Der Fonds soll dafür sorgen, dass Unternehmen, die sogenannte digitale Sequenzinformationen aus genetischen Ressourcen wirtschaftlich nutzen, einen Teil ihrer Gewinne an den Schutz der biologischen Vielfalt zurückgeben. Nach Angaben des offiziellen Cali Fund gehören Pharma-Unternehmen ausdrücklich zu den Branchen, von denen Beiträge erwartet werden. Für große Unternehmen sieht das Modell grundsätzlich Zahlungen in Höhe von 0,1 Prozent des Jahresumsatzes oder einem Prozent des Jahresgewinns vor.
Die Bilanz ist bislang ernüchternd. In einer offiziellen Veröffentlichung vom 15. Oktober nennt der Cali Fund gerade einmal drei Unternehmen, die Beiträge geleistet haben: TierraViva AI, das britische Biotechnologieunternehmen Prozomix und das belgische Biodiversitätsunternehmen E-BIOM. Große internationale Pharmakonzerne werden unter den bisherigen Beitragszahlern nicht genannt.
Dabei ist die Pharmaindustrie ausdrücklich Teil des Systems. Die von der UN-Biodiversitätskonvention unterstützte Initiative soll Unternehmen, die mit genetischen Daten der Natur Geld verdienen, an der Finanzierung des Biodiversitätsschutzes beteiligen. Mindestens die Hälfte der Mittel soll indigenen Völkern und lokalen Gemeinschaften zugutekommen, die einen wesentlichen Teil der weltweiten Artenvielfalt bewahren.
Der Cali Fund wurde 2025 eingerichtet und ist bewusst so konstruiert, dass vor allem die Privatwirtschaft einzahlt. Das UN Multi-Partner Trust Fund Office bezeichnet ihn als ersten Fonds seiner Art, bei dem Unternehmen die wichtigsten Geldgeber sein sollen, weil sie digitale genetische Informationen aus der Natur nutzen.
Dass bislang ausgerechnet große Pharmakonzerne nicht als Beitragszahler auftauchen, steht damit in auffälligem Gegensatz zur Konstruktion des Fonds. Die offizielle Dokumentation erlaubt allerdings nicht die weitergehende Schlussfolgerung, dass überhaupt kein Pharmaunternehmen gezahlt habe oder dass die Branche Biodiversität grundsätzlich ignoriere. Belegt ist: Unter den bislang vom Cali Fund öffentlich hervorgehobenen drei Beitragszahlern befindet sich kein großer Pharmakonzern.
