Am Montag beraten die 195 IPCC-Mitgliedstaaten in Addis Abeba über den Erscheinungstermin der nächsten Klima-Berichte. Viele sehen darin die letzte Chance, noch vor den UN-Klimaverhandlungen im November 2028 eine Einigung zu erzielen.
Seit fast drei Jahren können sich die Mitglieder des Weltklimarats IPCC nicht auf einen Zeitplan für ihre nächsten Sachstandsberichte einigen. Wie Reuters berichtet, ist der Stillstand in der Geschichte der Organisation beispiellos. Der französische Co-Vorsitzende Robert Vautard sagte der Agentur, solche Termine würden normalerweise „in wenigen Minuten” beschlossen.
Unterschiedliches Tempo bei Berichten
Die Vorsitzenden der Arbeitsgruppen wollen alle drei Berichte bis September 2028 verabschieden. Gegner des Plans möchten den zweiten und dritten Bericht, zu Folgen und Anpassung sowie zu Maßnahmen gegen die Erwärmung, erst 2029 veröffentlichen. Angeblich dringen Indien, Kenia, Saudi-Arabien, Russland und China auf mehr Zeit. Sie halten den Zeitrahmen für zu knapp, um tausende Studien auszuwerten und die Begutachtungen abzuschließen. Zudem hätten Forschende aus weniger gut ausgestatteten Ländern Schwierigkeiten, rechtzeitig zu publizieren. „Ein sehr schneller Prozess wäre nicht inklusiv”, sagte Kenias IPCC-Vertreterin Joyce Kimutai der Nachrichtenagentur.
Eine Erklärung der High Ambition Coalition, die von mehr als 30 Staaten unterzeichnet wurde, warnt dagegen vor einer Verzögerung. Die Vertreter der Koalition schreiben: „Der Zugang zu den neuesten und besten verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen, einschließlich des Wissens indigener Völker und lokaler Wissenssysteme, ermöglicht einen gerechten, gleichberechtigten und evidenzbasierten Ansatz zur Bewältigung der größten Herausforderung unserer Zeit – und nicht einen Ansatz, der von jenen bestimmt wird, deren festgefahrene Interessen der Reduzierung von Treibhausgasen entgegenstehen. Diejenigen, die am stärksten vom Klimawandel betroffen sind, verlassen sich darauf, dass Regierungen die IPCC-Bewertungen bei ihren politischen Entscheidungen berücksichtigen.“
Ohne die neuen Berichte müssten sich die Verhandler 2028 auf Veröffentlichungen von 2021/22 stützen. Die globale Durchschnittstemperatur lag 2024 erstmals mehr als 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau.
Zugleich geht es um Politik. Manche Befürworter eines früheren Termins werfen großen Ölförderländern vor, sich dem Druck zu schnelleren Emissionssenkungen entziehen zu wollen. Die IPCC-Editorin Lisa Schipper sagte Reuters: „Der Elefant im Raum ist die Politik”. Russlands Wirtschaftsministerium nannte diese Darstellung eine „bewusste Verzerrung”. Indiens IPCC-Vertreter Thiagarajan Jayaraman hält es für „kurzsichtig”, den Wert der Berichte allein am Klimagipfel 2028 zu messen.
Der Streit trifft den IPCC in einer schwierigen Phase: Die USA, sein größter Geldgeber, sind im Januar ausgetreten.
