Angriff auf Pipeline: Driften die Golf-Staaten von den USA weg?

Nach der Schließung einer wichtigen Pipeline müssen die USA ihre Verbündeten bei der Stange halten. China könnte die Verunsicherung ausnutzen.

Rauch steigt nach dem Angriff auf eine Pumpstation der Ost-West-Pipeline in Saudi-Arabien auf. (Foto: Copernicus Sentinel-3)
Rauch steigt nach dem Angriff auf eine Pumpstation der Ost-West-Pipeline in Saudi-Arabien auf. (Foto: Copernicus Sentinel-3)

Die Lage in Nahost hat sich am Freitag erneut zugespitzt: Saudi-Arabien musste nach mehreren Angriffen am Donnerstag die Ost-West-Pipeline schließen. Laut CNN soll eine Pumpstation getroffen worden sein. Die Pipeline ist für die Saudis die wichtigste Alternative zur Straße von Hormus, um Öl exportieren zu können.

Damit hat der Iran den Druck auf die mit den USA verbündeten Saudis weiter erhöht. Bereits am Tag zuvor hatten die Huthis die Stadt Mokha eingenommen und könnten, wenn sie die Stadt halten, die Meerenge zum Roten Meer kontrollieren. Der deutsche Reeder-Verband warnt vor Unterbrechungen der Transporte nach Europa. Fawaz A. Gerges, ein auf den Nahen Osten spezialisierter Professor der London School of Economics, bezeichnete die Kontrolle der Huthi über Mokha in der New York Times als einen „Wendepunkt“ für die militante Gruppe und für den Iran.

Es ist noch nicht abzusehen, wie sich die Lage auf den Ölpreis auswirkt. Die vielleicht gravierendste Frage ist allerdings die, wie lange die USA noch auf die Golfstaaten zählen können. Denn der militärische Schutzschirm ist löchrig geworden – damit verliert die postkoloniale Struktur ihren Kitt.

Die Reaktion der Saudis auf den Angriff zeigt die Verunsicherung in der Region: Das saudische Außenministerium teilte mit, dass die Ost-West-Ölpipeline von aus dem Irak gestarteten Drohnen angegriffen wurde. Saudi-Arabien habe sich jedoch entschieden, vorerst keine Vergeltungsmaßnahmen zu ergreifen, hieß es in der Erklärung des Ministeriums, „um den irakischen Behörden die Möglichkeit zu geben, Maßnahmen zu ergreifen, um Angriffe von irakischem Territorium aus auf das Königreich und die Nachbarländer zu verhindern.“

Die im Jemen ansässigen Huthis gaben unterdessen an, saudische Energieanlagen in Abha, Nadschran und Dschazan angegriffen zu haben, während die USA iranische Öltanker attackierten.

Pipeline ist Lebenslinie für saudische Öl-Exporte

Die Ost-West-Pipeline hat sich während der durch den Iran-Krieg verursachten Störungen als lebenswichtige Verbindung für Saudi-Arabiens Ölexporte erwiesen. Die Pipeline mit einer Kapazität von sieben Millionen Barrel pro Tag erreichte Anfang des Jahres ihre volle Kapazität.

Die Pipeline transportiert Öl vom Persischen Golf zum Roten Meer, wo es auf Tanker verladen werden kann. Breits in den vergangenen Wochen wurde die Pipeline von den mit dem Iran verbündeten Huthis angegriffen.

MBS sucht Hilfe bei Trump

Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman (MBS) telefonierte in den vergangenen Tagen mehrfach mit US-Präsident Donald Trump, berichtet Al-Arabiya Trump versicherte MBS die Unterstützung der USA bei der Aufklärung und Zielerfassung.

US-Streitkräfte sollen unterstützen

Die Gespräche finden vor dem Hintergrund des verstärkten militärischen Engagements der USA in Saudi-Arabien statt.

Der Chef des US Central Command (CENTCOM), Admiral Brad Cooper, reiste in den vergangenen Stunden in das Königreich und wird sich voraussichtlich mit hochrangigen saudischen Militär- und Regierungsvertretern treffen, um die Koordination zu besprechen, so die Quelle. CENTCOM hatte zuvor die Freiheit der Schifffahrt und die regionale Sicherheit als zentrale Prioritäten bezeichnet.

Ein hochrangiger Beamter der Trump-Regierung erklärte, die USA konzentrierten sich auf den Schutz ihrer zentralen nationalen Sicherheitsinteressen, darunter die Gewährleistung der Schifffahrtsfreiheit im Roten Meer, „und befähigen gleichzeitig unsere regionalen Partner, die Führung bei der Bewältigung und Lösung regionaler Sicherheitsherausforderungen zu übernehmen“.

Der Beamte fügte hinzu: „Wir befinden uns in einem kontinuierlichen Dialog mit Saudi-Arabien und der jemenitischen Regierung bezüglich der regionalen Stabilität.“

Türkei besorgt

Der türkische Außenminister Hakan Fidan telefonierte am Freitag mit seinem saudischen Amtskollegen Faisal bin Farhan Al Saud und erörterte die jüngsten regionalen Entwicklungen sowie die jüngsten Angriffe auf Saudi-Arabien, wie türkische Diplomaten der Nachrichtenagentur Anadolu mitteilten. Die Türkei ist besorgt, weil sie wegen des kürzlich unterzeichneten Verteidigungsabkommens mit den Saudis und mit Pakistan direkt in den Krieg hineingezogen werden könnte.

Iran will Amerikaner aus der Region vertreiben

Der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Esmaeil Baghaei, erklärte, Ziel des regionalen Treffens am Montag im Oman sei die Erreichung einer gemeinsamen regionalen Sicherheit.

Iran und Oman würden mit den anderen Golfstaaten und dem Irak über die Schifffahrt in der Straße von Hormus sprechen, sagte Baghaei dem iranischen Staatssender IRIB. Mostafa Khoshcheshm von der Universität Teheran sagte Al Jazeera, dass eine diplomatische Lösung der Golfstaaten untereinander mit der „Evakuierung und Vertreibung“ der US-Truppen aus der Region beginnen sollte. Er deutete die Entwicklung als Teil einer umfassenderen globalen Machtverschiebung hin zu Russland, China, Iran und Indien.

Noch brauchen die Golf-Staaten die Amerikaner

Ob das Vorhaben der Iraner gelingen wird ist unklar. Saudi-Arabien rückt sicherheitspolitisch nicht von den USA ab: Im November 2025 unterzeichneten beide Länder ein neues strategisches Verteidigungsabkommen; aus Sicht des Weißen Hauses betrachtet Riad die USA weiterhin als wichtigsten strategischen Partner.

Bundeskanzler Friedrich Merz (rechts) unterhält sich am 10. September 2026 im Bundeskanzleramt in Berlin mit dem Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate, Scheich Mohammed bin Zayed Al-Nahyan. (Foto: RALF HIRSCHBERGER / AFP)

Vereinigte Arabische Emirate wollen sich lösen

Die Vereinigten Arabischen Emirate wollen sich schrittweise lösen: Die Partnerschaft mit Washington bleibe wesentlich, sagte Präsidentenberater Anwar Gargash laut Euronews, die Golfstaaten müssten aber stärker selbst für ihre Sicherheit sorgen. Dazu bauen die Emirate parallel andere strategische Partnerschaften aus – auch mit Deutschland und Europa. Der Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate, Scheich Mohammed bin Zayed Al Nahyan, war diese Woche zu einem Staatsbesuch in Deutschland – dem ersten Staatsbesuch eines VAE-Präsidenten überhaupt. Er traf Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzler Friedrich Merz. Beide Seiten vereinbarten, ihre strategische Zusammenarbeit unter anderem bei Sicherheit, Verteidigung, Energie und Investitionen auszubauen. Die Emirate kündigten außerdem Investitionen von rund 40 Milliarden Euro in Deutschland an.

Katar argumentiert ähnlich: Eine strategische Allianz mit den USA sei wichtig, aber „nicht genug“, sagte Außenamtssprecher Majed al-Ansari laut Euronews; das Land beherbergt weiterhin den größten US-Militärstützpunkt im Nahen Osten. Kürzlich hatte Katar China allerdings zugesichert, die andere Weltmacht bei Energielieferungen mit höchster Priorität zu bedienen.

Bahrain bleibt militärisch besonders eng an Washington gebunden und beherbergt das Hauptquartier der US-Fünften Flotte; noch im Februar bezeichnete die Regierung die Beziehungen laut bahrainischem Innenministerium als strategische Partnerschaft. Kuwait hält an der engen Sicherheitsbeziehung fest. US-Außenminister Marco Rubio bezeichnete das Emirat im Februar laut US-Außenministerium als „unverzichtbaren Partner“ für die regionale Sicherheit. Oman verfolgt traditionell den unabhängigsten Kurs, vermittelt zwischen Washington, Teheran und den Golfstaaten und richtet die geplanten Gespräche zwischen Iran und den GCC-Staaten über die Straße von Hormus aus.

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