Nach der Flut: Was wird nun aus Nepals Wasserkraft?

Nepal hat durch die Flut ein Zehntel seine Wasserkraft-Kapazität verloren. Das hat Auswirkungen auf Indien und China.

Dieses Luftbild zeigt Häuser, die nach den Sturzfluten in Devighat im nepalesischen Distrikt Nuwakot am 29. August 2026 stark mit Schlamm bedeckt sind. Fast 3.000 Menschen galten am 29. August noch als vermisst, und 633 Tote wurden bestätigt, nachdem Sturzfluten und Erdrutsche die Grenze zwischen Nepal und Tibet getroffen hatten. (Foto: Manan VATSYAYANA / AFP)

Die gewaltige Flutwelle aus Erde, Wasser und Eis, die eine Region in Nepal heimsuchte, hat innerhalb weniger Minuten mehr als ein Zehntel der Wasserkraftkapazität des Landes genommen. Die Überschwemmungen in den Tälern von Bhotekoshi und Trishuli beschädigten oder zerstörten 14 Wasserkraftprojekte, darunter sechs im Bau befindliche. Nach dem Unwetter am Mittwoch fielen laut der nepalesischen Elektrizitätsbehörde 431 Megawatt Erzeugungskapazität aus – mehr als 12 Prozent der Gesamtkapazität des Landes.

Die Verluste waren weitaus höher, wenn man die im Bau befindlichen Projekte mit einbezog, so die New York Times. Zähle man diese Anlagen, deren Betrieb nun eingestellt oder die teilweise weggespült wurden, verdoppelt sich der Kapazitätsverlust nahezu. Darunter befand sich auch das Projekt Trishuli-1, wo 63 Inder aus einem Bautunnel gerettet wurden und über 100 Arbeiter weiterhin vermisst werden.

Das 647 Millionen Dollar teure Projekt unter der Leitung zweier koreanischer Firmen stand kurz vor der Fertigstellung. Diese ist nun gefährdet, berichtet die Zeitung Korea JoongAng Daily. Mehr als 90 Prozent des oberen Staudamms wurden zerstört, ebenso wie etwa 90 Prozent des Basislagers, in dem die Bauarbeiter untergebracht waren. Das 216-Megawatt-Kraftwerk, das am Fluss Trishuli, etwa 70 Kilometer nördlich von Kathmandu, war zu rund 84 Prozent fertiggestellt. Als Nepals größtes Wasserkraftwerk und wichtiger Bestandteil der nationalen Infrastruktur, das mehr als 10 Prozent des Strombedarfs des Landes decken soll, war die Fertigstellung für Ende dieses Jahres geplant, die Inbetriebnahme für Juli 2027.

Exporte nach Indien

Nepal setzt große Hoffnungen in die Flüsse des Himalaya, um sich zu einem bedeutenden Produzenten und Exporteur erneuerbarer Energien zu entwickeln.

Vor allem für Indien ist Nepal wichtig. Nepal unterzeichnete im Juli ein Abkommen zur Lieferung von 10.000 Megawatt Strom nach Indien über einen Zeitraum von zehn Jahren. Indiens Strombedarf steigt rasant, da der Bedarf der 1,4 Milliarden Einwohner wächst, obwohl das Land die Erzeugung von Solar-, Wind- und Kernenergie schnell ausbaut. Die indische Regierung zögert jedoch, sich auf Wasserkraftprojekte zu verlassen, die von China, dem Rivalen jenseits des Himalaya, unterstützt werden.

Investments aus China

Chinas Wasserkraftpräsenz in Nepal konzentriert sich hauptsächlich auf den Marsyangdi-Korridor, wo chinesische Unternehmen und die nepalesische Butwal Power Company drei Projekte entwickeln. Diese Projekte stellen zusammen eines der bedeutendsten aktiven Wasserkraftengagements Chinas in Nepal dar.

Indien ist im Bereich Wasserkraft deutlich stärker vertreten. Nepal importiert tendenziell in den Winter-/Trockenmonaten Strom und exportiert überschüssige Wasserkraft während des Monsuns.

Indische Staatsunternehmen entwickeln Großprojekte und dominiert derzeit die Planung von Wasserkraftprojekten in Nepal, während China ein wichtiger, aber kleinerer Investor bleibt. China hat angekündigt, seine Investitionen zu erhöhen, doch mehrere in der Vergangenheit angekündigte große chinesische Projekte wurden nie realisiert.

Indien ist nicht nur als Investor in die nepalesische Wasserkraft von Bedeutung, sondern auch als Nepals wichtigster Ausgleichsmarkt für den Stromhandel. Nepal importiert tendenziell in den Wintermonaten Strom und exportiert überschüssige Wasserkraft während der Monsun-Zeit.

Chinas Rolle im nepalesischen Wasserkraftsektor beschränkt sich hauptsächlich auf Investoren, Kreditgeber, Auftragnehmer und Ausrüster, weniger auf Stromabnehmer.

Was wird aus der Wasserkraft?

Die Ausfälle durch die Flutkatastrophe dürften sich auf die Entwicklungsperspektiven des Landes auswirken. Nepals unabhängige Stromerzeuger schufen laut der offiziellen Behörde im Laufe eines Jahres rund 236.000 Arbeitsplätze im Bereich Wasserkraft, von denen etwa 1.900 dauerhaft waren. Der Rest arbeitete befristet oder auf Projektbasis.

Aktuell steht allerdings die Bergung von Toten und Verletzten sowie die Suche nach über 3.000 Vermissten im Vordergrund.

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