Huthi-Angriffe auf Saudi-Arabien: Im Nahen Osten droht eine Eskalation

Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman steht unter Druck, den Krieg im Jemen auszuweiten. Auch die USA, Israel, die Türkei und Pakistan könnten eingreifen.

Pakistans stellvertretender Premierminister und Außenminister Ishaq Dar, der saudische Verteidigungsminister Prinz Khalid bin Salman Al Saud und der türkische Außenminister Hakan Fidan am 5. Oktober in Riad. (Foto: Handout / Türkisches Außenministerium / AFP)
Pakistans stellvertretender Premierminister und Außenminister Ishaq Dar, der saudische Verteidigungsminister Prinz Khalid bin Salman Al Saud und der türkische Außenminister Hakan Fidan am 5. Oktober in Riad. (Foto: Handout / Türkisches Außenministerium / AFP)

Bei einem Angriff auf den Flughafen von Riad wurden am Samstag zwölf Menschen getötet und 309 verletzt. Am Sonntag wurde der Flughafen erneut getroffen. Es war bereits der vierte Angriff binnen einer Woche. Gleichzeitig unterstützen saudische Kampfjets eine Gegenoffensive jemenitischer Regierungstruppen. Zuvor hatten die Huthis Gebiete nahe Bab al-Mandab erobert, einer zentralen Route für den Welthandel.

Huthis sind militärisch stärker geworden

Die Huthis gehören zur iranischen „Achse des Widerstands“, handeln inzwischen aber weitgehend eigenständig. Sie verfügen über eigene Waffenlieferketten, Raketen und Drohnen und können selbst entscheiden, wann und wie stark sie eskalieren.

Saudi-Arabien griff 2015 in den Krieg im Jemen ein, konnte die Huthis trotz jahrelanger Luftangriffe aber nicht besiegen. Eine UN-vermittelte Waffenruhe reduzierte die Kämpfe ab 2022 deutlich und ermöglichte Riad, sein Engagement zurückzufahren.

Saudi-Arabien bleibt verwundbar

Saudi-Arabien hat Milliarden in F-15-Kampfjets und Patriot-Luftabwehr investiert. Trotzdem konnten die Angriffe den Flughafen der Hauptstadt lahmlegen, Hunderte Flüge stoppen und Schulen zum Online-Unterricht zwingen.

Gleichzeitig stehen die Huthis selbst unter Druck. Jemenitische Regierungstruppen haben mit saudischer Luftunterstützung eine Gegenoffensive begonnen. Nach Angaben der saudisch geführten Koalition wurden Mokha zurückerobert und zahlreiche militärische Ziele der Huthis zerstört.

Die Huthis verfügen dennoch weiter über ballistische Raketen mit Reichweite bis Riad sowie günstige Angriffsdrohnen. Sie haben jahrelange saudische und amerikanische Luftangriffe überstanden.

Weitere Eskalation droht

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat hochrangige Sicherheitsvertreter zu Beratungen über Iran, Gaza und Libanon zusammengerufen. An dem Treffen nahmen nach Angaben der Times of Israel auch Verteidigungsminister Israel Katz und führende Sicherheitsvertreter teil. Die Beratungen folgten auf die Huthi-Angriffe in Saudi-Arabien und fanden vor dem Hintergrund wachsender Sorgen über eine weitere Eskalation im Krieg zwischen den USA und Iran statt.

Trump schließt eine Beteiligung der USA an Angriffen gegen die Huthis nicht aus. Zugleich lassen die USA Optionen für mögliche neue Angriffe auf Iran vorbereiten.

Bislang beschränkt sich Washingtons Unterstützung für die saudische Offensive vor allem auf den Austausch von Geheimdienstinformationen. Nach dem Tod eines US-Bürgers bei dem Angriff auf den Flughafen wächst jedoch der Druck auf die US-Regierung.

Türkei und Pakistan unter Druck

Auch der im August geschlossene Verteidigungspakt Saudi-Arabiens mit der Türkei und Pakistan wird auf die Probe gestellt.

Beide Länder haben signalisiert, Saudi-Arabien mit Truppen oder Waffen bei seiner Verteidigung unterstützen zu können. Die Türkei schließt offensive Einsätze gegen die Huthis jedoch aus.

Auch die westlichen Partner werden stärker gefordert. Großbritannien stellte ein Tankflugzeug bereit. Frankreich kündigte defensive Militärausrüstung für Saudi-Arabien an.

Angriffe treffen Saudi-Arabien wirtschaftlich

Die Eskalation kommt für Saudi-Arabien zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Das Königreich will sich mit internationalen Großveranstaltungen als Investitionsstandort präsentieren.

Dazu gehört aktuell der WPC Energy Congress in Riad. Führungskräfte von BP und Shell haben ihre Teilnahme wegen Sicherheitsbedenken abgesagt. Im Finanzdistrikt der Hauptstadt wurde teilweise auf Homeoffice umgestellt. Zugleich wächst der finanzielle Druck. Die Regierung erhöhte ihre Prognose für das Haushaltsdefizit und erwartet in diesem Jahr einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 3,6 Prozent. Damit werden ausländische Investitionen und Finanzierung noch wichtiger.

Ministerin Katharina Reiche sitzt fest

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche sitzt ebenfalls in Riad fest. Ihre für Montag geplante Rückreise nach Berlin kann wegen der Flughafensperrung voraussichtlich nicht wie vorgesehen stattfinden. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums werden alternative Rückreisemöglichkeiten geprüft.

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