Autoindustrie: China lässt Deutschland weit hinter sich

China will seine führende Position ausbauen. 2025 wurden in China 30 Millionen Pkw gebaut. In Deutschland waren es vier Millionen. 1996 produzierte Deutschland 4,5 Millionen Pkw - China nur etwa 400.000 Stück.

China will seine Stellung in der weltweiten Automobilindustrie bis 2030 weiter ausbauen. Fahrzeuge mit alternativen Antrieben sollen dann 70 Prozent der neu verkauften Pkw auf dem chinesischen Markt ausmachen. Zudem sollen automatisierte Fahrfunktionen in großem Umfang eingesetzt werden. Das geht aus dem Entwicklungsplan für intelligente, vernetzte Fahrzeuge mit alternativen Antrieben für den Zeitraum 2026 bis 2030 hervor, den das chinesische Ministerium für Industrie und Informationstechnologie (MIIT) am Freitag gemeinsam mit acht weiteren Regierungsbehörden in Peking veröffentlicht hat.

Der Plan ist Teil der industriepolitischen Strategie Chinas für den 15. Fünfjahresplan. Nach Angaben des MIIT sollen Fahrzeuge mit alternativen Antrieben bis 2030 einen Anteil von 70 Prozent an den Neuwagenverkäufen bei Pkw und 40 Prozent bei Nutzfahrzeugen erreichen. Gleichzeitig sollen Fahrzeuge mit automatisierten Fahrfunktionen breiter eingesetzt werden. Hochautomatisiertes Fahren soll unter anderem auf Autobahnen, Stadtschnellstraßen und Teilen des innerstädtischen Straßennetzes möglich werden.

Mit dem Entwicklungsplan verfolgt China zugleich das Ziel, seine Stellung als globale Automobilnation weiter zu stärken. Nach Angaben des MIIT sollen international wettbewerbsfähige Fahrzeug- und Zulieferunternehmen entstehen, chinesische Marken ihre Position auf ausländischen Märkten ausbauen und China größeren Einfluss auf internationale technische Standards und Vorschriften erhalten. Damit richtet sich die Strategie nicht allein auf den chinesischen Binnenmarkt, sondern auch auf die internationale Expansion der heimischen Autoindustrie.

China heute deutlich vor Deutschland bei den Stückzahlen

China ist bereits heute der mit Abstand größte Produktionsstandort der weltweiten Autoindustrie. Nach Zahlen des Verbands der Automobilindustrie (VDA) wurden 2025 in China rund 29,9 Millionen Pkw produziert. In Deutschland waren es rund 4,15 Millionen. Damit wurden in China mehr als siebenmal so viele Pkw hergestellt wie in Deutschland. Deutschland lag nach Angaben des VDA bei der Pkw-Produktion weltweit auf Rang fünf.

Auch beim Export hat China erheblich an Bedeutung gewonnen. Nach Angaben des VDA exportierte China 2025 rund sechs Millionen Pkw, 22 Prozent mehr als im Vorjahr. China war damit nach Stückzahlen der größte Autoexporteur der Welt.

Besonders ausgeprägt ist Chinas Stellung bei Elektrofahrzeugen. Nach Zahlen der Internationalen Energieagentur (IEA) wurden 2025 mehr als 13 Millionen Elektroautos in China verkauft. Ihr Anteil an den dortigen Neuwagenverkäufen lag bei knapp 55 Prozent. Rund sechs von zehn weltweit verkauften Elektroautos entfielen nach Angaben der IEA auf den chinesischen Markt. Gleichzeitig wurden fast drei Viertel aller weltweit produzierten Elektroautos in China hergestellt.

Deutschland bleibt dennoch ein wichtiger Standort der internationalen Automobilindustrie. Der reine Vergleich der Inlandsproduktion bildet die Bedeutung deutscher Hersteller nur teilweise ab, da Unternehmen wie Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz einen erheblichen Teil ihrer Fahrzeuge in Werken außerhalb Deutschlands produzieren. Bei den reinen Produktionsmengen ist China Deutschland inzwischen jedoch deutlich voraus.

Vor 30 Jahren waren die Verhältnisse umgekehrt

Mitte der 1990er-Jahre war die Situation noch grundlegend anders. Nach historischen Daten des US-amerikanischen Bureau of Transportation Statistics wurden 1996 in China lediglich rund 382.000 Pkw produziert. In Deutschland waren es im selben Jahr rund 4,54 Millionen.

Auch die historischen Zahlen des VDA weisen für Deutschland 1996 eine Pkw-Produktion von exakt 4.539.583 Fahrzeugen aus. Deutschland produzierte damit damals fast zwölfmal so viele Pkw wie China.

Innerhalb von drei Jahrzehnten hat sich dieses Verhältnis vollständig umgekehrt. Während Deutschland 1996 bei der Pkw-Produktion fast zwölfmal vor China lag, produzierte China 2025 mehr als siebenmal so viele Pkw wie Deutschland. China entwickelte sich in diesem Zeitraum von einem vergleichsweise kleinen Pkw-Produktionsstandort zum größten Automobilproduzenten der Welt.

Ziele für Verbrauch und autonomes Fahren

Neben den Produktions- und Absatzzielen enthält der chinesische Entwicklungsplan konkrete Vorgaben für den Energieverbrauch. Nach Angaben des MIIT soll der durchschnittliche Kraftstoffverbrauch von Pkw bis 2030 auf etwa 3,3 Liter je 100 Kilometer sinken. Bei rein batterieelektrischen Pkw wird ein durchschnittlicher Stromverbrauch von rund 11,5 Kilowattstunden je 100 Kilometer angestrebt.

Gleichzeitig soll die Anwendung automatisierter Fahrtechnologien ausgeweitet werden. Das MIIT nennt Autobahnen, Stadtschnellstraßen und ausgewählte Stadtstraßen als Einsatzgebiete für hochautomatisierte Fahrzeuge. Die Regierung will zudem die Sicherheit und Zuverlässigkeit entsprechender Systeme verbessern.

KI soll stärker in die Autoindustrie einziehen

Der Entwicklungsplan sieht außerdem einen stärkeren Einsatz künstlicher Intelligenz in der Automobilindustrie vor. Dazu gehören KI-Modelle und sogenannte KI-Agenten sowie weitere Anwendungen in Fahrzeugen und Produktionsprozessen.

Zhang Xiang, Generalsekretär der International Intelligent Vehicle Engineering Association, bezeichnete die Ziele gegenüber der chinesischen Zeitung „Global Times“ als umsetzbar. Verbrauchsvorgaben könnten seiner Einschätzung nach dazu beitragen, dass Hersteller verstärkt kleinere und leichtere Fahrzeuge entwickeln.

Yang Delong, Chefökonom des in Shenzhen ansässigen First Seafront Fund, erklärte gegenüber der „Global Times“, die stärkere Anwendung von KI in der Automobilindustrie könne zugleich die Entwicklung der chinesischen KI-Branche fördern.

Weitere internationale Expansion

Die chinesische Regierung will zudem die internationale Tätigkeit heimischer Automobilunternehmen ausbauen. Shao Ji von der Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission erklärte, chinesische und ausländische Unternehmen sollten unter anderem bei Forschung und Entwicklung, technischen Standards sowie Liefer- und Wertschöpfungsketten enger zusammenarbeiten.

Ausländische Unternehmen sollen gleichzeitig ihre Aktivitäten auf dem chinesischen Markt ausbauen können. Chinesische Hersteller wiederum sollen ihre technologische Entwicklung vorantreiben und verstärkt auf internationalen Märkten tätig werden.

Die Exportentwicklung zeigt, dass die Bedeutung ausländischer Märkte für chinesische Hersteller bereits zunimmt. Nach Daten der China Association of Automobile Manufacturers (CAAM) wurden von Januar bis Juli 2026 insgesamt 6,14 Millionen Fahrzeuge aus China exportiert. Das waren 66,8 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Davon entfielen 2,91 Millionen Fahrzeuge auf sogenannte New Energy Vehicles (NEV); deren Exporte stiegen im Jahresvergleich um 120 Prozent.

Die IEA sieht China bereits als weltweit größtes Produktionszentrum für Elektroautos. 2025 kamen nach ihren Berechnungen fast drei Viertel der weltweiten Elektroautoproduktion aus China. Chinesische Elektroautoexporte stiegen im selben Jahr auf mehr als 2,5 Millionen Fahrzeuge. Außerhalb Europas und der USA entfielen 2025 bereits 55 Prozent der verkauften importierten Elektroautos auf Fahrzeuge aus China.

Der neue Fünfjahresplan zielt damit nicht auf den erstmaligen Aufbau einer international bedeutenden Autoindustrie. China verfügt bereits über den weltweit größten Produktionsstandort und den größten Markt für Elektroautos. Bis 2030 soll diese Position insbesondere bei Elektromobilität, Automatisierung, künstlicher Intelligenz, Exporten und internationalen Industriestandards weiter ausgebaut werden.

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