Die Europäische Union investiert zusätzlich 200 Millionen Euro in Grönland. Das Geld soll noch 2026 und 2027 fließen. Gleichzeitig haben die EU, Grönland und Dänemark eine neue Erklärung über eine engere Zusammenarbeit unterzeichnet, teilte die EU-Kommission mit.
Das Paket reicht von Bildung und Fischerei über bessere Satelliten- und Kabelverbindungen bis zu Wasserkraft und kritischen Rohstoffen. Gefördert werden sollen außerdem Wohnungsbau, nachhaltiger Tourismus und kleine Unternehmen. Grönland sei für die EU ein „strategischer Verbündeter und ein vertrauenswürdiger Freund“, sagte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen laut EU-Kommission.
Ein Teil der Mittel ist für Projekte im Bereich kritischer Rohstoffe vorgesehen. 150 Millionen Euro sollen aus der Flexibilitätsreserve des EU-Finanzierungsinstruments NDICI–Global Europe stammen, die übrigen 50 Millionen Euro aus einer internen Umschichtung innerhalb des Instruments, berichtete Agence Europe unter Berufung auf die Kommission. Als mögliche Rohstoffprojekte seien bislang Mangan und Graphit identifiziert worden. Die Rohstoffe sollten auf „sehr nachhaltige“ Weise erkundet und abgebaut werden, sagte die Kommissionsvertreterin Myriam Ferran laut Agence Europe.
Kritik von Umweltschützern
Die Finanzierung soll auch dem Klimaschutz dienen: NDICI–Global Europe verfolgt nicht nur außen- und entwicklungspolitische Ziele. Laut der zugrunde liegenden EU-Verordnung sollen Maßnahmen aus dem Instrument insgesamt zu einem Klimaschutzziel von 30 Prozent beitragen. Zudem soll es die Biodiversitätsziele des EU-Haushalts unterstützen und dürfen nicht zu Umweltschäden beitragen. Aus demselben Finanzierungsinstrument sollen aber auch Vorhaben zur Erschließung kritischer Rohstoffe in Grönland finanziert werden.
Bergbau ist auf der Insel wegen möglicher Folgen für die empfindliche arktische Umwelt umstritten. In der Umgebung früherer Minen seien noch Jahre nach deren Stilllegung erhöhte Schadstoffwerte festgestellt worden, berichtete das Amnesty Journal. Zugleich gibt es in Grönland Widerstand gegen neue Bergbauvorhaben. Rohstoffministerin Naaja Nathanielsen sagte dem Magazin, das Land wolle mit seinen Mineralressourcen Geld verdienen, aber nicht auf Kosten der Bevölkerung.
Es geht um Geopolitik
Neben wirtschaftlichen und entwicklungspolitischen Zielen verfolgt die EU mit dem Paket ausdrücklich strategische Interessen. Die Arktis sei zu einem Ort geworden, an dem die „tektonischen Platten der Geopolitik“ aufeinanderprallten, sagte von der Leyen laut Euronews. Deshalb habe die EU ein direktes Interesse an den Entwicklungen in der Region. Euronews ordnete das neue Investitionspaket zugleich als Versuch ein, Europas Präsenz in Grönland angesichts des amerikanischen Drucks auf die Insel auszubauen.
Auch EU-Kommissar Jozef Síkela stellte die Rohstoffinvestitionen in einen sicherheitspolitischen Zusammenhang. Bei kritischen Rohstoffen müsse Europa die Abhängigkeit von einzelnen Lieferländern verringern; es gehe um „Sicherheit, Resilienz und langfristige Stabilität“, sagte er im Januar gegenüber Euractiv.
Dass der stärkere finanzielle Einsatz auch geopolitisch motiviert ist, erklärt die Kommission selbst. Für den EU-Haushalt von 2028 bis 2034 schlägt sie 530 Millionen Euro für Grönland vor. Die höhere Summe begründet die EU-Kommission mit der „wachsenden geostrategischen Bedeutung“ Grönlands in der Arktis.
Das 200-Millionen-Euro-Paket ist damit zugleich Teil der strategischen Positionierung der EU in der Arktis. Investitionen in Infrastruktur und wirtschaftliche Entwicklung werden mit europäischen Interessen an kritischen Rohstoffen, Versorgungssicherheit und einer stärkeren Präsenz in der Region verbunden.
