IWF warnt vor stark steigenden Staatsschulden in Europa

In Europa könnten höhere Ausgaben für Renten, Gesundheit, Verteidigung und Energie die Schuldenquoten bis 2040 stark nach oben treiben. Auch für Deutschland erwartet der IWF eine deutlich höhere Schuldenquote.

Die Chefökonomin des IWF, Silvana Tenreyro, spricht während der Pressekonferenz zum Weltwirtschaftsausblick bei den Jahrestagungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbankgruppe (WBG) im Queen Sirikit National Convention Center (QSNCC) in Bangkok am 13. Oktober 2026. (Foto: Lillian SUWANRUMPHA / AFP)
Die Chefökonomin des IWF, Silvana Tenreyro, spricht während der Pressekonferenz zum Weltwirtschaftsausblick bei den Jahrestagungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbankgruppe (WBG) im Queen Sirikit National Convention Center (QSNCC) in Bangkok am 13. Oktober 2026. (Foto: Lillian SUWANRUMPHA / AFP)

Ohne zusätzliche Reformen und Konsolidierungsmaßnahmen könnte die Verschuldung des durchschnittlichen europäischen Landes bis 2040 auf 130 Prozent der Wirtschaftsleistung steigen. Nach Wirtschaftsleistung gewichtet wären es sogar 155 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, wie aus Berechnungen des IWF hervorgeht.

Europa unter wachsendem Ausgabendruck

Der Fonds verweist vor allem auf steigende Ausgaben für Alterung, Rüstung sowie Energie- und Klimapolitik. Bis 2040 könnten diese Belastungen die öffentlichen Ausgaben im Durchschnitt um knapp fünf Prozentpunkte des BIP erhöhen.

Für die fortgeschrittenen europäischen Volkswirtschaften veranschlagt der IWF zusätzliche Ausgaben von rund 4,5 Prozentpunkten des BIP. In Mittel-, Ost- und Südosteuropa sind es rund 5,5 Prozentpunkte.

Die Werte von 130 und 155 Prozent sind keine Prognose, sondern Modellrechnungen für den Fall, dass die Regierungen ihre Politik nicht anpassen.

Deutschlands Schuldenquote steigt

Auch Deutschland entfernt sich nach Einschätzung des Fonds von seiner über Jahre vergleichsweise niedrigen Verschuldung. Im Fiscal Monitor des IWF wird erwartet, dass die deutsche Staatsschuldenquote bis 2031 auf knapp 74 Prozent des BIP steigt. Als wesentliche Gründe nennt der Fonds höhere Ausgaben für Investitionen und Militär.

Noch detaillierter fällt die Rechnung im jüngsten Deutschland-Bericht des IWF aus. Demnach steigt die öffentliche Verschuldung von 62,6 Prozent des BIP im Jahr 2025 auf 63,9 Prozent 2026 und 65,7 Prozent 2027. Bis 2030 rechnet der Fonds mit 71,5 Prozent und bis 2034 mit rund 76,9 Prozent.

Der IWF führt den Anstieg auch auf die 2025 beschlossene Reform der deutschen Schuldenbremse und die damit verbundenen höheren Ausgaben zurück. Gleichzeitig hält der Fonds die Risiken für die Schuldentragfähigkeit Deutschlands mittelfristig weiterhin für gering. Langfristig sieht er allerdings zusätzlichen Druck durch steigende Ausgaben für Gesundheit und Renten infolge der Alterung der Bevölkerung.

Höhere Zinsen verschärfen die Risiken

Zusätzlicher Druck kommt von den Finanzierungskosten. Steigende Schulden könnten über höhere Risikoprämien die Zinslast weiter erhöhen und das Wachstum belasten.

In einem ungünstigeren Szenario würde die durchschnittliche Schuldenquote Europas nach den IWF-Berechnungen bis 2040 auf rund 150 Prozent des BIP steigen. Gewichtet nach Wirtschaftsleistung wären es fast 190 Prozent.

IWF drängt auf Reformen

Der Fonds fordert deshalb eine Kombination aus Haushaltskonsolidierung und Strukturreformen. Für Deutschland hält er mittelfristig zusätzliche Konsolidierungsmaßnahmen für notwendig, um steigende Ausgaben für Alterung, Verteidigung und Zinsen auszugleichen und die Schuldenquote zu stabilisieren.

Auch weltweit sieht der Fonds wachsende Risiken. Die globale Staatsverschuldung dürfte nach den bisherigen IWF-Berechnungen in den kommenden Jahren weiter steigen. Der neue Fiscal Monitor zur Jahrestagung in Bangkok soll dazu aktualisierte Zahlen liefern.

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