China hat am Donnerstag neue Maßnahmen für den Finanzsektor vorgestellt. Sie betreffen unter anderem die Geldpolitik, die Stabilität der Kapitalmärkte und eine weitere Öffnung des Finanzsystems. Die Reformen sind Teil des 15. Fünfjahresplans für die Jahre 2026 bis 2030.
Lu Lei, stellvertretender Gouverneur der chinesischen Zentralbank PBC, sagte auf einer Pressekonferenz laut der staatliche chinesischen Global Times, kündigte eine Reform der geldpolitischen Steuerung, eine strengere Finanzaufsicht, Maßnahmen zur Begrenzung finanzieller Risiken, eine stärkere Finanzierung der Realwirtschaft sowie eine weitere Öffnung des Finanzsektors an.
Die Zentralbank will ihre Geldpolitik schrittweise stärker über Zinsen steuern und die Bedeutung mengenbasierter Zwischenziele reduzieren. Gleichzeitig sollen die Bildung und Weitergabe marktbasierter Zinssätze verbessert und die Rolle der Leitzinsen gestärkt werden.
Die PBC werde weiterhin auf einen stabilen Yuan achten und zugleich das Wirtschaftswachstum unterstützen, sagte Lu. Der Wechselkurs solle grundsätzlich durch den Markt bestimmt werden. China wolle sich keine Handelsvorteile durch eine Abwertung seiner Währung verschaffen.
Auch die Kapitalmarktregeln sollen angepasst werden. Die chinesische Wertpapieraufsicht CSRC will die Voraussetzungen für Börsengänge und Fusionen flexibler gestalten. Ziel ist es, mehr innovative und wachstumsstarke chinesische Unternehmen an den heimischen Aktienmarkt zu bringen, sagte CSRC-Vizechef Li Chao.
Mehr Kapitalmarkt wagen
Die Aufsicht will außerdem die Regeln für Börsenzulassungen regelmäßig überprüfen und den Zugang zum A-Aktienmarkt für bestimmte Unternehmen erleichtern. Gleichzeitig sollen Börsen und die technische Infrastruktur für Handel und Abwicklung weiter ausgebaut werden.
Die Zentralbank will zudem das Angebot an Finanzprodukten erweitern und den Anteil der direkten Finanzierung über Kapitalmärkte erhöhen. Damit sollen insbesondere technologieorientierte und andere wachstumsstarke Branchen leichter an Kapital kommen.
Die chinesische Devisenaufsicht SAFE kündigte ebenfalls weitere Reformen an. Für regelkonforme Unternehmen sollen Devisengeschäfte vereinfacht werden. Gleichzeitig will die Behörde die Öffnung des Devisenmarktes fortsetzen und die Kontrolle grenzüberschreitender Kapitalbewegungen verstärken, sagte der stellvertretende SAFE-Chef Li Bin.
Die Regierung will damit die Finanzierung stärker über Marktmechanismen steuern und zugleich Risiken im Finanzsystem begrenzen. Ein weiterer Schwerpunkt bleibt die stärkere internationale Nutzung des Yuan und die Öffnung chinesischer Finanzmärkte für ausländische Investoren.
IWF: Reform ist nötig
Eine stärkere marktwirtschaftliche Steuerung hält auch IWF-Chefin Kristalina Georgieva für notwendig. „Einer der wichtigsten Preise in jeder Volkswirtschaft sind die Kapitalkosten“, sagte Georgieva bereits im März laut IWF. In China habe die Lenkung von Kapital zu weniger produktiven Kreditnehmern zu steigender Verschuldung und schwächeren Finanzinstituten beigetragen. Marktbasierte Reformen könnten dafür sorgen, dass mehr Kapital zu produktiveren Unternehmen fließt.
Nomura: Nur erste Schritte
Nomuras China-Chefökonom Ting Lu sieht zugleich weiter erheblichen Reformbedarf. Die bisherigen wirtschaftspolitischen Maßnahmen seien „wichtige erste Schritte“, reichten aber nicht aus, um die zugrunde liegenden strukturellen Probleme zu lösen, schrieb Lu in einem Ausblick von Nomura. China müsse insbesondere die Krise im Immobiliensektor angehen und den Konsum stärken. Nomura erwartet für 2026 ein Wachstum von rund 4,3 Prozent und sieht weiterhin Deflationsrisiken.
