Berlin: Geteilt, aber keine Frontstadt mehr

Die Wahlen zum Berliner Abgeordneten-Haus zeigen gravierende Verschiebungen im Vergleich zu 2023. Die Parolen des Kalten Kriegs ziehen nicht mehr.

Die siegreichen Parteien gemäß der Zweistimmen auf Wahlkreisebene. (Grafiken laut Wikipedia und rbb)
Die siegreichen Parteien gemäß der Zweistimmen auf Wahlkreisebene. (Grafiken laut Wikipedia und rbb)

Der Osten geht an Linke und AfD, im Westen dominiert die CDU. Die Grünen und die SPD verlieren an Einfluss. Der Vergleich der Sieger in den Wahlbezirken Berlins von 2023 und 2026 zeigt: Die CDU hatte im Osten ihre Chance, hat sie aber nicht genützt. Den Grünen erging es in der Mitte der Stadt ähnlich. Im Westen Berlins dagegen gilt: nichts Neues.

Auf der Grafik von 2026 ist der Verlauf der Mauer eingezeichnet. Man sieht, dass sich die Stadt insgesamt eher in Richtung östlicher Verhältnisse entwickelt. Vor drei Jahren sah es dagegen so aus, als würde Berlin ein schwarz-grünes Experiment werden. Der Osten ist in sich gespalten, Linke und AfD haben auf engem Raum dazugewonnen.

Was sich mit dem Fall der Mauer offenbar auch geändert hat, ist die Frontstadt-Mentalität: Sie ist verschwunden oder aber wurde in das äußerst westliche Kernland zurückgedrängt. Die Linke und die AfD sind, wenngleich abgestuft, eher gegen eine Fortführung des Kriegs zwischen der Ukraine und Russland. Die Grünen, die ja immer klare Befürworter des Waffengangs waren, haben Terrain verloren. Rechnet man noch das BSW, das knapp an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert ist, zu den Kriegsgegnern hinzu, so gibt es in Berlin offenbar wenig Lust an einem Revival des Kalten oder gar eines Heißen Krieges. Die SPD – die Partei des legendären Berliner Ost-Verstehers Willy Brandt – verschwindet vorerst in der Bedeutungslosigkeit. Dies ist sicher auch dem Fehlen einer klaren Kontur in der Friedenspolitik geschuldet.

Auf die Linke als Wahlsieger wartet die Aufgabe, sowohl den rassistischen Ausländerfeinden der extremen Rechten als auch den uneinsichtigen Antisemiten in Teilen der migrantischen Milieus jeweils ihre Grenzen aufzuzeigen. Für große politische Veränderungen ist allerdings kein Geld vorhanden. Der Doppelhaushalt steht – es fehlen 5,2 Milliarden Euro. Ideologische Parforce-Ritte sind nicht finanzierbar.

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