Die Europäische Zentralbank (EZB) hat UniCredit nach Angaben der italienischen Großbank die Genehmigung erteilt, die Kontrolle über die Commerzbank zu übernehmen. Wie UniCredit am Donnerstagabend mitteilte, darf sie die Schwelle von 30 Prozent am Kapital der Commerzbank überschreiten und ihre Beteiligung darüber hinaus ohne Obergrenze erhöhen.
UniCredit bezeichnete die Entscheidung als wichtigen Meilenstein. Nach Darstellung der Bank bestätigt sie die positive Bewertung der Transaktion durch die EZB und deren Vertrauen in die finanzielle Stärke von UniCredit sowie ihre Stellung im europäischen Bankensektor.
Abgeschlossen ist die Übernahme damit noch nicht. Die verbleibenden regulatorischen Verfahren sollen nach Erwartung von UniCredit gegen Ende des Jahres abgeschlossen und die Bedingungen für den Vollzug des Angebots erfüllt sein. Dann werde die Bank über rund 50 Prozent der Commerzbank-Stimmrechte verfügen und die Kontrolle übernehmen können.
Welche regulatorischen Schritte noch ausstehen, erläuterte UniCredit nicht. Angaben zu Beschäftigung, Standorten oder zur künftigen Führung der Commerzbank enthält die Mitteilung ebenfalls nicht.
Die EZB-Zustimmung war nach einem Bericht von Reuters Voraussetzung dafür, dass UniCredit die im Übernahmeangebot angedienten Commerzbank-Aktien übernehmen kann. Der Kontrollerwerb ist von einer vollständigen Fusion zu unterscheiden: UniCredit-Chef Andrea Orcel hat diese dem Bericht zufolge auf 2029 oder 2030 verschoben. Zugleich habe er angekündigt, nach der Übertragung der Aktien gegebenenfalls eine Aktionärsabstimmung zum Austausch von Aufsichtsrat und Management anzustreben, ohne die nächste ordentliche Hauptversammlung abzuwarten.
Betriebsrat fordert Planungssicherheit
In der Belegschaft sorgt die Auseinandersetzung über die Zukunft der Commerzbank für Verunsicherung. Gesamtbetriebsratschef Sascha Uebel wandte sich in einem Anfang Oktober bekannt gewordenen offenen Brief an die Beschäftigten gegen öffentliche Spekulationen über eine außerordentliche Hauptversammlung, die Ablösung des Managements oder einen schnellen Austausch des Aufsichtsrats. Solche Debatten belasteten die mehr als 40.000 Beschäftigten.
Nach dem Kampf um die Eigenständigkeit müsse man sich veränderten Bedingungen stellen, erklärte Uebel: „Jetzt geht es darum, das Beste für die Beschäftigten und für die Zukunft unseres Unternehmens zu erreichen.“ Seine versöhnlicheren Äußerungen begründete er mit Verantwortung für die Belegschaft, nicht mit einer Aufgabe seiner Überzeugungen. Die Arbeitnehmervertreter würden auf einen fairen und verantwortungsvollen Integrationsprozess achten.
Aus Mitarbeiterkreisen gab es zugleich Kritik an öffentlichen Äußerungen von Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp zum künftigen Verhältnis zur HypoVereinsbank. Beschäftigte verlangten Planungssicherheit. Künstliche Intelligenz allein reiche zum Betrieb einer Bank nicht aus; erforderlich seien Mitarbeiter, die ohne Zukunftsangst für Kunden arbeiten könnten.
Risiken einer konfliktreichen Integration
Bereits im September hatten Beobachter des Übernahmeprozesses vor den Risiken einer konfliktreichen Integration gewarnt. Die Gesprächspartner, die anonym bleiben wollten, mahnten, politische Gespräche könnten eine Verständigung zwischen den Banken nicht ersetzen. Eine wirtschaftlich misslingende Übernahme könne die Widerstandsfähigkeit des künftigen Verbunds beeinträchtigen. In einer Krise könne auch die Kreditversorgung leiden, sollte sich UniCredit stärker auf Italien konzentrieren müssen. Dabei handelt es sich um Risikoeinschätzungen, nicht um bereits eingetretene Folgen.
Eine zentrale Frage ist die mögliche Zusammenführung mit der bereits zu UniCredit gehörenden HypoVereinsbank. Denkbar wäre, beide Marken zu erhalten, zugleich aber IT, Risikomanagement und interne Dienstleistungen zusammenzuführen.
UniCredit hatte Spekulationen über 15.000 Stellenstreichungen zurückgewiesen. Über fünf Jahre solle der Abbau weniger als halb so hoch ausfallen. Ein im September beschriebenes Szenario einer besonders weitreichenden Integration sieht langfristig bis zu 10.000 wegfallende Stellen in der gemeinsamen deutschen Organisation vor. Diese Größenordnung ist kein offizieller UniCredit-Plan. Sie setzt unter anderem den Abbau von Doppelstrukturen, gemeinsame IT und einen verstärkten Einsatz künstlicher Intelligenz voraus.
