Biodiversität: Ziele können kaum noch erreicht werden

Die Bilanz der UN-Biodiversitätskonferenz COP17 in Jerewan ist schlecht: Weniger als die Hälfte der überprüften nationalen Ziele liegt auf Kurs für das Weltnaturabkommen.

Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der 17. Vertragsstaatenkonferenz. (Foto: AFP)
Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs in Jerewan. (Foto: AFP)

Bis 2030 soll der weltweite Verlust der biologischen Artenvielfalt gestoppt und umgekehrt werden. Vier Jahre vor Ablauf der Frist ist fraglich, ob zentrale Ziele noch erreichbar sind. Laut der ersten globalen Bestandsaufnahme zum Kunming-Montreal-Weltnaturabkommen haben zwar fast 90 Prozent der Vertragsstaaten nationale Biodiversitätsziele festgelegt. Doch weniger als die Hälfte der von den Staaten bewerteten Ziele ist derzeit auf Kurs, berichtet die UN-Konvention über die biologische Vielfalt.

Besonders deutlich ist die Lücke beim sogenannten 30-by-30-Ziel. Bis 2030 sollen mindestens 30 Prozent der Land- und Meeresflächen wirksam geschützt werden. Die bisherigen nationalen Zusagen reichen dafür nicht aus. Für Land- und Binnengewässer würden sie nach einer Analyse lediglich eine Schutzquote von 27,5 Prozent ergeben. Um die national zugesagten Schutzflächen überhaupt zu erreichen, müsste das Tempo bei der Ausweisung neuer Gebiete bis 2030 etwa fünfmal höher liegen als im vergangenen Jahrzehnt. Das geht aus Daten der UN-Biodiversitätskonvention hervor.

Deutschland muss selbst nachsteuern

Deutschland gehört in Jerewan zu den Staaten, die eine schnellere Umsetzung fordern. Bundesumweltminister Carsten Schneider leitet in der zweiten Konferenzwoche die deutsche Delegation. Sein Ministerium erklärt, die Konferenz müsse konkrete Schritte zur Beschleunigung der bisherigen Beschlüsse bringen.

Die deutsche Bilanz selbst ist allerdings nicht abgeschlossen. Die Bundesregierung beschloss ihre Nationale Strategie zur Biologischen Vielfalt 2030 erst Ende 2024. Im August 2026 teilte sie dem Bundestag mit, dass zahlreiche Maßnahmen des ersten Aktionsplans wegen der kurzen Laufzeit nicht mehr beschlossen worden seien.

Für den zweiten Aktionsplan werde deshalb derzeit der „Nachsteuerungsbedarf“ ermittelt, wie aus einer Antwort der Bundesregierung hervorgeht, die der Bundestag zusammenfasst.

Vier Jahre bleiben

Damit betrifft die ernüchternde Zwischenbilanz von Jerewan auch Deutschland: Die Bundesregierung verlangt international mehr Tempo, während bei der nationalen Umsetzung noch offen ist, mit welchen zusätzlichen Maßnahmen die eigenen Ziele bis 2030 erreicht werden sollen.

Die COP17 läuft noch bis zum 30. Oktober. Im Zentrum der Verhandlungen steht nun, ob die Staaten aus der Bestandsaufnahme konkrete zusätzliche Schritte für die verbleibenden vier Jahre ableiten.

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