Frankreich: Diskussion über Generalstreik

Frankreichs Gewerkschaften erhöhen mit weiteren Streiks den Druck auf Regierung und Unternehmen. Es ist denkbar, dass der Protest in einen Generalstreik mündet.

Am 7. Oktober 2026 kam es in der Nähe der Universität Sciences Politiques (Pariser Institut für Politische Studien) zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der französischen BRAV-L-Polizei in Schutzausrüstung. (Foto: JULIEN DE ROSA / AFP)
Am 7. Oktober 2026 kam es in der Nähe der Universität Sciences Politiques (Pariser Institut für Politische Studien) zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der französischen BRAV-L-Polizei in Schutzausrüstung. (Foto: JULIEN DE ROSA / AFP)

In Frankreich stehen weitere Arbeitsniederlegungen bevor. Die CGT hat die Beschäftigten von TotalEnergies für Donnerstag, den 8. Oktober, an sämtlichen Standorten des Konzerns zum Streik aufgerufen. Der Arbeitskampf richtet sich nach Angaben der Gewerkschaft auf Forderungen zu Beschäftigung und Löhnen. Vom Aufruf erfasst sind auch die Raffinerien des Konzerns sowie Beschäftigte an einzelnen Tankstellen.

Raffinerien und Tankstellen einbezogen

Welche Auswirkungen der Streik auf die Treibstoffversorgung haben wird, ist zunächst offen. Nach Angaben des CGT-Koordinators bei TotalEnergies, Éric Sellini, könnten je nach Beteiligung und den Entscheidungen an den einzelnen Standorten Treibstoffauslieferungen aus Raffinerien eingestellt oder Tankstellen geschlossen werden. Die Entscheidung darüber soll jeweils vor Ort fallen.

Die CGT begründet den Arbeitskampf unter anderem mit ihrer Forderung nach höheren Löhnen und einer anderen Beschäftigungspolitik. In Raffinerien kritisiert sie nach Gewerkschaftsangaben eine angespannte Personalsituation sowie den Einsatz von Leiharbeitern und befristet Beschäftigten. Konzerninterne CGT-Gliederungen nennen zudem allgemeine Lohnerhöhungen und den Erhalt von Arbeitsplätzen in Frankreich als Forderungen.

Zum Konzern gehört auch die Tochtergesellschaft Argedis. Sie betreibt rund 180 TotalEnergies-Tankstellen, vor allem an französischen Autobahnen. Auch Beschäftigte vollständig zum Konzern gehörender Tochtergesellschaften sollen von einer inzwischen angekündigten Sonderzahlung profitieren.

TotalEnergies kündigt 1.000 Euro an

TotalEnergies hat vor dem Streik die Zahlung eines Vorschusses von 1.000 Euro an seine Beschäftigten in Frankreich angekündigt. Die Zahlung erfolgt im Vorfeld der regulären jährlichen Lohnverhandlungen, die im Dezember beginnen sollen. Nach Angaben des Unternehmens handelt es sich um eine vorgezogene Sonderzahlung für 2026.

Die CGT hält ungeachtet dessen an ihrem Streikaufruf fest. Sellini bezeichnete die Zahlung als nicht ausreichend und verwies auf die Forderungen zu Löhnen und Beschäftigung. Die letzten regulären Lohnverhandlungen für rund 14.000 Beschäftigte des gemeinsamen Sozialstatuts von TotalEnergies waren Anfang des Jahres ohne Einigung zwischen Unternehmensleitung und den beiden Gewerkschaften CGT und CFE-CGC zu Ende gegangen. Insgesamt beschäftigt der Konzern einschließlich seiner Tochtergesellschaften nach Angaben von Le Monde rund 35.000 Menschen in Frankreich.

Landesweiter Streiktag am 5. November

Die Auseinandersetzung bei TotalEnergies steht nicht allein. Die fünf Gewerkschaftsverbände CFDT, CGT, FO, UNSA und FSU haben am 5. Oktober gemeinsam zu einem landesweiten Streik- und Demonstrationstag am 5. November aufgerufen. Als Themen nennen sie Löhne, öffentliche Dienstleistungen, Beschäftigung und Industrie.

Die CGT hat darüber hinaus ihre Gliederungen dazu aufgerufen, in den Betrieben Versammlungen abzuhalten und weitere Mobilisierungen insbesondere für höhere Löhne zu organisieren. Neben dem TotalEnergies-Streik am 8. Oktober nennt die Gewerkschaft weitere bereits angesetzte Aktionen in einzelnen Bereichen und bezeichnet den 5. November als großen gemeinsamen branchenübergreifenden Streik- und Demonstrationstag.

Auch im öffentlichen Dienst bestehen regional zum Teil länger laufende Streikankündigungen. So hat beispielsweise eine CGT-Gliederung im Département Bas-Rhin für zahlreiche Tage im Oktober Streikankündigungen hinterlegt. Andere örtliche CGT-Verbände haben verlängerbare Arbeitskämpfe angekündigt. Diese Aufrufe gelten jedoch jeweils für bestimmte Regionen oder Beschäftigtengruppen und sind kein landesweiter Generalstreik.

Kein gemeinsamer Aufruf zum Generalstreik

Ein gemeinsamer Aufruf der großen Gewerkschaftszentralen zu einem unbefristeten oder landesweiten Generalstreik liegt bislang nicht vor. Der gemeinsame Beschluss von CFDT, CGT, FO, UNSA und FSU sieht derzeit einen eintägigen nationalen Streik- und Demonstrationstag am 5. November vor.

Parallel dazu laufen sektorale und regionale Arbeitskämpfe. Die CGT fordert ihre Organisationen ausdrücklich auf, weitere betriebliche Mobilisierungen vorzubereiten. Ob daraus über die bereits beschlossenen Streiktage hinaus ein gemeinsamer, länger dauernder Arbeitskampf entsteht, haben die Gewerkschaftszentralen bislang nicht angekündigt.

Die Arbeitskämpfe finden gleichzeitig mit weiteren sozialen Protesten in Frankreich statt. Dazu gehören derzeit auch Schüler- und Studentenproteste. Diese sind jedoch von den betrieblichen Streikaufrufen und dem für den 5. November angekündigten gewerkschaftlichen Aktionstag zu unterscheiden.

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