Besonders angespannt ist die Lage in Frankreich. Die Renditen französischer Staatsanleihen sind zuletzt deutlich gestiegen. Zeitweise lagen zehnjährige französische Papiere über den Renditen vergleichbarer Anleihen Italiens und Griechenlands.
Investoren reagieren vor allem auf die hohen Haushaltsdefizite und die wachsende Schuldenlast. Der Internationale Währungsfonds (IWF) fordert Frankreich zu einer stärkeren Haushaltskonsolidierung auf. Ohne weitere Maßnahmen drohe die Verschuldung auf einem zu hohen Niveau zu bleiben und die Anfälligkeit gegenüber neuen Schocks zuzunehmen.
Auch IWF-Chefin Kristalina Georgieva warnt vor den Folgen höherer Zinsen und wachsender Schuldenlasten. Anfang September forderte sie beim G20-Treffen glaubwürdige mittelfristige Konsolidierungspläne und Strukturreformen.
Italien will Aufsicht über den Anleihehandel national halten
Italien prüft den Rückkauf der Anleihehandelsplattform MTS von Euronext. Hintergrund ist der Streit über die künftige Aufsicht über Europas Finanzmärkte. Die EU will die Kompetenzen der europäischen Wertpapieraufsicht ESMA ausweiten und große grenzüberschreitende Marktinfrastrukturen stärker auf europäischer Ebene beaufsichtigen.
Rom stellt sich gegen eine solche Verlagerung bei zentralen Teilen seines Staatsanleihemarktes. Nach Berichten prüft die Regierung von Giorgia Meloni den Rückkauf von MTS ausdrücklich mit dem Ziel, die nationale Aufsicht über den italienischen Schuldenmarkt zu bewahren.
Als möglicher Käufer gilt die staatlich kontrollierte Cassa Depositi e Prestiti. Sie könnte den Anteil von rund 63 Prozent übernehmen, den Euronext an MTS hält. Die Beteiligung wird mit etwa 600 Millionen Euro bewertet. MTS wurde 1988 vom italienischen Finanzministerium gegründet und ist bis heute eine zentrale Plattform für den Handel mit italienischen Staatsanleihen.
Auch Italiens Schuldenstand bleibt hoch. Der IWF empfiehlt dem Land weitere Konsolidierungsschritte und warnt vor der Empfindlichkeit der Staatsfinanzen gegenüber höheren Zinsen und schwächerem Wachstum.
