Warum Tanken in fast allen anderen Ländern billiger ist als in Deutschland

Deutschland gehört für Autofahrer zu den teuersten Ländern der Europäischen Union für Autofahrer. Muss das so sein?

Spritpreise in Europa. (Karte mit Hilfe von KI erstellt)
Spritpreise in Europa. (Karte mit Hilfe von KI erstellt)

Der Preis für einen Liter Diesel lag am Mittwoch mit im Tagesdurchschnitt 2,453 Euro auf einem neuen Allzeithoch, wie der ADAC am Donnerstag mitteilte. Der Preis für Super E10 lag am Mittwoch bei im Schnitt 2,314 Euro je Liter.

Beim Benzin sind nur Dänemark und die Niederlande teurer, beim Diesel zusätzlich Finnland. Das zeigen die aktuellen EU-Vergleichsdaten des Statistischen Bundesamts auf Basis des Weekly Oil Bulletin der Europäischen Kommission.

Die Gründe für die großen Unterschiede reichen von niedrigeren Steuern über zeitweise Abgabensenkungen bis zu Preisregulierung und direkten staatlichen Zuschüssen.

Deutschland

Benzin kostete 2,36 Euro, Diesel 2,43 Euro. Zum Marktpreis kommen Energiesteuer, Mehrwertsteuer und der nationale CO₂-Preis. Der Bund zeigte 2026 allerdings selbst, dass sich der Preis steuerlich drücken lässt: Für zwei Monate wurde die Energiesteuer gesenkt, was einschließlich Mehrwertsteuer rund 17 Cent Entlastung je Liter brachte, wie das Bundesfinanzministerium erläutert.

Ähnliches könnte nun wieder kommen. Bundeswirtschaftsministerin Reiche sagte am Mittwoch am Rande eines Treffens der G20-Staatengruppe in Houston in Texas, „ein sinnvoller Ansatz“ zur Entlastung von Autofahrerinnen und Autofahrern „wäre aus meiner Sicht eine vorübergehende Senkung der Umsatzsteuer für Kraftstoffe von 19 auf sieben Prozent“. Zuvor hatte sich Unionsfraktionschef Thorsten Frei für eine Mehrwertsteuersenkung ausgesprochen.

Dänemark

Dänemark war mit 2,56 Euro für Benzin und 2,50 Euro für Diesel noch teurer. Ein wesentlicher Faktor ist die hohe steuerliche Belastung von Kraftstoffen, die sich im Weekly Oil Bulletin der EU-Kommission nachvollziehen lässt.

Niederlande

In den Niederlanden kostete Benzin 2,43 Euro und Diesel 2,49 Euro. Auch hier tragen hohe Verbrauchsteuern und Mehrwertsteuer erheblich zum Endpreis bei.

Finnland

Finnland lag bei 2,32 Euro für Benzin und mit 2,51 Euro beim Diesel an der Spitze der EU. Hohe Kraftstoffabgaben treffen dort derzeit auf hohe Produktpreise.

Frankreich

Frankreich kam auf 2,17 Euro für Benzin und 2,29 Euro für Diesel. Paris setzt stärker auf gezielte Entlastungen; zusätzlich begrenzte TotalEnergies zeitweise die Preise an seinen französischen Stationen, wie das Unternehmen mitteilte.

Griechenland

In Griechenland kostete Benzin 2,16 Euro und Diesel 2,12 Euro. Einen landesweiten Preisdeckel wie in einigen anderen EU-Staaten gibt es nicht; die niedrigeren Endpreise ergeben sich aus dem jeweiligen Mix aus Nettopreis und Abgaben, den die EU-Kommission wöchentlich erfasst.

Italien

Italien lag bei 2,08 Euro für Benzin und 2,19 Euro für Diesel. Rom senkt 2026 zeitweise Verbrauchsteuern, wenn steigende Ölpreise zusätzliche Mehrwertsteuereinnahmen erzeugen. Anfang September wurde die Dieselsteuer erneut reduziert, wie aus der Gazzetta Ufficiale hervorgeht.

Portugal

Portugal kam auf 2,07 Euro für Benzin und 2,15 Euro für Diesel. Die Regierung nutzt die Mineralölsteuer ISP, um Preissprünge teilweise abzufedern; auf diese Steuerentlastung verwies auch die portugiesische Regierung selbst.

Belgien

Belgien lag bei 1,98 Euro für Benzin und 2,29 Euro für Diesel. Vor allem beim Benzin liegt die Gesamtbelastung aus Produktpreis und Abgaben deutlich unter Deutschland; die Unterschiede weist die EU-Kommission aus.

Lettland

Lettland kam auf 1,98 Euro für Benzin und 2,10 Euro für Diesel. Auch hier ist die Summe aus Nettopreis und staatlichen Abgaben niedriger als in Deutschland.

Litauen

Litauen lag bei 1,92 Euro für Benzin und 2,18 Euro für Diesel. Der Preisvorteil gegenüber Deutschland entsteht ebenfalls aus niedrigeren Netto- und Abgabenkomponenten.

Estland

Estland kam auf 1,91 Euro für Benzin und 2,07 Euro für Diesel. Damit lagen beide Kraftstoffe deutlich unter dem deutschen Niveau; die Vergleichsdaten veröffentlicht die EU-Kommission.

Österreich

Österreich lag bei 1,89 Euro für Benzin und 2,20 Euro für Diesel. Wien reagierte 2026 mit einer Spritpreisbremse, die unter anderem steuerliche Entlastungen und Eingriffe bei den Margen umfasst. Die Maßnahmen erläutert das österreichische Finanzministerium.

Irland

Irland kam auf 1,89 Euro für Benzin und 1,99 Euro für Diesel. Dublin reagierte auf den Preisschock mit zeitweisen Verbrauchsteuersenkungen. Das entsprechende Maßnahmenpaket veröffentlichte die irische Regierung.

Rumänien

Rumänien lag bei 1,89 Euro für Benzin und 2,00 Euro für Diesel. Entscheidend ist vor allem eine niedrigere Gesamtbelastung aus Nettopreis und Abgaben als in Deutschland.

Spanien

Spanien kam auf 1,87 Euro für Benzin und 1,83 Euro für Diesel. Madrid senkte 2026 die Belastung durch die Kohlenwasserstoffsteuer zeitweise deutlich; die Maßnahmen dokumentiert die spanische Steuerbehörde.

Tschechien

In Tschechien kostete Benzin 1,83 Euro und Diesel 1,99 Euro. Damit gehört das Land zu den günstigsten direkten Nachbarn Deutschlands. Der Unterschied ergibt sich vor allem aus der niedrigeren Gesamtbelastung von Kraftstoff.

Polen

Polen lag bei 1,82 Euro für Benzin und 2,01 Euro für Diesel. Warschau hatte 2026 zeitweise Mehrwertsteuer und Abgaben gesenkt und Höchstpreise eingesetzt; entsprechende Maßnahmen veröffentlichte das polnische Energieministerium.

Slowakei

Die Slowakei kam auf 1,81 Euro für Benzin und 1,92 Euro für Diesel. Auch dort ist der kombinierte Anteil aus Nettopreis und staatlichen Abgaben geringer als in Deutschland.

Luxemburg

Luxemburg lag bei 1,79 Euro für Benzin und 2,12 Euro für Diesel. Kraftstoff wird dort strukturell niedriger besteuert als in Deutschland und mehreren anderen Nachbarstaaten. Die Unterschiede bei Steuern und Abgaben sind im Weekly Oil Bulletin dokumentiert.

Kroatien

Kroatien kam auf 1,74 Euro für Benzin und 1,92 Euro für Diesel. Zagreb reguliert die Endpreise und begrenzt Margen. Die Regierung veröffentlicht regelmäßig die zulässigen Kraftstoffpreise und beziffert dabei auch den Preis ohne ihre Eingriffe auf der Seite der kroatischen Regierung.

Ungarn

Ungarn lag bei 1,71 Euro für Benzin und 1,92 Euro für Diesel. Neben der Steuer- und Kostenstruktur beeinflusst beim Vergleich in Euro auch der Wechselkurs des Forint die ausgewiesenen Preise.

Zypern

Auf Zypern kostete Benzin 1,65 Euro und Diesel 1,92 Euro. Trotz der Insellage lag die Gesamtbelastung damit deutlich unter dem deutschen Niveau.

Slowenien

Slowenien kam auf 1,64 Euro für Benzin und 1,85 Euro für Diesel. Die Regierung reguliert Kraftstoffpreise und setzte zeitweise einzelne Abgaben aus. Wie stark sich diese Eingriffe auf die Preise auswirken, veröffentlicht die slowenische Regierung regelmäßig.

Bulgarien

Bulgarien lag bei 1,62 Euro für Benzin und 1,86 Euro für Diesel. Niedrigere Abgaben sowie geringere Vertriebs- und Betriebskosten halten den Endpreis deutlich unter dem deutschen Niveau.

Schweden

Schweden gehörte mit 1,51 Euro für Benzin und 1,98 Euro für Diesel zu den günstigeren EU-Staaten. Stockholm senkte 2026 die CO₂-Steuer auf Benzin und Diesel zeitweise deutlich. Die Regelung ist bei der schwedischen Steuerbehörde dokumentiert.

Malta

Malta liegt mit 1,34 Euro für Benzin und 1,21 Euro für Diesel mit großem Abstand am unteren Ende des EU-Vergleichs. Anders als Deutschland hält der Inselstaat die Endpreise über staatliche Zuschüsse und eine Absicherung künftiger Einkaufspreise stabil. Die maltesische Regierung nennt Subventionen und Hedging ausdrücklich als zentrale Gründe.

Eine besondere Rolle spielt dabei Enemed: Das staatliche Unternehmen importiert, lagert und vertreibt Mineralölprodukte auf Malta. Steigen die internationalen Beschaffungskosten, muss diese Verteuerung deshalb nicht vollständig an den Autofahrer weitergegeben werden. („Wie das Modell genau läuft – hier)

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