Brasilien: Bolsonaro erkennt Niederlage nicht an, will Wahl anfechten

Flavio Bolsonaro nach Bekanntgabe der ersten Ergebnisse der Präsidentschaftsstichwahl am 25. Oktober 2026 in Brasília. (Foto: Pablo Porciuncula / AFP)
Flavio Bolsonaro nach Bekanntgabe der ersten Ergebnisse der Präsidentschaftsstichwahl am 25. Oktober 2026 in Brasília. (Foto: Pablo Porciuncula / AFP)

Der bei der brasilianischen Präsidentenwahl unterlegene Flávio Bolsonaro erkennt seine Niederlage gegen Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva nicht an und will das Ergebnis juristisch anfechten. „Es ist unmöglich, das Wahlergebnis unter den Umständen anzuerkennen, unter denen sich die Dinge abgespielt haben“, sagte Bolsonaro nach Angaben von Reuters. Seine Anwälte würden die Annullierung der Wahl beantragen.

Bolsonaro begründete seinen Schritt mit der Entscheidung des Richters Cristiano Zanin vom Obersten Gerichtshof, die Abstimmung am Sonntag um zwei Stunden zu verlängern. Wegen Problemen beim Transport von Wählern und schweren Unwettern hatte es zuvor Forderungen nach einer Verlängerung gegeben. Auch Bolsonaros Wahlkampfteam hatte für von starkem Regen betroffene Gebiete zusätzliche Wahlzeit beantragt. Bolsonaro kritisierte dennoch, Zanin habe die Regeln während der laufenden Abstimmung verändert. Zanin war vor seiner Berufung an das Gericht Anwalt Lulas.

Nach dem endgültigen Ergebnis des brasilianischen Wahlgerichts erhielt Lula 51,79 Prozent der gültigen Stimmen, Bolsonaro 48,21 Prozent. Der Vorsprung betrug knapp 4,4 Millionen Stimmen. Lula sicherte sich damit eine vierte, nicht aufeinanderfolgende Amtszeit.

Trump jr. zweifelt an Lula-Sieg

Aus dem Umfeld von US-Präsident Donald Trump kamen ebenfalls Zweifel am Ablauf der Wahl. Sein Sohn Donald Trump Jr. kritisierte auf X die Entscheidung zur Verlängerung der Wahlzeit und warf großen US-Medien vor, die Kontroverse nicht angemessen aufzugreifen. „Wenn eine konservative Regierung in Brasilien so etwas tun würde, würde jeder in den Mainstream-Medien in Amerika den Verstand verlieren“, schrieb Trump Jr. Eine ausdrückliche Unterstützung für Bolsonaros angekündigten Antrag auf Annullierung der Wahl ist damit allerdings nicht belegt. Trump-Berater Jason Miller verbreitete Bolsonaros Erklärung in englischer Übersetzung. Eine offizielle Position der US-Regierung war dies nicht.

China gratuliert Lula

China erkannte das vom brasilianischen Wahlgericht verkündete Ergebnis an und gratulierte Lula zu seiner Wiederwahl. Außenamtssprecher Guo Jiakun erklärte am Montag in Peking, China habe zur Kenntnis genommen, dass das Oberste Wahlgericht Lula zum Sieger der Stichwahl erklärt habe. Auf Bolsonaros angekündigte Anfechtung angesprochen sagte Guo, China respektiere „die Entscheidung des brasilianischen Volkes“. Peking wolle die Zusammenarbeit mit Brasília weiter vertiefen.

Glückwünsche aus Lateinamerika

Auch zahlreiche Staats- und Regierungschefs Lateinamerikas gratulierten Lula. Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum schrieb auf X: „Es lebe die Demokratie, das brasilianische Volk hat gewonnen. Glückwunsch, Präsident Lula!“ Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel sprach von einem „historischen Sieg“ und erklärte, dieser sichere den eingeschlagenen Weg von Frieden, Souveränität und sozialer Gerechtigkeit.

Auch politisch weiter rechts stehende Präsidenten erkannten Lulas Sieg an. Chiles Präsident José Antonio Kast teilte mit, er habe Lula telefonisch gratuliert. Beide Länder sollten insbesondere bei wirtschaftlicher Integration und im Kampf gegen organisierte Kriminalität zusammenarbeiten. Ecuadors Präsident Daniel Noboa erklärte, die Region habe gemeinsame Herausforderungen und könne von engerer Kooperation profitieren.

Paraguays Präsident Santiago Peña würdigte die Abstimmung als „großen demokratischen Tag“ und verwies auf gemeinsame Interessen bei Integration und Entwicklung. Uruguays Präsident Yamandú Orsi erklärte, er habe Lula persönlich angerufen und ihm zum Sieg gratuliert. Auch Boliviens Präsident Rodrigo Paz und Panamas Präsident José Raúl Mulino kündigten eine Fortsetzung der Zusammenarbeit mit Brasilien an.

Macron, Merz und EU-Spitze gratulieren

Auch aus Europa kamen Glückwünsche. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erklärte auf X, Frankreich und Brasilien hätten „gemeinsam viel aufzubauen“. Angesichts der großen Herausforderungen der Gegenwart sollten beide Staaten ihre strategische Partnerschaft und ihre Freundschaft „im Dienste einer gerechteren Welt“ stärken.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen schrieb auf X, in Brasilien hätten „Demokratie und Multilateralismus gewonnen“. Die Partnerschaft Europas mit Brasilien florriere. Als gemeinsame Ziele nannte sie freien und offenen Handel, eine regelbasierte internationale Ordnung und ambitionierten Klimaschutz.

Auch EU-Ratspräsident António Costa gratulierte Lula. Nach Angaben von EFE sprach er mit dem brasilianischen Präsidenten und bekräftigte den Willen, die Beziehungen zwischen der Europäischen Union und Brasilien weiter zu vertiefen.

Bundeskanzler Friedrich Merz schrieb auf X, er freue sich darauf, „die strategische Partnerschaft zwischen Deutschland und Brasilien gemeinsam weiter zu vertiefen“.

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