Gegen Russland: Deutschland plant Kauf Tausender Langstreckenwaffen

Deutschland will seine Bestände an weitreichenden Präzisionswaffen ausbauen. Es geht um Tausende Systeme. Allein ein möglicher Auftrag soll mehr als eine Milliarde Euro kosten.

Bundeskanzler Friedrich Merz (links) und der tschechische Präsident Petr Pavel spazieren am 21. Oktober 2026 auf der Terrasse des Bundeskanzleramts in Berlin. (Foto: Markus Schreiber / POOL / AFP)
Bundeskanzler Friedrich Merz (links) und der tschechische Präsident Petr Pavel spazieren am 21. Oktober 2026 auf der Terrasse des Bundeskanzleramts in Berlin. (Foto: Markus Schreiber / POOL / AFP)

Deutschland verhandelt offenbar über die Beschaffung Tausender Langstreckenwaffen von mehreren Herstellern. Nach Informationen von Bloomberg führt das Bundesverteidigungsministerium unter anderem Gespräche mit dem US-Rüstungsstart-up Covenant über Tausende bodengestützte Anthem-Marschflugkörper. Der mögliche Auftrag soll ein Volumen von mehr als einer Milliarde Euro haben.

Covenant hat Anfang Oktober eine Produktionsstätte in Leipzig eröffnet. Nach Angaben des MDR sollen dort 2027 zunächst 1.000 Anthem-Marschflugkörper hergestellt werden, ab 2028 sind jährlich 5.000 geplant. Personen, die mit der Entwicklung des Systems vertraut sind, beziffern dessen Reichweite gegenüber Bloomberg auf mehr als 2.000 Kilometer. Covenant selbst nennt keine genaue Reichweite.

Merz warnt vor Russland

Bloomberg schreibt: „Deutschland beeilt sich, sein Arsenal mit Waffen aufzufüllen, um Russland abzuschrecken.“ Die hohe Stückzahl soll gegnerische Luftverteidigungssysteme überlasten und die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Angriffe ihre Ziele erreichen.

Bundeskanzler Friedrich Merz hatte wenige Tage zuvor im Gespräch mit Bloomberg vor Russland gewarnt. Seine größte Sorge sei der „unterschätzte russische Einfluss auf unsere Gesellschaften“. Russland sei dabei, „die gesamte politische Ordnung unseres europäischen Kontinents zu destabilisieren“, sagte Merz. Merz hatte die Aufrüstung der Bundeswehr bereits zuvor mit der Notwendigkeit militärischer Abschreckung begründet. In einer Regierungserklärung sagte er: „Wir müssen selbst so stark sein, dass uns niemand angreift. Anders ausgedrückt: Wir müssen glaubhaft abschrecken können.“

Beim Besuch des tschechischen Präsidenten Petr Pavel in Berlin warnten beide Seiten vor Russland. Pavel bezeichnete Russland als das derzeit „akuteste Sicherheitsrisiko für Europa“. Der frühere General war von 2015 bis 2018 Vorsitzender des Nato-Militärausschusses und damit ranghöchster militärischer Repräsentant des Bündnisses.

Die Bundeswehr verfügt mit dem luftgestützten Taurus über einen Marschflugkörper mit einer Reichweite von rund 500 Kilometern. Deutschland plant außerdem den Kauf amerikanischer BGM-109-Tomahawk-Marschflugkörper und des bodengestützten Typhon-Startsystems. Wegen knapper US-Bestände dürfte Raytheon die deutsche Bestellung Bloomberg zufolge innerhalb der nächsten fünf Jahre nicht erfüllen können.

Gespräche mit der Ukraine

Deutschland verhandelt mit der Ukraine über den Kauf des Bars-Systems. Der Kyiv Independent berichtet unter Berufung auf einen deutschen Regierungsvertreter mit Kenntnis der Angelegenheit, Berlin und Kiew sprächen über den Erwerb der strahlgetriebenen Bars-Drohnen. Bereits im Juli vereinbarten beide Länder dem Bericht zufolge die gemeinsame Produktion des Systems.

Deutschland unterstützt zudem ukrainische Langstreckenfähigkeiten. Berlin finanziert laut Bundesregierung in der Ukraine produzierte weitreichende Waffensysteme mit dreistelligen Millionenbeträgen. Als weitere mögliche Anbieter für deutsche Aufträge nennt Bloomberg Destinus mit dem Ruta-Marschflugkörper sowie das deutsch-britische Start-up Hypersonica mit dem HS1. Eine öffentliche Bestätigung des gesamten von Bloomberg beschriebenen Beschaffungspakets liegt bislang nicht vor.

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