Präsident Donald Trump hat die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) am Mittwoch wegen ihrer Zinserhöhung scharf angegriffen. Er bekräftigte seine früheren Drohungen, weite Teile des US-Handels zu stoppen, sollte die Zentralbank seinen Forderungen nach niedrigeren Kreditkosten nicht bald nachkommen.
Die Fed hatte hatte den maßgeblichen Zinssatz am Mittwoch um 0,25 Prozentpunkte angehoben, er liegt nun in einer Spanne zwischen 3,75 bis 4,0 Prozent. Es ist die erste Leitzinserhöhung in den USA seit Juli 2023, die Entscheidung der zwölf zuständigen Fed-Mitglieder fiel einstimmig. „Die Inflation ist zu hoch, und das schon viel zu lange“, sagte Notenbank-Chef Warsh zur Begründung.
„Notenbanker sind politisch“
Vor Journalisten räumte Trump ein, er habe mit Kevin Warsh, dem neu bestätigten Fed-Chef, vor der Entscheidung gesprochen. „Ich sagte zu Kevin: ‚Du kannst genauso gut mit dem Rat stimmen, es wird sowieso nichts ändern‘“, so Trump. „Der Rat ist sehr feindselig. Sie sind sehr politisch. Sie tun das Falsche. Sie sind ein Haufen Politiker. Sie sind Leute, die von Politikern eingesetzt wurden.“
Trump verschonte Warsh mit direkter Kritik, obwohl er andere Fed-Gouverneure dafür rügte, die Zinsen nicht gesenkt zu haben. Damit bekräftigte der Präsident auch sein zuvor geäußertes, für Aufsehen sorgendes Ultimatum, weite Teile des US-Handels lahmzulegen, sollte die Fed die Kreditkosten nicht drastisch senken. Dies könnte die Inflation anheizen und die Arbeit der Zentralbank zusätzlich erschweren.
„Wenn wir unsere Haushaltsdefizite beseitigen wollten – was wir mit einem Federstrich mit jedem Land tun könnten –, würden wir anderthalb Billionen Dollar pro Jahr einnehmen“, sagte Trump. „Wir würden unsere Schulden tilgen. Wir könnten alles Mögliche tun. Aber wir haben uns bisher dagegen entschieden. Doch irgendwann werden wir es tun. Die Zinsen sind zu hoch.“
Mehrere Ökonomen sehen die Zinserhöhung nur als Anfang. Oren Klachkin von Nationwide erwartet einen weiteren Schritt um 0,25 Prozentpunkte und rechnet bis weit ins Jahr 2027 mit erhöhter Inflation, sagte er laut Business Insider. Auch Seema Shah von Principal Asset Management und Heather Long von Navy Federal rechnen mit weiteren Erhöhungen.
Diane Swonk, Chefökonomin von KPMG, warnt vor einer breiter und hartnäckiger gewordenen Inflation. Um sie zu bremsen, könnten mehrere weitere Zinsschritte nötig werden – mit wachsenden Risiken für Wachstum und Nachfrage.
Michael Pearce von Oxford Economics hält die Marktreaktion dagegen für überzogen. Die Märkte hätten bereits zu viele weitere Zinserhöhungen eingepreist, sagte er laut The National.
Sorge wegen Staatsschulden
Zusätzlichen Druck erzeugen die höheren Zinsen für die US-Staatsfinanzen. Die Rendite zehnjähriger Treasuries stieg nach der Fed-Entscheidung zeitweise über fünf Prozent. Damit verteuert sich die Refinanzierung der hohen US-Schulden schrittweise. Das Congressional Budget Office erwartet bereits 2026 Netto-Zinsausgaben von rund einer Billion Dollar; höhere Finanzierungskosten würden diese Belastung weiter erhöhen.
