Frankreich unter Druck: Zentralbank fordert Sparkurs

Der Risikoaufschlag französischer Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen bleibt außergewöhnlich hoch. Nun warnt auch die Banque de France vor den Folgen steigender Finanzierungskosten.

Hôtel de Toulouse, Sitz der Banque de France in der Rue Croix des Petits-Champs in Paris. Foto: Mbzt/Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0
Hôtel de Toulouse, Sitz der Banque de France in der Rue Croix des Petits-Champs in Paris. Foto: Mbzt/Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Die Spannungen am französischen Staatsanleihemarkt erhöhen den Druck auf die Regierung in Paris. Der Renditeabstand zwischen zehnjährigen französischen und deutschen Staatsanleihen ist in den vergangenen Tagen stark gestiegen und signalisiert wachsende Zweifel der Investoren an der französischen Finanzpolitik. Zwar hat sich der sogenannte OAT-Bund-Spread zu Wochenbeginn wieder etwas eingeengt, von einer nachhaltigen Entspannung kann jedoch keine Rede sein.

Banque-de-France-Gouverneur Emmanuel Moulin warnte nun in einem Interview mit der Financial Times (FT) vor den Folgen dauerhaft hoher Zinsen. Sollte Frankreich seine öffentlichen Finanzen nicht stabilisieren, bestehe die Gefahr, schrittweise von steigenden Finanzierungskosten „erdrosselt“ zu werden. Zugleich versuchte Moulin, Vergleiche mit der europäischen Schuldenkrise zurückzuweisen. Frankreich sei „nicht Griechenland während der Eurokrise“, sagte er.

Spread bleibt auf Krisenniveau

Besonders deutlich zeigt sich die Nervosität am Renditeabstand zu Deutschland. Der Spread zwischen zehnjährigen französischen OATs und Bundesanleihen war zuletzt zeitweise auf knapp 160 Basispunkte gestiegen und damit auf ein Niveau, das seit der Euro-Schuldenkrise kaum noch erreicht worden war. Zu Wochenbeginn verringerte sich der Abstand zwar wieder auf rund 138 Basispunkte. Historisch bleibt das jedoch ein außergewöhnlich hoher Risikoaufschlag.

Zehnjährige französische Staatsanleihen rentierten zuletzt bei rund 4,86 Prozent, vergleichbare Bundesanleihen bei etwa 3,49 Prozent. Investoren verlangen damit einen deutlich höheren Aufschlag dafür, Frankreich langfristig Kapital zur Verfügung zu stellen. Die Marktbewegung spiegelt vor allem Zweifel daran wider, ob Paris sein hohes Haushaltsdefizit glaubwürdig und politisch durchsetzbar reduzieren kann.

Die Regierung hat zuletzt ein Paket aus Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen im Umfang von 43 Milliarden Euro vorgeschlagen. Dennoch wird das Haushaltsdefizit bis zum Jahresende auf rund 5,4 Prozent der Wirtschaftsleistung geschätzt. Gleichzeitig bleibt unklar, ob ausreichend weitreichende Sparmaßnahmen im fragmentierten Parlament eine Mehrheit finden.

Zentralbank drängt auf Haushaltskonsolidierung

Moulin machte deutlich, dass die entscheidende Antwort aus Paris selbst kommen müsse. Sollte es der Regierung gelingen, noch in diesem Jahr einen Haushalt zu verabschieden, der die Ausgaben senkt und das Defizit sichtbar verringert, könne das nach seiner Einschätzung das Vertrauen der Investoren zurückbringen. Ein konkreter Schritt zur Haushaltskonsolidierung würde den Märkten zeigen, dass Frankreich seine Finanzlage selbst unter Kontrolle bringen wolle.

Der Zinsanstieg gewinnt dabei zunehmend eine eigene Dynamik. Höhere Renditen verteuern die Refinanzierung des Staates und lassen die Zinslast im Haushalt steigen. Damit schrumpft zugleich der finanzpolitische Spielraum, während der Druck zu weiteren Einsparungen wächst. Genau vor diesem Kreislauf warnt der Zentralbankchef.

Frankreich müsse „Herr seines eigenen Schicksals“ bleiben, sagte Moulin der FT. Die leichte Beruhigung am Anleihemarkt ändert daran zunächst wenig. Solange der Renditeabstand zu Deutschland auf einem derart hohen Niveau verharrt, bleibt das Signal der Märkte eindeutig: Das Vertrauen in die französische Finanzpolitik ist angeschlagen, und der Preis dafür steigt.

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