Österreich: Protest gegen Rechenzentren, CloudHQ-Projekt muss zur Umweltprüfung

Die Bürgerinitiative gegen ein Google-Rechenzentrum kritisiert den Flächenverbrauch und den erwarteten Strom- und Wasserbedarf.

Rechenzentren bei Ashburn im US-Bundesstaat Virginia. Die Region zählt zu den größten Standorten für digitale Infrastruktur weltweit. Foto: Theodore Christopher / CC0
Rechenzentren bei Ashburn im US-Bundesstaat Virginia. Die Region zählt zu den größten Standorten für digitale Infrastruktur weltweit. Foto: Theodore Christopher / CC0

In Österreich wächst der Widerstand gegen große Rechenzentren. In Linz demonstrierten am Freitag Gegner des geplanten Google-Rechenzentrums in Kronstorf. Am selben Tag wurde bekannt, dass ein weiteres Großprojekt des US-Konzerns CloudHQ in Leopoldsdorf bei Wien einer Umweltverträglichkeitsprüfung unterzogen werden muss.

Google baut in Kronstorf sein erstes Rechenzentrum in Österreich. Die Bürgerinitiative gegen das Projekt kritisiert vor allem den Flächenverbrauch sowie den erwarteten Strom- und Wasserbedarf. Knapp 58.000 Menschen haben nach Angaben der Organisatoren eine Petition unterzeichnet und verlangen eine umfassende Prüfung der Auswirkungen auf Boden, Grundwasser, Enns und regionale Energieversorgung.

„Technologischer Fortschritt darf nicht auf Kosten von Transparenz und Mitbestimmung stattfinden“, sagte Flora Bachmann von der Plattform Aufstehn laut Presseaussendung. Bei einem Projekt dieser Größenordnung müssten die Auswirkungen umfassend geprüft werden und die Menschen vor Ort mitreden können.

Streit um Strom, Wasser und Boden

Die Veranstalter der Demonstration warnten vor den ökologischen Folgen des Ausbaus digitaler Infrastruktur. „Wir fordern einen Stopp der Zerstörung unserer Lebensgrundlagen“, hieß es im Aufruf der Bürgerinitiative zur Kundgebung beim Ars Electronica Festival. Die Initiative wandte sich zugleich gegen eine weitere Austrocknung der Landschaft und forderte mehr demokratische Mitsprache.

Google begründet das Projekt mit der wachsenden Nachfrage nach digitalen Diensten und künstlicher Intelligenz. Nach Angaben des Konzerns soll das Rechenzentrum rund 100 direkte Arbeitsplätze schaffen. Vorgesehen sind außerdem Solaranlagen, die Nutzung von Abwärme und ein Fonds zur Verbesserung der Wasserqualität der Enns.

CloudHQ muss zur Umweltprüfung

Anders als das Google-Projekt in Kronstorf muss das geplante CloudHQ-Rechenzentrum in Leopoldsdorf eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchlaufen. Die Anlage soll auf rund 6,7 Hektar entstehen und aus drei Rechenzentrumseinheiten bestehen.

Der WWF begrüßte die Entscheidung, fordert aber einheitliche Regeln für alle großen Rechenzentren. „Großrechenzentren dürfen im UVP-Recht kein blinder Fleck bleiben“, sagte WWF-Bodenschutzsprecher Simon Pories laut WWF. Der Bund müsse einheitliche Kriterien für Strom-, Flächen- und Ressourcenbedarf schaffen.

GLOBAL 2000 verweist dabei ausdrücklich auf den Unterschied zwischen Leopoldsdorf und Kronstorf. Für das größere Google-Projekt sei weiterhin keine Umweltverträglichkeitsprüfung vorgesehen. Das Rechenzentrum dürfe nach Angaben der Organisation rund 200 Liter Wasser pro Sekunde entnehmen; sein erwarteter Stromverbrauch liege über dem aller oberösterreichischen Haushalte zusammen.

„Das UVP-Gesetz, wie es jetzt ist, hält dem Test der Zeit nicht stand“, sagte Klima- und Energieexpertin Hannah Keller laut Mitteilung. Bei der derzeit vorbereiteten Gesetzesnovelle müsse deshalb ein eigener UVP-Tatbestand für Rechenzentren geschaffen werden.

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