Die Europäische Union geht mit vergleichsweise niedrigen Gasreserven in den kommenden Winter. Problematisch könnte das vor allem dann werden, wenn es besonders kalt wird oder weniger Gas als erwartet nach Europa geliefert wird.
Nach einer Analyse des Institute for Energy Economics and Financial Analysis könnten der EU in einem ungünstigen Szenario größere Mengen Gas fehlen. Das heißt allerdings nicht, dass Europa zwangsläufig ohne Gas dasteht. Zusätzliche Lieferungen könnten die Lücke schließen – möglicherweise jedoch zu hohen Preisen.
Kalter Winter wäre das größte Risiko
Auch der europäische Verband der Gasnetzbetreiber ENTSOG sieht Risiken, falls der Winter besonders kalt ausfällt. Entscheidend ist vor allem, ob Europa genügend Flüssiggas auf dem Weltmarkt kaufen kann.
Die EU-Kommission hält die Versorgung bislang grundsätzlich für gesichert. Europa habe heute mehr Möglichkeiten, Gas aus verschiedenen Ländern zu importieren als zu Beginn der Energiekrise.
EU hatte bereits zum Energiesparen aufgerufen
EU-Energiekommissar Dan Jørgensen hatte die Mitgliedstaaten bereits Ende September aufgefordert, Maßnahmen zur Senkung des Gas- und Stromverbrauchs zu prüfen. Dabei ging es unter anderem um niedrigere Heiztemperaturen in öffentlichen Gebäuden, den Verzicht auf Außenheizungen und weniger Straßenbeleuchtung. Von einer Drosselung der Stromversorgung war damals noch nicht die Rede.
Preise könnten wieder steigen
Zusätzliche Unsicherheit bringt der weitere Ausstieg aus russischem Gas. Gleichzeitig belasten die Konflikte im Nahen Osten den internationalen Energiemarkt.
Für Verbraucher bedeutet das vor allem: Ein normaler Winter dürfte nach derzeitiger Einschätzung zu bewältigen sein. Bei einem langen und kalten Winter könnten Gas und Strom jedoch wieder deutlich teurer werden. Im Extremfall könnten Staaten außerdem neue Energiesparmaßnahmen beschließen.
