Ungarn: Cessna gestohlen, fliegt Richtung Atomkraftwerk Paks

In Ungarn gab es einen mysteriösen Zwischenfall. Wollte ein Mann einen Anschlag auf ein AKW verüben?

Ein Kleinflugzeug wurde am Samstag als gestohlen gemeldet und nahm anschließend Kurs in Richtung des Kernkraftwerks Paks. Das berichtet der Aerotelegraph.

Nach Angaben des ungarischen Verteidigungsministers Romulus Rusin-Sandy hatten die Streitkräfte die Cessna 172 kurz nach dessen Start auf dem Radar entdeckt. Sie soll zuvor vom Flugplatz Kalocsa entwendet worden sein. Weil sich der Flieger dem Kernkraftwerk Paks näherte, wurden die zwei Kampfjets alarmiert.

Auch die ukrainische Militär-Website Militranyi berichtet über den Vorfall.

Der ungarische Verteidigungsminister Romulusz-Ruszin Szendi bestätigte den Vorfall. Demnach erfassten die ungarischen Streitkräfte das Flugzeug kurz nach dem Start auf dem Radar und schickten umgehend zwei Kampfjets los.

Der Vorfall endete innerhalb weniger Minuten mit einer Notlandung des Flugzeugs in der Nähe des Dorfes Gerjen.

Gripen steigen auf

Ungarische Gripen-Kampfjets lokalisierten das beschädigte Flugzeug und kreisten über der Stelle, bis ein Rettungshubschrauber und die Rettungskräfte eintrafen.

Polizei und weitere Einsatzkräfte trafen ebenfalls am Unfallort ein und begannen mit der Untersuchung. Nach Angaben des Ministers wurde nach dem damaligen Kenntnisstand niemand verletzt.

Der Flughafen Kalocsa liegt etwa sieben Kilometer südöstlich des Kernkraftwerks Paks, das Dorf Gerjen etwa neun Kilometer nördlich des Kraftwerks.

Das Kernkraftwerk Paks ist eine besonders geschützte Anlage. Zivile Flugzeuge dürfen in einer Drei-Kilometer-Zone um das Kraftwerk in Höhen unter 6.000 Metern nicht fliegen. Bei Annäherung eines Flugzeugs ist ein sofortiges militärisches Eingreifen erforderlich.

Laut der ungarischen Zeitung HVG entwendete ein Mann, Jahrgang 2002 und als psychisch labil beschrieben, eine Cessna 172 vom Flughafen.

Täter war betrunken

Das Flugzeug wurde bei der Landung beschädigt: Das Fahrwerk brach, und die Maschine kam auf dem Flügel zum Stehen und kippte leicht zur Seite.

Der Mann verließ das Flugzeug und ging die Straße 512 entlang, wo ein Autofahrer anhielt, um ihm zu helfen. Der Mann stieg in das Fahrzeug und versuchte wegzufahren, doch der Fahrer konnte ihn daran hindern.

Die Polizei nahm den Mann wenige Minuten später fest. Nach einer Vernehmung wurde er in Gewahrsam genommen und ein Haftbefehl beantragt.

Laut HVG war der Mann alkoholisiert. Die Polizei ermittelt außerdem, ob er unter dem Einfluss anderer Drogen stand.

Paks ist in Europa umstritten

Ungarn und Russland haben 2014 vereinbart, das AKW um zwei neue Reaktorblöcke (Paks II) zu erweitern. Der russische Staatskonzern Rosatom ist der Hauptauftragnehmer und soll die beiden neuen WWER-Reaktoren bauen. Ein großer Teil der Finanzierung kommt aus Russland: Moskau stellte Ungarn dafür einen staatlichen Kredit von bis zu 10 Milliarden Euro zur Verfügung; ursprünglich sollte dieser rund 80 Prozent der Projektkosten finanzieren.

Ob der Flugversuch mit dem Krieg Russlands gegen die Ukraine zu tun hat, ist noch völlig unklar.

In den vergangenen Monaten haben sich Sabotage-Aktivitäten in mehreren Ländern ereignet. Bundeskanzler Friedrich Merz plant, eine auf dem Flughafen Leipzig aufgetauchte Drohne Russland zuzuweisen.

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