Rhein und Donau: Wasserstände auf Rekord-Tief

Der Rhein ist wegen des Niedrigwassers faktisch zweigeteilt. In Serbien führt die Donau nicht genug Wasser zur Löschung von Waldbränden.

Das Foto vom 14. August 2026 zeigt die Burg Pfalzgrafenstein auf einer Insel im ausgetrockneten Rhein bei Kaub in Westdeutschland. (Foto: Torsten Silz / AFP)

Während eine Hitzewelle die deutschen Flüsse austrocknen lässt, herrscht unter den Regierungsmitgliedern Uneinigkeit darüber, wie man dem entgegenwirken soll – die Wasserwege umgestalten oder sie in ihren natürlichen Zustand zurückversetzen. Die Debatte hat sich verschärft, da der besorgniserregend sinkende Wasserstand riesige Sandbänke auf Rhein, Donau, Elbe und anderen Flüssen freigelegt hat und den für viele Branchen wichtigen Güterverkehr massiv beeinträchtigt. Angesichts des Klimawandels, der in Europa und darüber hinaus zu neuen Hitzerekorden und längeren Trockenperioden führt, ist die Lage durchaus ernstzunehmen.

Lage am Rhein

Die Niedrigwasser-Lage im Rhein hat sich am Samstag unterdessen nicht weiter verschärft. Der Pegelstand an der viel beachteten Messstelle im rheinland-pfälzischen Kaub stieg bis zum späten Vormittag leicht auf elf Zentimeter nach sechs Zentimetern am Vortag, wie aus dem Monitoring der Internationalen Kommission zum Schutz des Rheins hervorging.

Autofahrer in Ostfrankreich bekommen die Folgen des Niedrigwassers im Rhein zu spüren. In der Region Grand Est, zu der unter anderem das Elsass und Lothringen gehören, waren am Freitagmorgen nach französischen Behördenangaben 14 Prozent der Tankstellen unterversorgt. Wegen der niedrigen Pegelstände ist die Binnenschifffahrt stark beeinträchtigt,viele Kraftstofflieferungen erreichen deshalb nicht mehr den Hafen von Straßburg.

Landesweit haben den Angaben nach nur drei Prozent der Tankstellen Versorgungsprobleme. Und auch innerhalb der Region Grand Est verschärft sich die Lage mit zunehmender Nähe zum Rhein: in den Vogesen und im Elsass steigt die Quote auf 25 bis 50 Prozent.

Am Rhein wurden in dieser Woche historische Tiefstände gemessen. Die Binnenschifffahrt stellt das vor große Probleme, da die Schiffe deutlich weniger Ladung transportieren oder sogar gar nicht mehr fahren können. Der Rhein, die bei weitem wichtigste Wasserstraße Deutschlands, ist inzwischen praktisch zweigeteilt: Südlich von Kaub ist die Schifffahrt nur noch begrenzt möglich.

Donau: Wasserstand niedrig wie seit 150 Jahren nicht

Auch die Donau macht Sorgen: Der Wasserstand der Donau in Serbien ist so niedrig wie seit 100 bis 150 Jahren nicht mehr. Dies erschwere die Bekämpfung der Waldbrände, erklärte Vizepremierminister und Innenminister Ivica Dačić.

„Wir befinden uns am Donau-Theiß-Donau-Kanal. Wie Sie wissen, erleben wir ein historisches Ereignis: den niedrigsten Donauwasserstand seit 100 bis 150 Jahren. Und Wasser wird zum Löschen von Bränden benötigt“, zitierte ihn die Pressestelle des Ministeriums.

Bis heute konnten landesweit 32 Brände unter Kontrolle gebracht werden, so der Minister. Die Löscharbeiten im Naturschutzgebiet Deliblato-Sand im Nordosten des Landes werden jedoch durch das schwierige Gelände erschwert.

Die Probleme mit dem Wasserstand der Donau und ihrer Nebenflüsse wurden durch eine Dürre verursacht, die auf heißes Wetter und ausbleibende Niederschläge in den mittel- und osteuropäischen Ländern zurückzuführen ist.

Kein Kühlwasser aus der Donau: Rumänien schaltet AKW ab

Rumänien hat am Donnerstag sein einziges Atomkraftwerk abgeschaltet – ein seltener Schritt angesichts der anhaltenden Dürre, die zu Rekordtiefständen im Donaustrom und anderen wichtigen europäischen Flüssen geführt hat.

Die Donau ist die einzige Kühlwasserquelle für das Kraftwerk Cernavoda, das normalerweise etwa ein Fünftel des rumänischen Stroms erzeugt.

Das Kraftwerk war zuvor nur einmal, im Jahr 2023, aufgrund von Dürre und einem heißen Sommer abgeschaltet worden.

Ungarn bemühte sich unterdessen fieberhaft um die Aufstauung der Donau, um sein Atomkraftwerk Paks zumindest auf dem minimalen Leistungsniveau zu halten, das es in den letzten Tagen aufrechterhalten hatte und das weit unter seiner Kapazität liegt.

BUND: Flüsse sind mehr als nur Wasserstraßen

In Zeiten von Niedrigwasser sind nicht nur die industrielle Nutzung und Logistik am Fluss betroffen, sondern auch die sensiblen Ökosysteme in und an den Gewässern. Der Rückgang der Wasserstände führt zu einem reduzierten Sauerstoffgehalt, erhöhten Temperaturen und einer verstärkten Schadstoffkonzentration im Wasser. Diese Umstände gefährden flache Uferzonen und Kiesbänke, die als Laich- und Aufwuchsgebiete von Fischen und anderen aquatischen Lebewesen dienen und nun allmählich austrocknen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) appelliert daran, Flüsse nicht nur als Verkehrswege zu betrachten.

Olaf Bandt, Vorsitzender des BUND, sagte laut Aussendung: „Das Niedrigwasser bedroht nicht nur wirtschaftliche Strukturen, sondern auch unverzichtbare Lebensräume. Flüsse sind komplexe Ökosysteme, auf die zahlreiche Tier- und Pflanzenarten angewiesen sind. Die Vertiefung der Fahrrinnen wird der Landschaft zusätzlich Wasser entziehen, was ebenfalls die Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Trinkwasserversorgung beeinträchtigen könnte.“

Niedrigwasser stellt eine erhebliche Belastung für Flusstiere und Pflanzen dar, und je länger diese Situation anhält, desto gravierender sind die Folgen. Besonders kritisch ist die Kombination aus geringem Wasserstand und hohen Temperaturen, die oft zu schnelleren Algenblüten führt. Dadurch wird dem Wasser weiterer Sauerstoff entzogen, was eine überlebensbedrohliche Situation für Fische und Kleinlebewesen schafft.

Darüber hinaus leiden auch die Uferbereiche erheblich unter dem Niedrigwasser. Wasserpflanzen drohen auszutrocknen, da ihre Wurzeln das absinkende Wasser nicht mehr erreichen können. Insbesondere die seltenen und bedrohten Auen-Lebensräume sind stark gefährdet und könnten ihre Funktion als Rückzugs- und Ernährungsgebiete verlieren, falls sie vom Hauptstrom abgeschnitten werden.

Die Konzentration von Sauerstoff und Schadstoffen verändert sich ebenso in Zeiten von Niedrigwasser. Weniger Wasser bedeutet weniger Sauerstoff, und die Giftstoffbelastung nimmt zu, was den Stress für Fische, Muscheln und andere Wasserorganismen weiter erhöht.

Wird über die Vertiefung der Fahrrinnen für Binnenwasserstraßen nachgedacht, sind die ökologischen Kosten hoch. Der BUND fordert daher keine weiteren Vertiefungen der Fahrrinnen, sondern stattdessen Renaturierungsmaßnahmen, einen erhöhten Wasserrückhalt in der Landschaft sowie die Anpassung der Schifffahrt an das verfügbare Wasserangebot.

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