Großbritannien warnt seine Bürger. Sie mögen angesichts der Klimakrise und der der Bedrohung durch feindliche Staaten Lebensmittel-Vorräte anlegen.
Eine Kampagne der Regierung zur „Stärkung der Resilienz“ soll sicherstellen, dass sich die Bevölkerung in einer nationalen Katastrophe selbst versorgen kann, um staatliche Ressourcen für die Bedürftigsten freizusetzen.
Konserven und Wasser
Die Kampagne soll aufzeigen, wie sich die Bevölkerung auf extreme Wetterereignisse und mögliche Angriffe feindlicher Staaten vorbereiten kann, unter anderem durch die Bevorratung mit Trinkwasser in Flaschen, so der Guardian.
Die Planungen für verschiedene Katastrophen, von Cyberangriffen über extreme Hitze bis hin zu Überschwemmungen, wurden in den letzten Monaten nach einer Reihe von Vorfällen in Großbritannien und weltweit verstärkt. Die Pläne, über die auch die Financial Times berichtet, beinhalten auch eine interne Überprüfung der Regierungsvorbereitungen für einen Militärschlag eines feindlichen Staates gegen Großbritannien.
Arbeit an „Kriegsbuch“
Die Ministerin im Kabinettsbüro, Louise Haigh, die faktische Stellvertreterin von Andy Burnham, koordiniert die Krisenplanung der verschiedenen Ministerien in Whitehall, um betroffenen Gemeinden schneller helfen zu können.
Haighs Vorgänger, Darren Jones, hatte erklärt, dass an dem sogenannten „Kriegsbuch“ über die möglichen Auswirkungen internationaler Konflikte auf Großbritannien gearbeitet werde.
Burnhams Vorgänger, Keir Starmer, warnte kurz vor seinem Ausscheiden aus dem Amt, Russland könne laut westlichen Geheimdiensterkenntnissen innerhalb von vier Jahren ein NATO-Land angreifen.
Burnham in Kiew
Bei seinem Besuch in der Ukraine am Montag hatte Burnham dem Kreml „ungeheuerliche Drohungen“ gegen Großbritannien vor, nachdem Russland vor einer Eskalation der Spannungen gewarnt hatte. Hintergrund war die Entscheidung Großbritanniens, der Ukraine neu freigegebene Baupläne für Langstreckenraketen zu präsentieren, die es Kiew ermöglichen sollen, seine Produktion zu verbessern.
Wladimir Putins Sprecher, Dmitri Peskow, sagte: „Großbritannien ist in diesem Krieg an der Seite des Kiewer Regimes verwickelt. Großbritannien gießt systematisch und regelmäßig Öl ins Feuer und schmiedet systematisch und regelmäßig Pläne, um selbst den geringsten Fortschritt im Friedenssprozess zu verhindern.“
Nicht der erste Aufruf in jüngerer Vergangenheit
Solche Aufrufe sind selten und häufen sich in jüngster Zeit. Am 22. Mai 2024 startete die Regierung unter dem damaligen Vizepremier Oliver Dowden die offizielle „Prepare“-Kampagne. Damals wurde empfohlen, genug haltbare Lebensmittel und Wasser zu Hause zu haben, um ungefähr drei Tage überbrücken zu können. Dowden betonte ausdrücklich, es gehe nicht um Hamsterkäufe, sondern um vernünftige Vorsorge.
Im April 2026 erklärte die Regierung im Parlament, Großbritannien selbst verfüge über keine nationalen strategischen Lebensmittelvorräte und plane zu diesem Zeitpunkt auch keine solchen staatlichen Lager.
Kalter Krieg
Einen vergleichbaren historischen britischen Aufruf zur privaten Lebensmittelbevorratung gab es 1980 – mitten im Kalten Krieg.
Damals veröffentlichte die britische Regierung die Zivilschutzbroschüre „Protect and Survive“. Sie war ursprünglich dafür vorgesehen, im Fall einer unmittelbar drohenden schweren Krise an praktisch alle Haushalte verteilt zu werden. Die Regierung entschied sich, die Broschüre bereits in Friedenszeiten öffentlich zugänglich zu machen.
Drastische Vorgaben
Die Empfehlungen waren drastisch: Haushalte sollten Lebensmittel für 14 Tage vorhalten. Empfohlen wurden haltbare oder kalt essbare Lebensmittel wie Konserven, Getreideprodukte, Kekse, Fleisch, Gemüse, Obst und Säfte. Zusätzlich sollte genügend Trinkwasser für zwei Wochen bereitstehen. Der Hintergrund war ganz konkret die Vorbereitung auf einen nuklearen Angriff und den anschließenden radioaktiven Fallout.
Angst verschwindet 1989
1989 dagegen sah es ganz anders aus. Die Regierung wurde im Unterhaus gefragt, welche Empfehlungen sie der Öffentlichkeit zur Lebensmittelbevorratung für einen Kriegsfall gebe. Der Landwirtschaftsminister sah keinen Anlass zur Amgst und sagte: Wegen der geringen Wahrscheinlichkeit eines Krieges gebe es keinen laufenden allgemeinen Aufruf; die Bevölkerung würde entsprechend informiert, falls eine solche Lage tatsächlich eintrete.
