BRICS: China drängt, Indien bremst bei De-Dollarisierung

Indien will keine US-Sanktionen riskieren. Die BRICS-Staaten müssen daher Tempo aus ihrer Emanzipationsbewegung nehmen.

Bevor die Staats- und Regierungschefs der elf BRICS-Mitgliedstaaten zu ihrem Gipfeltreffen in Neu-Delhi zusammenkommen, tagt in dieser Woche bereits das Wirtschaftsforum der Gruppe, an dem laut dem indischen Business Standard die Finanzminister und Notenbankchefs teilnehmen werden.

Auf der Tagesordnung stehen unter anderem Gespräche über Finanzmechanismen innerhalb der BRICS-Gruppe. Dabei soll auch erörtert werden, wie der Handel zwischen den Mitgliedstaaten stärker in den jeweiligen nationalen Währungen abgewickelt werden kann.

In der Vergangenheit haben die Finanzminister der BRICS-Staaten bereits über Zahlungssysteme und die Nutzung einer gemeinsamen Währung gesprochen, unter anderem beim BRICS-Gipfel 2024 im russischen Kasan.

Zusätzliche Brisanz erhält das Thema durch das Verhältnis zwischen China und den USA. Chinas Staatschef Xi Jinping wird voraussichtlich zum BRICS-Gipfel nach Neu-Delhi reisen; es wäre sein erster Besuch in Indien seit sieben Jahren, berichtete der Indian Express.

China gehört innerhalb der BRICS zu den Staaten, die eine stärkere Nutzung nationaler Währungen und eine engere Zusammenarbeit bei grenzüberschreitenden Zahlungssystemen befürworten. US-Präsident Donald Trump hat dagegen wiederholt mit Zöllen von 100 Prozent gedroht, falls BRICS-Staaten eine eigene Währung schaffen oder eine Alternative zum Dollar unterstützen, berichtete Reuters. Für Indien erhöht dieser Konflikt den Druck, beim Ausbau von BRICS-Zahlungsmechanismen nicht den Eindruck einer von China vorangetriebenen „De-Dollarisierung“ entstehen zu lassen.

Indien steht nämlich allen Bemühungen skeptisch gegenüber, die von den Vereinigten Staaten als Schritt zu einer „De-Dollarisierung“ verstanden werden könnten.

Nach seiner Wahl ins Weiße Haus, wenige Monate nach dem BRICS-Gipfel in Kasan, drohte US-Präsident Donald Trump den BRICS-Staaten mit Zöllen von 100 Prozent, sollten sie sich an Initiativen zur „De-Dollarisierung“ beteiligen.

Regierungsquellen zufolge will Indien das Risiko von Sanktionen aus Washington vermeiden und sich nicht an einer solchen Initiative beteiligen. Neu-Delhi hat erklärt, dass ein ausdrücklicher Schritt weg vom US-Dollar nicht Teil seiner BRICS-Agenda sei.

Indien steht auch einem gemeinsamen Zahlungssystem innerhalb der BRICS-Gruppe zurückhaltend gegenüber. Stattdessen bevorzugt Neu-Delhi bilaterale Mechanismen und einen gezielten Einsatz lokaler Währungen bei der Abwicklung des Handels.

Im Mittelpunkt der indischen Agenda steht die Entwicklung praktischer Mechanismen, mit denen sich die Transaktionskosten im Handel zwischen den elf BRICS-Staaten senken lassen.

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