Bei der Stichwahl um das Präsidentenamt in Brasilien hat sich Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva gegen seinen Herausforderer Flávio Bolsonaro durchgesetzt und sich damit eine vierte Amtszeit gesichert. Lula erhielt bei der Abstimmung am Sonntag nach Angaben des Wahlgerichts 51,75 Prozent der Stimmen. Auf Bolsonaro, den Sohn des früheren Präsidenten Jair Bolsonaro, entfielen 48,25 Prozent.
Trump-Fan verliert
Bolsonaro konnte dabei auch auf Unterstützung aus dem Umfeld der US-Regierung von Präsident Donald Trump zählen. Wie US-Medien berichteten, hatten Vertreter der Trump-Regierung versucht, die politische Position der Bolsonaro-Familie zu stärken. Nach Reuters setzten sich zwei hochrangige Mitarbeiter des US-Außenministeriums unter anderem für Sanktionen ein, die den Bolsonaros politisch zugutekommen sollten. Trump selbst sprach jedoch keine ausdrückliche Wahlempfehlung für Flávio Bolsonaro aus.
Stärkung für BRICS
Lula setzte außenpolitisch zudem stark auf die Zusammenarbeit im BRICS-Kreis. Unter seiner Präsidentschaft übernahm Brasilien 2025 den Vorsitz der Staatengruppe und warb dort für eine stärkere Rolle des Globalen Südens, eine Reform internationaler Institutionen und eine multipolare Weltordnung. Bei Treffen mit den BRICS-Partnern China und Russland stellte Lula die Gruppe als wichtiges Gegengewicht zu einseitiger Machtpolitik und als Forum für stärkere internationale Zusammenarbeit heraus.
Lula: Kritik an den USA
Auch wegen seiner Haltung zum Ukraine-Krieg geriet Lula in Washington unter Druck. Er hatte den USA vorgeworfen, durch ihre Waffenlieferungen zur Verlängerung des Krieges beizutragen, und sich gegen eine militärische Unterstützung der Ukraine durch Brasilien gestellt. Die US-Regierung wies diese Position scharf zurück; das Weiße Haus warf Lula zeitweise vor, russische und chinesische Narrative zum Krieg zu übernehmen. Später bemühten sich beide Seiten darum, die Differenzen weniger öffentlich auszutragen.
Stimmabgabe verlängert
Vor der Stichwahl hatte sich ein knappes Rennen abgezeichnet. Die Stimmabgabe wurde zudem wegen mutmaßlicher Behinderungen von Wählern durch Einschränkungen im öffentlichen Nahverkehr um zwei Stunden verlängert. Dadurch begann auch die Auszählung später.
Richter Cristiano Zanin vom Obersten Gerichtshof begründete die Verlängerung bis 19.00 Uhr Ortszeit (23.00 Uhr MEZ) in einer AFP vorliegenden Entscheidung mit Problemen im öffentlichen Nahverkehr. Er verwies auf die „Schwere der Vorfälle“. Lula hatte eine längere Öffnung der Wahllokale gefordert, weil am Wahltag in mehreren Städten Busse aus dem Verkehr gezogen worden seien.
Auch Bolsonaro sprach sich für eine Verlängerung aus. Er verwies auf starke Regenfälle im Süden und Südosten des Landes, wo er besonders großen Rückhalt genießt.
Die erste Wahlrunde Anfang Oktober hatte Bolsonaro überraschend mit 47 Prozent gewonnen, während Lula auf 45 Prozent kam.
