Alex Hong liefert auf LinkedIn eine interessante Analyse über die jüngste Intervention des amerikanischen Finanzministers Scott Bessent in Japan. Bessent hatte Yen gekauft, um den Verfall der japanische Währung zu stoppen. Doch es ging Bessent nicht um eine altruistische Aktion, um den Japanern zu helfen – trotz „Pearl Harbour“, wie Präsident Donald Trump in der ihm eigenen Art anmerkte. Bessent hatte für Aufsehen gesorgt, weil Reuters das Foto eines Notizzettels veröffentlicht hatte. Darauf stand lapidar. „To do – buy Japanese Yen (JPY)“. Bessents Ziel war es, den Yen zu stützen, um zu verhindern, dass Japan eine Verkaufswelle von US-Staatsanleihen (Treasuries) auslöst. Bessent liquidierte zu diesem Zweck europäische Bonds, vermutlich, so wird spekuliert, französische Papiere. Für Aufsehen sorgte, dass Bessent die Europäische Zentralbank (EZB) nicht über das Manöver informierte. Die Reaktion der EZB war laut FT entsprechend verärgert. Fortune schreibt: „Scott Bessent feuerte eine Währungsbazooka ab, doch die globalen Finanzmärkte gleichen immer noch einem riesigen Jenga-Turm, der von einem japanischen Yen gestützt wird, der sich in tiefen Schwierigkeiten befindet.“
„Der japanische Yen war über 20 Jahre lang die wichtigste Finanzierungsquelle für internationale Finanzgeschäfte. Globale Makroinvestoren liehen sich häufig niedrig verzinste japanische Yen (JPY), um im Rahmen der extrem lockeren Geldpolitik der Bank von Japan, die durch Negativzinsen und die Steuerung der Zinskurve gekennzeichnet ist, in höher rentierliche ausländische Anlagen wie US-Staatsanleihen, Technologieaktien und Schwellenländeranleihen zu investieren.“
„Aufgrund der nach der Pandemie gestiegenen globalen Inflation sahen sich die westlichen Zentralbanken jedoch gezwungen, aggressive Zinserhöhungen durchzuführen, was zu einer beispiellosen Zinsdifferenz zu Japan führte. Infolge der darauf folgenden Kapitalflucht fiel der Yen gegenüber dem US-Dollar und dem Euro auf ein historisches 40-Jahres-Tief.“
„Washington und Tokio führten 2026 ungewöhnliche, synchronisierte Währungsinterventionen durch, als der Yen unter kritische Werte fiel. Unter US-Finanzminister Scott Bessent unterstützte Washington Japan durch öffentliche Appelle und die Liquidierung seiner Euro-Reservenbestände, anstatt US-Staatsanleihen direkt auf den anfälligen japanischen Anleihemärkten zu verkaufen.“
Diese Entwicklung werfe zwei zentrale Fragen auf, so Hong: „Werden die amerikanischen Bemühungen einen katastrophalen Notverkauf japanischer US-Staatsanleihen verhindern können, und können europäische Reserven den Yen stützen?“
Seine Antwort:
„Institutionelle Mandate und finanzielle Anreize widerlegen die Theorie, dass Europa zur Verteidigung des Yen eingreifen wird. Die Bilanzbeschränkungen der Zentralbanken greifen, da die US-Euro-Reserven auf etwa 26 Milliarden Euro begrenzt sind.“
„Obwohl die Marktmanöver von Finanzminister Scott Bessent – von der Veröffentlichung der Notizen in Camp David bis hin zur Liquidierung der Euro-Reserven – die Situation vorübergehend entschärft haben, können sie den zugrunde liegenden makroökonomischen Kräften nicht entgegenwirken. Japans letztendliche Liquidierung von US-Staatsanleihen bleibt ein strukturelles Problem, da die selbstverschuldeten US-Zölle die Zinsdifferenzen aufrechterhalten. Aufgrund der erhöhten Volatilität und der strengeren Margin-Anforderungen entwickelt sich der Yen-Carry-Trade zu einem komplexen Finanzierungsumfeld mit mehreren Währungen.“
