China setzt auf schnelle Zugverbindungen

China will Länder Asiens, die nicht am Meer liegen, besser an regionale und internationale Verkehrsnetze anbinden.

Die China-Laos-Eisenbahn. (Foto: China State Railway Group)
Die China-Laos-Eisenbahn. (Foto: China State Railway Group)

Die Bahnverbindung zwischen China und Laos gewinnt für den Warenverkehr in Südostasien an Bedeutung. Seit ihrer Inbetriebnahme Ende 2021 wurden über die Strecke Import- und Exportgüter im Wert von mehr als 100,4 Milliarden Yuan transportiert, umgerechnet rund 14,9 Milliarden US-Dollar. Das teilte der Zoll in Kunming Anfang Oktober mit. Insgesamt seien mehr als 20,77 Millionen Tonnen grenzüberschreitender Waren befördert worden.

Auch die staatliche chinesische Global Times griff die Zahlen auf. In den ersten acht Monaten des Jahres 2026 wurden demnach tropische Früchte aus Südostasien im Wert von 5,26 Milliarden Yuan über die Bahn nach China eingeführt. Die Exporte von Maschinen und elektrotechnischen Erzeugnissen erreichten im selben Zeitraum 7,42 Milliarden Yuan, 58,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die zugrunde liegenden Angaben stammen vom chinesischen Zoll.

Handel über die Schiene wächst

Die 1.035 Kilometer lange Strecke verbindet Kunming in der südwestchinesischen Provinz Yunnan mit der laotischen Hauptstadt Vientiane. Internationale Personenzüge benötigen für die Fahrt inzwischen rund neun Stunden und 36 Minuten.

Für Laos ist die Verbindung besonders wichtig. Das Land hat keinen Zugang zum Meer und ist beim Außenhandel deshalb auf Verkehrswege durch seine Nachbarländer angewiesen.

Hohe Kosten für Länder ohne Meereszugang

Solche Staaten haben im internationalen Handel strukturelle Nachteile. Nach Angaben der UN-Handelsorganisation UNCTAD liegen die Transportkosten von Entwicklungsländern ohne Meereszugang im Durchschnitt rund 50 Prozent über dem weltweiten Durchschnitt. UNCTAD zählt weltweit 32 sogenannte Landlocked Developing Countries.

Die Bahn nach China verschafft Laos einen zusätzlichen Transportweg für Importe und Exporte. Sie beseitigt die Abhängigkeit von Nachbarstaaten und Seehäfen allerdings nicht. Für den Zugang zum weltweiten Seeverkehr bleibt das Land weiterhin auf grenzüberschreitende Verkehrswege angewiesen.

Weitere Bahnprojekte in Asien

Auch südlich von Laos soll das Schienennetz dichter werden. Thailand baut eine Hochgeschwindigkeitsstrecke von Bangkok in Richtung Nordosten. Eine zweite Phase soll bis Nong Khai an der Grenze zu Laos führen. Im Juli 2026 vereinbarten Thailand und China, die Arbeiten an dem Projekt voranzutreiben.

Daneben verfolgen Laos und Vietnam eine Bahnverbindung zum vietnamesischen Tiefseehafen Vung Ang. Das Gesamtprojekt befindet sich jedoch weiterhin in der Entwicklung. Für einen Abschnitt zwischen Thakhek und der vietnamesischen Grenze wurde im März 2026 eine Konzessionsvereinbarung unterzeichnet. Noch im September bezeichneten laotische und vietnamesische Stellen die Vientiane-Vung-Ang-Bahn als eines der Vorhaben, deren Umsetzung weiter vorangetrieben werden soll.

Strecke durch Zentralasien bereits im Bau

Weiter nördlich hat auch der Bau der lange geplanten Bahnverbindung zwischen China, Kirgisistan und Usbekistan begonnen. Im Sommer 2026 liefen in Kirgisistan bereits Arbeiten an Tunneln, Brücken und weiteren Teilen der Strecke. Die Bahn soll China über Kirgisistan mit dem usbekischen Schienennetz verbinden.

Die Projekte gehören zu einem Ausbau grenzüberschreitender Verkehrswege in Asien, an dem China im Rahmen seiner Belt and Road Initiative beteiligt ist. Für Länder ohne eigenen Meereszugang sollen dadurch zusätzliche Wege zu Nachbarmärkten und internationalen Handelsrouten entstehen.

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