik zu einem Hurrikan der höchsten Kategorie 5 verstärkt. Conagua maß damals anhaltende Windgeschwindigkeiten von 270 Kilometern pro Stunde. Am 28. September befand sich Polo als Hurrikan der Kategorie 3 westlich von Baja California Sur und verursachte dort nach Behördenangaben starken Wind, hohen Wellengang und kräftige Niederschläge.

Brasilien

In Brasilien hat sich die Dürre im September deutlich verschärft. Das staatliche Katastrophenwarnzentrum Cemaden veröffentlichte seine jüngste landesweite Bilanz am 2. Oktober. Danach stieg die Zahl der Gemeinden mit schwerer oder extremer Dürre zwischen August und September von 157 auf 276. Die Zahl der Gemeinden mit extremer Dürre erhöhte sich von vier auf 54.

Besonders stark verschärfte sich die Lage im Nordosten. Nach Cemaden konzentrierte sich die Zunahme vor allem auf Alagoas, Sergipe und den Norden des Bundesstaates Bahia. Von 51 Gemeinden, die neu in die Kategorie „extreme Dürre“ wechselten, lagen 50 in diesen drei Bundesstaaten.

Auch landwirtschaftlich genutzte Flächen sind betroffen. Im September registrierte Cemaden 317 Gemeinden, in denen mindestens 40 Prozent der potenziell landwirtschaftlich genutzten Fläche von Dürre betroffen waren. In 228 dieser Gemeinden lag der Anteil bei mehr als 80 Prozent. Besonders viele davon befinden sich in Alagoas, Bahia und Sergipe.

Auch in indigenen Gebieten nahm die Trockenheit zu. Von 275 überwachten Stützpunkten wiesen 170 eine Form von Dürre auf; 67 wurden der Kategorie schwere Dürre zugeordnet.

Die jüngsten Behördenangaben zeigen zugleich starke regionale Unterschiede bei den Flüssen. Cemaden meldete für Anfang September unterdurchschnittliche oder stark unterdurchschnittliche Wasserstände im Norden der Nordregion, im Landesinneren des Nordostens und in großen Teilen des zentralen Westens. Im Südosten und Süden lagen die Werte an zahlreichen Messstellen dagegen über dem langjährigen Mittel.

Argentinien

Für Argentinien lässt sich keine einheitliche landesweite Wasserlage ableiten. Aktuelle und detaillierte Angaben liegen jedoch für die westliche Provinz Mendoza vor. Dort veröffentlichte das Departamento General de Irrigación am 2. Oktober seine Prognose für die am 1. Oktober begonnene Saison 2026/27. Grundlage sind unter anderem die im Winter gemessenen Schneemengen in den Anden.

Für den Río Mendoza erwartet die Wasserbehörde ein Abflussvolumen von 1,78 Milliarden Kubikmetern. Das entspricht 129 Prozent des langjährigen Mittels. In der Saison 2025/26 waren 797 Millionen Kubikmeter abgeflossen. Die Behörde stuft die kommende Saison für diesen Fluss deshalb als hydrologisch „feucht“ ein.

Auch für mehrere andere Flüsse liegen die Prognosen über dem langjährigen Mittel. Für den Río Tunuyán werden 990 Millionen Kubikmeter beziehungsweise 117 Prozent eines durchschnittlichen Jahres erwartet, für den Río Diamante 1,09 Milliarden Kubikmeter oder 112 Prozent. Beim Río Grande beträgt die Prognose 3,47 Milliarden Kubikmeter beziehungsweise 111 Prozent des Mittels.

Der Río Atuel wird mit erwarteten 1,08 Milliarden Kubikmetern und damit 100 Prozent des langjährigen Mittels als hydrologisch normal eingestuft. Für den Río Malargüe werden 310 Millionen Kubikmeter beziehungsweise 104 Prozent erwartet.

Die Wasserbehörde weist zugleich darauf hin, dass Mendoza aus einer Saison mit moderaten bis schweren Trockenheitsbedingungen kommt und die neue Bewässerungssaison mit niedrigen Reserven begonnen hat. Die höheren Werte für 2026/27 sind eine Abflussprognose auf Grundlage der vorhandenen Schneemengen und keine bereits gemessenen höheren Wasserstände.

Damit ergibt sich Anfang Oktober ein unterschiedliches Bild: In Brasilien hat sich die Dürre insbesondere im Nordosten verschärft. Mexikos Pazifikküste wurde Ende September und Anfang Oktober von zwei starken Hurrikanen beeinflusst. In Mendoza lassen die Schneemengen in den Anden für die neue Saison höhere Abflüsse in mehreren Flüssen erwarten.

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