Finnland und Norwegen sprechen mit Putin über Ukraine

Erstmals seit über einem Jahr haben europäische Politiker mit dem russischen Präsidenten gesprochen.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, der norwegische Ministerpräsident Jonas Gahr Store und der finnische Präsident Alexander Stubb geben am 20. Oktober 2026 in Oslo nach einem Treffen zur Lage in der Ukraine eine gemeinsame Pressekonferenz. (Foto: Jonathan Nackstrand / AFP)
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, der norwegische Ministerpräsident Jonas Gahr Store und der finnische Präsident Alexander Stubb geben am 20. Oktober 2026 in Oslo nach einem Treffen zur Lage in der Ukraine eine gemeinsame Pressekonferenz. (Foto: Jonathan Nackstrand / AFP)

Der russische Präsident Wladimir Putin hat am Dienstag ein Telefongespräch mit dem finnischen Präsidenten Alexander Stubb und dem norwegischen Ministerpräsidenten Jonas Gahr Støre geführt. Es wurden die Aussichten auf ein Friedensabkommen in der Ukraine in bevorstehendes Treffen in Abu Dhabi zu erörtert, wie das finnische Präsidialamt in einer gemeinsamen Mitteilung bekanntgab.

Es war der erste direkte Kontakt zwischen Putin und führenden europäischen Politikern, die mit Kiew verbündet sind, seit der französische Präsident Emmanuel Macron im Juli vergangenen Jahres mit Putin sprach.

Die beiden Staatschefs nahmen im Namen ihrer jeweiligen Länder an dem Gespräch teil und vertraten nicht Europa als Ganzes.

Stubb bezeichnete das Gespräch als ehrlich und substanziell, wie sein Büro mitteilte. Stubb betonte, dass die Beendigung des Konflikts in der Ukraine einen fortgesetzten direkten Dialog mit Russland erfordere.

Støre sagte während des Telefonats die Wichtigkeit einer Deeskalation des Ukraine-Konflikts, wie die norwegische Regierung mitteilte.

Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass, dass eine offizielle Erklärung mit den Ergebnissen der Gespräche vorbereitet werde.

Kremlsprecher Dmitri Peskow hatte nach den Gesprächen der vergangenen Woche erklärt, Russland betrachte Norwegen und Finnland als neue Partner in den Bemühungen um eine Lösung des nunmehr fünfjährigen Krieges in der Ukraine. Russland werde sehen, „ob ihnen das überhaupt gelingen kann“, sagte er. Peskow sagte auch, Russland schließe eine Teilnahme der Europäer an den Verhandlungen nicht aus.

Die Kontaktaufnahme folgt auf erneute Bemühungen, die Friedensverhandlungen wieder in Gang zu bringen. US-Präsident Donald Trumps Sondergesandter Steve Witkoff besuchte Putin vergangene Woche in St. Petersburg. Witkoff reiste nach Russland, nachdem er in Oslo Gespräche mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und den beiden nordischen Staatschefs geführt hatte.

Die Ukraine befindet sich laut Bloomberg in einer schwierigen Lage: Die Beziehungen der Ukraine zu den USA befänden sich auf einem neuen Tiefpunkt, nachdem Trump Anfang des Monats ein Dieselabkommen mit Putin geschlossen habe. Der Finanzbedarf steige rasant, und dem Land fehlten die notwendigen Luftverteidigungssysteme, um den erwarteten russischen Winterangriff abzuwehren.

Iuliia Mendel begrüßt Initiative

Die frühere Sprecherin des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, Iuliia Mendel, schreibt auf X: „Vielen Dank, dass Sie diesen Dialog begonnen haben. Bitte gestalten Sie ihn sachlich und realistisch. Ihre Bemühungen um einen Dialog werden sehr geschätzt.“ Sie hoffe, den beiden Politkern seien „die Konsequenzen einer Fortsetzung dieses Krieges für die ukrainische Nation, die eine humanitäre Katastrophe durchlebt und buchstäblich von der Landkarte verschwindet, vollends bewusst“. Eine Niederlage würde auch Folgen für Finnland haben. Mendel schreibt, jeder militärische Konflikt erfordere am Ende Kompromisse, „insbesondere, wenn ein Land wie die Ukraine in Trümmer gelegt wird.“ Die Ukrainer seien vom diesem Krieg erschöpft: „Unsere Nation steht am Rande des Untergangs.“

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