Pakistan bemüht sich um US-Finanzierungen, um wieder auf die globalen Kapitalmärkte zurückzukehren. Die Financial Times (FT) sieht darin „eine bedeutende Kursänderung dar, nachdem das Land jahrelang auf Staatskredite aus China angewiesen war“.
Finanzminister Muhammad Aurangzeb sagte der FT, die von Pakistan im vergangenen Monat bei Washington beantragte Swap-Linie in Höhe von 10 Milliarden US-Dollar solle als „Vertrauenssignal“ an private Investoren dienen. Die vom Militär gestützte Regierung in Islamabad wolle die engen Beziehungen zur Trump-Administration nutzen und die internationale Kreditaufnahme beschleunigen.
Aurangzeb, ein ehemaliger Manager bei Citibank und JPMorgan, der auch die pakistanische Habib Bank leitete, möchte Pakistans Wirtschaft „von Entwicklungshilfe hin zu Handel und Investitionen“ verlagern.
Aurangzeb sieht eine „sehr wichtige Rolle“ für die Export-Import-Bank der Vereinigten Staaten (ExIm Bank) und die US International Development Finance Corporation (DFC), die seiner Aussage nach „Risikobereitschaft gegenüber Pakistan“ gezeigt hätten.
„Es ist eine Kombination aus dem Dialog mit den USA, vor allem mit dem Fokus auf Handels- und Investitionsströme, und der Signalwirkung auf den internationalen Kapitalmärkten“, sagte er.
Aurangzeb erklärte, Islamabad habe von Washington ein positives Feedback zur 10-Milliarden-Dollar-Swap-Linie erhalten und hoffe, in den nächsten Monaten eine Antwort zu bekommen.
Pakistan hat im Rahmen eines 2024 genehmigten, dreijährigen IWF-Programms im Umfang von 7 Milliarden Dollar seine Haushaltsdefizite reduziert, die Inflation gesenkt und seine Reserven wieder aufgebaut. Das von der Regierung für das Fiskaljahr 2025/26 auf 3,7 Prozent geschätzte BIP-Wachstum reicht jedoch nicht aus, um den Bedarf der schnell wachsenden Bevölkerung zu decken, und die Armut hat zugenommen.
Aurangzeb sagte, die Regierung wolle die Exporte ankurbeln, um die anhaltende Zahlungsbilanzkrise des importabhängigen Landes zu überwinden. Pakistans Handelsbilanzdefizit erreichte im Zeitraum bis Juni mit 39,5 Milliarden Dollar den höchsten Stand seit vier Jahren, und die Exporte gingen zurück.
Ob die FT mit ihrer Einschätzung richtig liegt, dass nämlich Pakistan von China wegstrebe, ist schwer einzuschätzen. Pakistan erhält nämlich beträchtliche Kredite und andere Finanzierungen aus China, das zu den größten ausländischen Gläubigern Pakistans zählt.
Laut einer IWF-Studie vom April 2026 beliefen sich Pakistans direkte Schulden gegenüber China als bilateralem Gläubiger im Juni 2025 auf rund 23,5 Milliarden US-Dollar. Hinzu kamen Schulden in Höhe von etwa 5,7 Milliarden US-Dollar gegenüber chinesischen Geschäftsbanken. Allein in diesen beiden Kategorien ergibt sich somit ein Gesamtbetrag von rund 29 Milliarden US-Dollar.
Ein Großteil der chinesischen Finanzierungen ist mit Infrastruktur- und Energieprojekten des CPEC (Wirtschaftskorridor China-Pakistan) verbunden. Weitere Finanzierungen erfolgen in Form von Staatskrediten, Krediten von Geschäftsbanken, Einlagen und wiederholten Refinanzierungen fälliger Schulden.
China ist nicht Pakistans einziger bedeutender Kreditgeber. Pakistan schuldet auch Institutionen wie der Weltbank, dem IWF und der Asiatischen Entwicklungsbank sowie anderen Ländern und privaten Gläubigern hohe Beträge. Die IWF-Daten beziffern Pakistans gesamte Auslandsverschuldung im Juni 2025 auf rund 107 Milliarden US-Dollar.
