Die Türkei und Pakistan wollen Saudi-Arabien im Rahmen des Verteidigungspakts von Mekka militärisch unterstützen. Ein Komitee des Bündnisses aus Saudi-Arabien, der Türkei und Pakistan beschloss nach einer Dringlichkeitssitzung, die notwendigen Maßnahmen einzuleiten, um die vereinbarten Streitkräfte und militärischen Fähigkeiten bereitzustellen und deren rasche Verlegung in das Königreich sicherzustellen. Das geht aus der gemeinsamen Erklärung hervor, die auch von der staatlichen saudischen Nachrichtenagentur SPA veröffentlicht wurde.
In einer gemeinsamen Erklärung verurteilten die drei Staaten den versuchten Angriff auf Mekka und Medina aufs Schärfste. Zugleich bekräftigten sie ihre Ablehnung jeglicher Angriffe oder Bedrohungen gegen die Sicherheit und territoriale Integrität Saudi-Arabiens. Auch Al Jazeera berichtete über die Aktivierung der kollektiven Verteidigungsmaßnahmen.
„Das Komitee beschloss, unverzüglich mit der praktischen Umsetzung der Verpflichtungen zur kollektiven Verteidigung zu beginnen und die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um die vereinbarten Streitkräfte und Fähigkeiten bereitzustellen und deren rasche Verlegung in das Königreich sicherzustellen“, hieß es in der Erklärung. Dadurch sollten die Einsatzbereitschaft, die militärische Integration und die gemeinsame Fähigkeit zur Abwehr von Bedrohungen gestärkt werden.
Die drei Staaten betonten zudem, die Sicherheit jedes einzelnen Mitglieds sei „ein integraler Bestandteil der kollektiven Sicherheit der drei Länder“.
Der Pakt war am 7. August in Mekka unterzeichnet worden. Die beteiligten Regierungen stellen das Bündnis als defensiv dar und betonen, dass es sich nicht gegen einen bestimmten Staat richte. Zugleich stärkt es die sicherheitspolitische Zusammenarbeit dreier Staaten, die in unterschiedlicher Weise eng mit den USA verbunden sind. Das Abkommen legt bislang keine konkreten gemeinsamen Kampfeinsätze fest. US-Präsident Donald Trump hatte die Entstehung des Bündnisses ausdrücklich begrüßt und das Abkommen als einen „big, bold, and important first step“ bezeichnet.
Noch zuletzt hatten die Türkei und Pakistan versucht, in dem Konflikt zu vermitteln. Pakistan hatte ein Krisentreffen der Bündnispartner angekündigt, bei dem auch ein iranischer Vorschlag für politische Gespräche mit den Huthis beraten werden sollte.
Kämpfe im Jemen verschärfen sich
Unterdessen haben sich die Kämpfe im Jemen weiter verschärft. Die von Saudi-Arabien angeführte Koalition gegen die Huthis teilte mit, ihre Marine habe eine Militäroperation im Gouvernement Hodeida durchgeführt.
Die Streitkräfte der international anerkannten jemenitischen Regierung erklärten zugleich, sie hätten die Hafenstadt Mocha nach Gefechten südlich der strategisch wichtigen Meerenge Bab al-Mandab von den Huthis zurückerobert. Al Jazeera berichtete über die jüngste Offensive der Regierungstruppen und die Kämpfe im Raum Bab al-Mandab.
Ein Militärsprecher der Huthis erklärte seinerseits, die Gruppe habe den Flughafen König Khalid in der saudischen Hauptstadt Riad sowie eine Raffinerie des staatlichen Ölkonzerns Aramco in Rabigh angegriffen.
Auch die Vereinten Nationen warnen vor den Folgen der erneuten Eskalation. Die UN äußerten sich zuletzt äußerst besorgt über eine weitere Ausweitung der Kämpfe und deren regionale Folgen. Zugleich bemüht sich der UN-Sondergesandte Hans Grundberg weiterhin um Kontakte zu den Konfliktparteien und um die Aufrechterhaltung eines politischen Gesprächskanals, wie aus Äußerungen des UN-Sprechers zur Lage im Jemen hervorgeht.
„Diplomatie ist nicht mehr möglich“
Nach Einschätzung des Nahostexperten Nawaf Obaid vom King’s College London ist eine diplomatische Lösung des Konflikts inzwischen kaum noch vorstellbar.
„Diplomatie ist im Jemen in dieser Phase des Konflikts nicht mehr möglich“, sagte Obaid dem Sender Al Jazeera. „Es ist einfach zu spät. Es ist schon zu viel geschehen. Sie haben die Pipeline angegriffen, Raffinerien angegriffen, ein Kraftwerk in Medina angegriffen. Wie viel kann ein Land ertragen, bevor die Geduld erschöpft ist? Und genau das erleben wir heute.“
Mit der angekündigten Entsendung türkischer und pakistanischer Kräfte nach Saudi-Arabien habe sich die Lage noch einmal deutlich verschärft, sagte Obaid.
„Vergessen wir nicht, dass es sich um eine Koalition handelt. Verschiedene Länder sind daran beteiligt, die bereits an diesem Krieg teilgenommen haben. Und sie alle sind entschlossen, die Fähigkeit der Huthis zur Kriegführung zu schwächen und letztlich auszuschalten.“
