Nvidias Vorstandsvorsitzender Jensen Huang hat zwei Tage nach einem Bericht der Financial Times über eine mutmaßliche Beziehung zu einer Frau, die nach Einschätzung der US-Geheimdienste vom chinesischen Geheimdienst angeworben wurde, eine Affäre eingeräumt. „Ich schulde meiner Familie und Ihnen allen eine Entschuldigung“, schrieb Huang am Sonntag in einer internen Nachricht an die Mitarbeiter. „Ich war meiner Frau untreu. Mein Verhalten hat sie und unsere Kinder verletzt. Es gibt keine Entschuldigung für mein Handeln. Es tut mir zutiefst leid.“ Wenige Stunden später erklärte Nvidia, das Board werde angesichts der Berichte über mögliche ausländische Geheimdienstaktivitäten gegen Huang eine unabhängige Untersuchung einleiten.
Die Financial Times hatte berichtet, die US-Regierung gehe davon aus, dass Huang eine romantische Beziehung zu Alice Huang, einer Führungskraft beim in Singapur ansässigen Nvidia-Kunden Megaspeed, unterhalten habe. Amerikanische Beamte verfassten demnach in diesem Jahr ein Memorandum auf Grundlage von Informationen der US-Geheimdienste. Darin hieß es, Alice Huang sei vom chinesischen Ministerium für Staatssicherheit angeworben worden. Nvidia hatte Vermutungen über eine unangemessene Beziehung zuvor zurückgewiesen und erklärt, die Interaktionen seien im Umgang mit einem Kunden „nichts Ungewöhnliches oder Unerwartetes“. Die US-Regierung untersuchte Megaspeed bereits wegen des Verdachts, das Unternehmen habe Nvidia-Chips nach China geschmuggelt.
Board prüft mögliche Sicherheitsrisiken
Ein Gremium unabhängiger Board-Mitglieder, unterstützt von externen Anwälten, soll die Untersuchung leiten. „Der Vorstand misst der nationalen und wirtschaftlichen Sicherheit der USA höchste Priorität bei, da diese für die Interessen von Nvidia und seinen Aktionären von größter Bedeutung ist“, erklärte das Unternehmen in seiner Stellungnahme. Das Board habe derzeit keinen Grund zu der Annahme, dass die nationale Sicherheit oder Geschäftsgeheimnisse von Nvidia gefährdet worden seien. Huang unterstütze die Untersuchung und habe seine Zusammenarbeit zugesagt. Das Board sprach ihm und seinem Führungsteam weiterhin das Vertrauen aus.
Welche Folgen der Vorgang für Nvidia haben wird, ist bislang offen. Drei republikanische Vorsitzende von Ausschüssen des US-Repräsentantenhauses haben Huang zu einer vertraulichen Unterrichtung über die mutmaßlichen chinesischen Spionageaktivitäten und Nvidias Schutzmaßnahmen aufgefordert. Die Sitzung soll am 18. November stattfinden. Nvidia ist zudem stark auf seinen Mitgründer zugeschnitten. Der Konzern erklärte, Huang werde während der Untersuchung ohne Unterbrechung als CEO im Amt bleiben.
Huang wirbt bei Merz für Deutschland als KI-Standort
Zuletzt hatte Huang Deutschland als wichtigen Standort für Nvidias weitere Expansion hervorgehoben. Beim „Invest in Germany Summit“ in Berlin sprach er am 19. Oktober mit Bundeskanzler Friedrich Merz über industrielle KI und die Rolle Deutschlands bei der Verbindung klassischer Industrie mit neuen KI-Anwendungen. Nvidia kündigte Investitionen in die vier deutschen Start-ups Agile Robots, Avelios Medical, Mirelo und Reflex Aerospace an. Sie sind nach Angaben von Nvidia Teil eines europäischen Engagements von knapp zehn Milliarden Dollar für Unternehmen, Universitäten und Forschungseinrichtungen.
