Um die Erderwärmung zu begrenzen, reicht es voraussichtlich nicht aus, nur weniger CO₂ auszustoßen. In vielen Klimaszenarien soll zusätzlich Kohlendioxid aus der Atmosphäre entfernt werden. Doch einige dieser Methoden brauchen viel Fläche und können dadurch mit dem Schutz der Artenvielfalt in Konflikt geraten. Zu den häufig diskutierten Methoden gehören Aufforstung und Bioenergie mit CO₂-Abscheidung und -Speicherung. Dabei werden Pflanzen angebaut und energetisch genutzt. Das entstehende CO₂ wird anschließend abgeschieden und gespeichert. Beide Ansätze können große Landflächen beanspruchen. Diese Flächen stehen dann möglicherweise nicht mehr für natürliche Ökosysteme, Landwirtschaft oder andere Nutzungen zur Verfügung.
Artenreiche Gebiete könnten betroffen sein
Eine 2026 in Nature Climate Change veröffentlichte Studie hat untersucht, welche Flächen in Klimaszenarien für solche Formen der CO₂-Entnahme vorgesehen sind. Nach den Berechnungen könnten in Szenarien zur Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad bis zu 13 Prozent der weltweit besonders artenreichen Flächen für Aufforstung oder Bioenergie genutzt werden.
Die Forschenden haben außerdem berechnet, was passieren würde, wenn besonders wertvolle Gebiete für die Artenvielfalt grundsätzlich von solchen Landnutzungsänderungen ausgenommen würden. Dann würde mehr als die Hälfte der in den untersuchten Szenarien vorgesehenen Flächen für Aufforstung und Bioenergie wegfallen.
Klimaschutz und Naturschutz gemeinsam planen
Die Ergebnisse zeigen einen möglichen Zielkonflikt: Maßnahmen zur CO₂-Entnahme können dem Klima helfen, zugleich aber Lebensräume verändern oder verdrängen. Das bedeutet nicht, dass Aufforstung oder andere Formen der CO₂-Entnahme grundsätzlich problematisch sind. Entscheidend ist, wo und in welchem Umfang sie eingesetzt werden.
Für die Klimapolitik folgt daraus: Maßnahmen zur CO₂-Entnahme sollten nicht allein nach ihrer Klimawirkung bewertet werden. Auch Folgen für Artenvielfalt, Landwirtschaft und andere Formen der Landnutzung müssen berücksichtigt werden.
