Billiger Sprit: Warum geht das in Malta – und in Deutschland nicht?

In Malta zahlen die Konsumenten trotz des Iran-Kriegs 1,34 Euro für Benzin und 1,21 Euro für Diesel. Das wäre auch in Deutschland machbar.

Wie der Benzinpreis in Malta funktioniert. (Illustration mit Hilfe von KI erstellt)
Wie der Benzinpreis in Malta funktioniert. (Illustration mit Hilfe von KI erstellt)

Am Mittwoch erreichte der Preis für einen Liter Diesel mit im Tagesdurchschnitt 2,453 Euro einen neuen Höchstwert, wie der ADAC am Donnerstag mitteilt. Der bisherige Rekord war am 7. April verzeichnet worden. Der Preis für Super E10 war bereits in den vergangenen Tagen kontinuierlich auf neue Allzeithochs gestiegen – er lag am Mittwoch bei im Schnitt 2,314 Euro je Liter.

Deutschland gehört bei Benzin und Diesel zu den teuersten Ländern der EU. Nur in wenigen Staaten ist Tanken noch teurer.

Andere Staaten wie Schweden oder Polen haben niedrigere Preise – so unterschiedlich die einzelnen Staaten auch sein mögen.

In Malta sind die Preise in einer anderen Liga: 1,34 Euro für Benzin, 1,21 Euro für Diesel. Entscheidend ist, wie stark ein Staat Preisschocks an Verbraucher weitergibt oder selbst abfedert, wie der EU-Vergleich des Statistischen Bundesamts zeigt.

Deutschland lässt die Preise stärker durchschlagen

In Deutschland treffen steigende Beschaffungs- und Großhandelspreise relativ schnell auf hohe staatliche Abgaben: rund 65 Cent Energiesteuer je Liter Benzin und 47 Cent bei Diesel, dazu CO₂-Preis und Mehrwertsteuer. Dass der Bund den Preis senken kann, zeigte er 2026 selbst. Eine zweimonatige Steuersenkung entlastete einschließlich Mehrwertsteuereffekt um rund 17 Cent je Liter und hatte laut Bundesfinanzministerium ein Volumen von etwa 1,6 Milliarden Euro.

Dass beide Staaten ihre Haushalte unterschiedlich gewichten, zeigt auch die Ukraine-Hilfe: Malta wies für 2025 laut einer Antwort von Außenminister Ian Borg im maltesischen Parlament knapp eine Million Euro direkte nicht-tödliche Unterstützung aus, während Deutschland nach Angaben der Bundesregierung mehr als acht Milliarden Euro bereitstellte. Die Beträge sind wegen der unterschiedlichen Größe beider Länder nicht unmittelbar vergleichbar, zeigen aber unterschiedliche finanzpolitische Prioritäten.

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Das heute praktizierte groß angelegte maltesische Stützungsmodell für Energie und Kraftstoffe entstand 2022, nach Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine. Das staatliche Energieunternehmen Enemed importiert, lagert und vertreibt Mineralölprodukte in Malta und gehört über die staatliche Petromal vollständig dem maltesischen Staat. Enemed hält in seinem Jahresabschluss fest, dass der Krieg zu starken Verwerfungen und Preissteigerungen am Energiemarkt führte und die Regierung daraufhin beschlossen habe, die zusätzlichen Kraftstoffkosten staatlich abzufedern, statt sie an Bevölkerung und Unternehmen weiterzugeben. Diese Praxis hat die Regierung von Malta bis heute beibehalten.

Malta hält den Preis niedrig

Der Staat kontrolliert damit einen wichtigen Teil der Versorgung selbst. Steigen die Einkaufskosten, müssen sie nicht vollständig an die Tankstelle weitergegeben werden. Der Staat unterstützt den Energiesektor finanziell und sichert Teile des künftigen Kraftstoffbedarfs über Hedging ab. Die maltesische Regierung nennt Subventionen und diese Preisabsicherung ausdrücklich als Gründe dafür, dass Benzin bei 1,34 Euro und Diesel bei 1,21 Euro gehalten werden.

Der Preis an der Zapfsäule entspricht damit nicht zwingend den tatsächlichen Beschaffungskosten. Liegen diese höher, übernimmt der Staat einen Teil der Differenz. Gleichzeitig kassiert er weiter Verbrauchsteuern und Mehrwertsteuer; Enemed selbst gehört ebenfalls dem Staat. Zahlungen zwischen Staat und Enemed sind daher teilweise interne Verschiebungen. Real belastend ist vor allem das Geld, das für importierten Kraftstoff und andere externe Kosten abfließt.

Billiger Sprit hat Folgen

Für Verbraucher ist das Modell attraktiv, für den Haushalt birgt es Risiken. Maltas Finanzminister Clyde Caruana rechnet 2026 allein für die Dieselsubvention inzwischen mit rund 75 Millionen Euro, nachdem zuvor deutlich weniger erwartet worden war. Wie MaltaToday berichtet, können anhaltend hohe Weltmarktpreise die Kosten damit schnell nach oben treiben.

Malta beseitigt das Preisrisiko also nicht, sondern verlagert einen Teil davon von der Tankstelle in den Staatshaushalt.

Was Deutschland auch könnte

Deutschland hat im Mineralölmarkt keinen mit Enemed vergleichbaren Staatskonzern. Der Markt wird im Wesentlichen von privaten Raffinerien, Großhändlern und Tankstellenketten geprägt; der Staat greift vor allem über Steuern und Regulierung ein.

Trotzdem wären Teile des maltesischen Modells übertragbar: automatische Steuersenkungen bei außergewöhnlichen Preissprüngen, eine teilweise Rückgabe zusätzlicher Mehrwertsteuereinnahmen oder ein staatlich kontrollierter Einkäufer, der langfristige Lieferverträge abschließt und Preisrisiken absichert. Dafür müsste Deutschland nicht zwingend einen ganzen Mineralölkonzern verstaatlichen.

Der größte Unterschied bleibt die Größenordnung. Schon wenige Cent Entlastung je Liter kosten den Bund Milliarden. Eine dauerhafte Preisstützung auf maltesischem Niveau wäre daher wesentlich teurer.

Gestörte Märkte

Malta behandelt außergewöhnliche Energiepreise als Folge eines gestörten Marktes und federt hohe Kraftstoffpreise staatlich ab. Deutschland hält weitgehend am Prinzip der Marktpreisbildung fest und lässt einen größeren Teil der Verwerfungen bei den Verbrauchern ankommen.

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