Steve Witkoff und Jared Kushner mussten bei ihrer im Auftrag von Donald Trump durchgeführten Vermittlungsreise feststellen: Beide Seiten sind offenbar entschlossen weiterzukämpfen.
In einer Pressekonferenz im Anschluss an die Gespräche am 6. September deutete der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj an, dass die jüngsten Friedensbemühungen nicht so bald zu einem Ende des Krieges führen würden. Er sagte laut dem Kyiv Independent: „Wenn der Krieg weitergeht – und wir gehen davon aus, dass er weitergeht – setzen wir große Hoffnungen in das Winterhilfepaket … und in die Unterstützung sowohl der Luftverteidigung als auch des Energiesektors“, sagte der Präsident vor Journalisten.
Trotz des ausbleibenden Durchbruchs bezeichnete Selenskyj die Wiederaufnahme der diplomatischen Verhandlungen an sich als positiven Schritt.
Treffen der Alliierten
Das Treffen der Amerikaner mit der Ukraine und den wichtigsten Unterstützern aus Europa trug denn auch weniger den Charakter einer Vermittlung als vielmehr den eines Treffens der Verbündeten. Kushner und Witkoff hatten laut der AFP in Kiew nach Angaben aus ukrainischen Präsidentschaftskreisen neue, „effektivere“
Vorschläge für eine Beendigung des russischen Angriffskrieges vorgelegt. An einigen der Gesprächsrunden in Kiew nahmen auch Vertreter aus Berlin,
Paris und London teil. Deutschland wurde durch den Sicherheitsberater von Bundeskanzler Friedrich Merz, Günter Sautter, vertreten
Selenskyjs Äußerung folgte auf einen zehntägigen Angriff auf Kiew, der erst unterbrochen wurde, nachdem Putin während des Besuchs der Gesandten einer kurzen Waffenruhe auf die Hauptstadt zugestimmt hatte. Selenskyj sagte, dass die „amerikanische Seite die Produktionsmengen von Anti-Ballistik-Raketen, den Patriot-Systemen, im nächsten Jahr erhöhen werde“. Dann würde die Ukraine neue Raketen erhalten.
Putin will „Kriegsziele“ erreichen
Nachdem der russische Präsident Wladimir Putin den US-Gesandten zu verstehen gegeben hatte, dass er vor allem seine „Kriegsziele“ erreichen wolle, dürfte die Ukraine ihrerseits die Angriffe auf russische Infrastruktur-Einrichtungen erhöhen. Wie der World News Monitor aus informierten Kreisen erfuhr, gibt es Überlegungen, dass die Ukraine Kraftwerke in Russland angreifen könnte. „Die russischen Angriffe auf die ukrainische Energie-Infrastruktur werden einen Preis haben“ sagte die Quelle.
Bereits im Juli hatte Reuters berichtet, dass die Ukraine ein spezielles „Langstreckenwirkungs“-Kommando geschaffen habe. Selenskyj sagte damals, der Zweck des Kommandos sei es, Ressourcen darauf zu konzentrieren, Russlands Fähigkeit zur Kriegsführung zu verringern. Reuters beschrieb die bestehende Kampagne als auf „wichtige Energieinfrastruktur Tausende Kilometer weit in ganz Russland“ zielend.
Ausschalten von Kraftwerken in der Region Moskau?
Das Kalkül der Ukrainer: Ohne Einnahmen, ohne Strom für die Industrie und mit einer Bevölkerung, der Strom und Heizung entzogen sind, ist es schwierig, einen Krieg aufrechtzuerhalten. Durch das Ausschalten von sieben Wärmekraftwerken — keines davon sind Atomanlagen — könnten Strom und Fernwärme in großen Teilen der Moskauer Region in der Praxis schwer gestört werden, so die Planungen laut der Quelle.
Angesichts der Tatsache, dass Russland systematisch die Strom- und Heizungsinfrastruktur der Ukraine ins Visier genommen habe, wäre eine entsprechende ukrainische Strategie durchaus gerechtfertigt, so die Quelle. Es sei klar, „dass die Ukraine nicht einfach dasitzen und nicht zurückschlagen wird, während Russland ihr Stromnetz und ihre Wasserversorgung zerstört“, so die Quelle. Die Ukraine habe den Sommer damit verbracht, ein widerstandsfähigeres Strom- und Heizungssystem aufzubauen, das russischen Angriffen besser standhalten kann. Die GPS-Koordinaten der Kraftwerke seien bekannt. Unklar sei allerdings noch, ob die Ukrainer die Hilfe von Starlink brauchen, um diese Angriffe durchzuführen. Die Quelle sagte, Ziel sei es, den Feind zu zermürben. Die Quelle sagte, es stelle sich die Frage: „Werden russische Soldaten noch einen weiteren eiskalten Winter in der Ukraine aushalten, mit Mangel an praktisch allem?“
