Die Antifa kapert eine Friedens-Demonstration in Stuttgart: Mitten in der Veranstaltung springen Antifa-Leute auf die Bühne und wollen die Rede der BSW-Politikerin Sevim Dağdelen verhindern. Die Polizei ist mit einem erheblichen Aufgebot anwesend und greift rasch ein. Es gab keine körperlichen Verletzungen. zwei Personen wurden festgenommen.
Bei der Friedens-Demonstration am Schlossplatz in Stuttgart ist es zu einem Zwischenfall gekommen. Können Sie uns schildern, was passiert ist?
Es ging um Sevim Dağdelen, die gerade reden wollte. Das hat einigen nicht gepasst, obwohl wir sie nicht als BSW-Politikerin eingeladen haben, sondern weil sie eine sehr kompetente friedenspolitische Expertin ist. Sie hat lange Zeit im Bundestag die ganzen friedenspolitischen Anträge für die Linke vorbereitet und Anfragen gestellt. Gegen Frau Dağdelen gab’s dann plötzlich Unzufriedenheit.
Wie hat sich das manifestiert?
Sie haben einfach die Rednerin niedergeschrien. Sobald Frau Dağdelen auf der Bühne einen Satz sagen wollte, wurde sie niedergeschrien, und sie haben sich gar nicht mehr beruhigt. Also die wollten praktisch die Rede verhindern. Das war mein Eindruck. Die Schreier waren ganz in der Nähe der Bühne. Es war sehr unerfreulich, weil die dann auch noch versucht haben, die Bühne zu stürmen. Plötzlich standen zwei von ihnen auf der Bühne.
Und wie haben die es geschafft, auf die Bühne zu kommen?
Das sind jüngere Leute, die sind schnell, und kommen da von allen Seiten. Also die hatten ganz eindeutig einen Plan.
Haben Sie sowas schon mal erlebt?
Noch nie. Vor vier Jahren haben Ukrainer versucht, die Bühne zu stürmen bei einer Rede von jemandem, der Pazifist ist. Aber das ist lange her und das war jetzt nicht vergleichbar, weil kein so ein Riesen-Polizeieinsatz war. Bei uns, da war diesmal ja ein Riesen-Polizeiaufgebot.
Wann kam die Polizei?
Die waren schon die ganze Zeit da. Sie haben sich im Hintergrund gehalten, sogar Pferde waren da.
Die Störer sollen „Antifa“-Leute gewesen sein?
Ja. Es war ihnen ganz wichtig zu betonen, dass sie Antifaschisten sind und gegen das BSW sind wegen der AfD-Nummer neulich in Sachsen-Anhalt.
Wie viele waren denn das ungefähr?
Also ich würde schätzen so 15.
Schon eine große Gruppe?
Ja, eine starke Gruppe. Also mit richtig Power. Es ging alles sehr schnell. Praktisch in Sekundenschnelle waren die zwei auf der Bühne. Ich war auch auf der Bühne und habe mich total erschrocken, weil der eine war ein sehr großer Kerl. Ich habe echt gefürchtet, dass er es auf die Frau Dağdelen abgesehen hat, und war dann sehr froh, dass die Polizei eingegriffen hat.
War Frau Dağdelen in Gefahr?
Die Polizei hat sie gleich abgeschirmt. Ob sie bedrängt wurde, kann ich nicht sagen. Ich habe nichts gesehen. Der Mensch neben mir auf der Bühne, der war vermummt und es war für mich total bedrohlich, die Situation, denn ich wusste, ich kann Frau Dağdelen nicht schützen.
Und ist die Polizei schnell gekommen?
Ja, und sie waren übermächtig auf der Bühne und sie haben dann auch zwei festgenommen. Unsere Ordner vom Orga-Team standen als Mauer zwischen diesen Antifaschisten, die geschrien hatten, und der Polizei. Dann hat sich alles beruhigt. Die Polizei hat sich immer weiter zurückgezogen und wir haben gesagt, jetzt brauchen wir sie nicht mehr.
War es ein Schock für Sie?
Es war schon ein sehr großer Polizeieinsatz.
Wie hat die restliche Versammlung reagiert?
Das war ja so eine große Versammlung, dass die, die hinten standen, das gar nicht mitgekriegt haben. Die haben sich gewundert, warum da so viel Polizei plötzlich auf der Bühne ist und konnten das schlecht einschätzen. Und wir haben natürlich dann auch ein paar Minuten gebraucht, bis die Situation geklärt war. Wir haben dann gesagt: Sie können jetzt weitermachen, das ist vorgefallen, und die Frau Dağdelen wird jetzt reden.
Und sie hat einfach ganz normal weitergeredet?
Die hat dann angefangen mit ihrer Rede, ja genau, und hat ihre Rede gehalten.
Hatten Sie den Eindruck, dass sie Angst hatte?
Ich habe mit ihr nicht drüber gesprochen. Ich habe mich jedenfalls erschrocken für sie. Und da kann ich mir vorstellen, dass es ihr genauso ging.
Wie viele Leute waren insgesamt da?
15.000. Wir waren mehr als im vergangenen Jahr, und das war richtig gut. Wir haben nicht so viele erwartet. Der Jugendblock war da und vorne auf den Bänken, da saßen sie Älteren.
Sie würden also sagen, trotz der Störung war es ein Erfolg?
Natürlich. Man muss verstärkt auf die Straße gehen. Die Kriegsgefahr ist einfach gestiegen und man muss weiter protestieren. Papst Franziskus hat ja immer von einem Dritten Weltkrieg in Stücken geredet. Die Stücke sind da und wir können nicht einfach in den Dritten Weltkrieg rennen.
Wie war das Medien-Echo?
Das war gut. Selbst die Stuttgarter Zeitung hat sich doch noch interessiert, und hat auch was gebracht und dpa hat, was gebracht und die Springer-Presse, die Welt, hat was gebracht. Die Berichterstattung über Stuttgart war okay. Ich bin schon dankbar, wenn man nicht irgendwelche Etiketten verpasst bekommt.
Die Fragen stellte Michael Maier.
