In der Straße von Hormus sind innerhalb kurzer Zeit zwei Frachtschiffe gesunken. Das unter singapurischer Flagge fahrende Containerschiff GFS Pride wurde nach Angaben der Maritime and Port Authority of Singapore am 13. Oktober von einem unbekannten Projektil getroffen, geriet in Brand und sank. Alle 21 Besatzungsmitglieder wurden gerettet. Ebenfalls gesunken ist der unter der Flagge von Antigua und Barbuda fahrende Massengutfrachter Cape Dao, der bereits am 23. September von einem Projektil getroffen worden war.
Iran spricht von Seemine
Über die Ursache des Untergangs der GFS Pride gibt es widersprüchliche Angaben. Die iranischen Revolutionsgarden erklärten, das Schiff habe eine Seemine getroffen. Darüber berichtete die Anadolu Agency. Eine unabhängige Bestätigung dafür liegt bislang nicht vor. Der Guardian verwies dagegen auf Angaben der britischen Meldestelle UK Maritime Trade Operations, wonach die betroffenen Schiffe von nicht identifizierten Projektilen getroffen worden seien.
Auch das Containerschiff GFS Giselle wurde am 14. Oktober von einem unbekannten Projektil getroffen, konnte nach Angaben der singapurischen Behörden jedoch einen sicheren Ankerplatz erreichen. Verletzt wurde niemand.
Die Vorfälle sind Teil einer Serie von Angriffen auf Handelsschiffe in der Region. Al Jazeera berichtet von einer deutlichen Zunahme der Attacken in den vergangenen Wochen. Zugleich ging der Öltransport durch die Straße von Hormus zeitweise stark zurück.
Die zunehmenden Risiken stützten am Mittwoch, dem 14. Oktober, auch die Ölpreise. Laut Reuters notierte die Nordseesorte Brent am Nachmittag bei rund 105,56 Dollar je Barrel, während US-Rohöl der Sorte WTI auf etwa 95,39 Dollar stieg. Zeitweise hatten beide Sorten stärker zugelegt. Händler reagierten vor allem auf die neuen Angriffe auf Schiffe und die Sorge vor weiteren Einschränkungen der Ölexporte aus der Golfregion. Reuters verwies zugleich darauf, dass die Exporte trotz der Störungen bislang insgesamt vergleichsweise stabil geblieben seien.
IEA warnt vor angespanntem Dieselmarkt bis 2027
Die Folgen der Konflikte im Nahen Osten und in der Ukraine belasten auch die internationalen Kraftstoffmärkte. In ihrem am 14. Oktober veröffentlichten Oil Market Report warnt die Internationale Energieagentur, dass die Versorgung mit Diesel bis weit ins Jahr 2027 angespannt bleiben dürfte.
Die Raffineriemargen (Crack-Spreads) waren im dritten Quartal zunächst außergewöhnlich hoch. Seit September sind sie außerhalb Nordamerikas jedoch deutlich unter Druck geraten, weil hohe Frachtraten und steigende Rohölkosten die Gewinne der Raffinerien schmälern. Nach Angaben der IEA fiel der europäische Diesel-Crack von rund 100 Dollar je Barrel im September auf knapp 60 Dollar Anfang Oktober. Eine weitere Verschlechterung könnte Raffinerien in Europa und Asien dazu veranlassen, ihre Produktion zu drosseln.
Nach Angaben der IEA lagen die weltweiten Diesel-Exporte im September deutlich unter dem Vorjahresniveau. Ausfälle in Russland und im Nahen Osten konnten nur teilweise durch zusätzliche Lieferungen aus anderen Regionen ausgeglichen werden.
Die Großhandelspreise für Diesel stiegen im September in mehreren wichtigen Märkten auf Rekordniveau. Reuters berichtet unter Berufung auf die IEA, dass zugleich auch die Raffineriemargen stark anzogen. Schäden und Ausfälle an Raffinerien im Zusammenhang mit den Kriegen im Iran und in der Ukraine hätten die Produktion zusätzlich belastet.
Zwar erwartet die IEA gegen Jahresende eine Erholung der Raffinerieproduktion. Diese dürfte jedoch nicht ausreichen, um die entstandenen Defizite rasch auszugleichen. Eine nachhaltige Entspannung sei voraussichtlich erst im Verlauf des kommenden Jahres zu erwarten.
Die hohen Dieselpreise verteuern nach Einschätzung der IEA den Transport von Waren und können damit Inflation und Wirtschaftswachstum belasten.
