Die Weizenpreise steigen. Weit verbreitete Dürre hat die Erntebedingungen auf der Nordhalbkugel beeinträchtigt. Die kriegerische Auseinandersetzung im Schwarzen Meer gefährdet die globale Weizenversorgung. Die Weizenpreise sind in den vergangenen Wochen um fast 25 Prozent über das Niveau von Januar 2026 gestiegen. Am Donnerstag stiegen die Referenzpreise für Weizen-Futures auf ein fast dreijähriges Hoch gestiegen, da Händler die zunehmenden Störungen im Exportgeschäft einpreisen. Dazu gehören vor allem die Angriffe auf den größten ukrainischen Donauhafen und auf die russischen Schwarzmeerhäfen in Noworossijsk und Taman in den vergangenen zwei Wochen.
Angriff auf Häfen von Odessa
Russische Raketenangriffe auf die Häfen von Odessa haben die ukrainischen Getreideexporte beeinträchtigt. Ukrainische Drohnenangriffe auf Schiffe im Asowschen Meer haben wiederum die Lieferungen durch die Straße von Kertsch praktisch zum Erliegen gebracht. Infolgedessen sanken die gesamten Exporte aus dem Schwarzen Meer Ende Juli um mehr als 40 Prozent im Vergleich mit dem Vorjahr, so die Zahlen des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Russland ist der weltweit größte Getreideexporteur, die Ukraine der fünftgrößte. Zusammen decken sie etwa 32 Prozent des weltweiten Weizenbedarfs. Die Störungen in den Häfen beider Länder im Asowschen und Schwarzen Meer werden laut Oxford Economics die weltweiten Vorräte in diesem Jahr um bis zu 86 Millionen Tonnen reduzieren, was etwa 17 Prozent der globalen Getreideexporte entspricht. Betroffen sind laut der Financial Times (FT) 52 Millionen Tonnen der russischen und 34 Millionen Tonnen der ukrainischen Exporte.
Transport über Land ist teuer
Wie bereits 2022 zu beobachten war, kann die Ukraine zwar einen Teil ihres Weizens per Lkw, Bahn und Binnenschiff über die Donau zu rumänischen Häfen transportieren, jedoch zu erheblichen Kosten, wie das International Food Policy Research Institute (IFPRI) analysiert. Diese Landroute führte auch zu politischen Spannungen mit den EU-Nachbarn der Ukraine, insbesondere mit Polen, der Slowakei, Ungarn und Rumänien, da die gestiegenen Getreidemengen die lokalen Preise drückten und die Transportkosten in die Höhe trieben.
Auch Russland verfügt laut IFPRI zumindest kurzfristig nur über begrenzte Transportalternativen. Die russischen Häfen an der Ostsee und im Arktischen Ozean liegen weit entfernt von den Getreideanbaugebieten und haben keine ausreichenden Verladekapazitäten, um die über das Schwarze Meer exportierten Mengen zu bewältigen.
Dünger fehlt wegen der Straße von Hormus
Anhaltende Störungen könnten laut IFPRI auch andere ukrainische Agrarexporte, darunter Mais und Sonnenblumenöl, sowie russische Düngemittelexporte wie Harnstoff und andere Stickstoffdünger, Phosphat und Kali beeinträchtigen. Dies sei besonders besorgniserregend angesichts der anhaltenden Schließung der Straße von Hormus und Russlands Bedeutung als Düngemittellieferant.

Dürre weltweit, vor allem in den USA
Die zunehmenden Spannungen im Schwarzen Meer sind nur ein Aspekt des Problems: IFPRI stellt einen Rückgang der weltweiten Weizenernte aufgrund von Dürre fest. So schätzt das US-Landwirtschaftsministerium (USDA), dass deren Gesamtproduktion im Wirtschaftsjahr 2026/27 um 11 Prozent sinken wird, während die Weizenexporte voraussichtlich um 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgehen werden.
Die gesamte US-Weizenproduktion werde voraussichtlich um 26 Prozent und die Exporte um fast 15 Prozent sinken. Ein Großteil des Problems sei auf die anhaltende Dürre in den südlichen Ebenen der USA zurückzuführen, die die Produktion von Hartweizen (Winterweizen) um schätzungsweise 29 Prozent reduziert hat.
Dürre und hohe Temperaturen haben auch in der EU die Weizen- und Maiserträge verringert. Zwar ist die Dürre in der Ukraine und in Russland im Vergleich zum übrigen Europa kein Problem – es wird eine gute Ernte erwartet. Doch aufgrund der Konflikte um Schifffahrtswege unklar, wie viel Weizen tatsächlich auf den Markt kommen wird.
Warten auf Folgen von El-Niño
Laut IFPRI werden die im Laufe dieses Jahres erwarteten Folgen von El-Niño die Weizenproduktion voraussichtlich verringern, hauptsächlich auf der Südhalbkugel. Das genaue Ausmaß ist jedoch noch unklar.
Australiens Weizenanbauflächen für die Ernte 2026/27 liegen aufgrund erwarteter Trockenheit und gestiegener Düngemittelkosten 12 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) schätzt, dass die Exporte im gleichen Zeitraum ebenfalls um 12 Prozent sinken werden.
Argentiniens Weizenexporte dürften um 19 Prozent zurückgehen. Argentinien könnte allerdings von den durch die El Niño-Umstände bedingten vermehrten Niederschlägen profitieren.
