Eines der großen Tabu-Themen in den Wahlkämpfen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern war die Haltung Deutschlands im Krieg Russlands gegen die Ukraine. Einzig das BSW hatte das Thema groß vorangetrieben – die Partei wurde wegen ihrer Forderung nach einem diplomatischen Ansatz massiv attackiert und als Verbreiterin von Kreml-Propaganda bezeichnet. Die AfD ging taktischer vor: Vor allem der Co-Vorsitzende Tino Chrupalla äußerte wiederholt den Wunsch, mit Russland ins Gespräch zu kommen. Angeblich arbeitet die AfD im Hintergrund an einem Treffen mit Kreml-Vertretern, um über die Öffnung der Nord-Stream-Pipeline zu sprechen. Die anderen Parteien klammerten das Thema im Wahlkampf weitgehend aus.
Doch in der Bevölkerung scheint das Thema Relevanz gehabt zu haben. So sagte Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, am Sonntag in der ARD auf die Frage, warum die SPD 45.000 Wählerstimmen an die AfD verloren habe: „Aus meiner Sicht gibt’s zwei Gründe. Erstens, dass viele schon einen Denkzettel auch Richtung Berlin, Richtung Bund machen wollten. Zweitens, dass die AfD eben diejenigen abholt, die kritisch sind wegen den Hilfen für die Ukrainer. Und AfD und BSW haben ja auch sehr für die Öffnung von Nord Stream geworben. Und da unterscheiden wir uns eben. Und das ist doch etwas, was wir wissen, dass wir dadurch eben auch SPD-Wähler verloren haben.“
Der Bild-Zeitung sagte Schwesig auf dieselbe Frage: „Es gibt zwei Themen, wo die AfD und BSW gerade richtig bei den Wählern verfangen hat in Ostdeutschland, auch in meinem Land. Zum einen, dass die AfD hier richtig Stimmung macht gegen die Unterstützung der Ukrainer und gleichzeitig die Öffnung von Nord Stream fordert. Dafür hat die AfD und BSW viel Stimmen bekommen, auch übrigens von ehemaligen SPD-Wählern. Und da sage ich ganz klar: Wir hatten uns klar entschieden, weiter solidarisch zu sein für die Ukrainer und nicht wegen Verlusten in der Wählerschaft hier den Kurs zu ändern oder zu wackeln. Und das ist eben eine Lage, die da ist, die man aus meiner Sicht jetzt auch nicht wirklich verändern kann.“
Bundeskanzler Friedrich Merz hatte noch vor wenigen Tagen gesagt, die Bundesregierung habe die Zuschreibung des Drohnen-Vorfalls in Leipzig bewusst jetzt gemacht, um die Wähler auf die Gefahr aufmerksam zu machen, die Russland auch in Deutschland bereits darstelle. Merz sagte nach Bekanntwerden der ersten Hochrechnung, dass er weiter Bundeskanzler bleiben werde. Wenig später kam die Nachricht, dass die CDU den Einzug in den neuen Landtag in Schwerin nicht geschafft habe – ein Novum in der Geschichte der Bundesrepublik.

