Israel kündigt Militär-Operation im Westjordanland an

Bei einem Schusswechsel nahe Hebron sind zwei israelische Soldaten getötet worden. Israel will nun militärisch eingreifen. Einen Einsatz in diesem Ausmaß habe es seit dem Sechstagekrieg nicht mehr gegeben, sagt Israels Premierminister, Benjamin Netanjahu.

Israelische Soldaten versammeln sich am Ort eines vorangegangenen Feuergefechts zwischen bewaffneten Palästinensern und israelischen Streitkräften nach einem Vorfall am nördlichen Kontrollpunkt von Hebron im israelisch besetzten Westjordanland am 23. Oktober 2026. (Foto: Ahmad Gharabli / AFP)
Israelische Soldaten versammeln sich am Ort eines vorangegangenen Feuergefechts zwischen bewaffneten Palästinensern und israelischen Streitkräften nach einem Vorfall am nördlichen Kontrollpunkt von Hebron im israelisch besetzten Westjordanland am 23. Oktober 2026. (Foto: Ahmad Gharabli / AFP)

Israel bereitet sich auf eine großangelegte Militäroperation im Westjordanland vor, Premierminister Benjamin Netanjahu sagte laut der Times of Israel, Israel werde das Hebroner Viertel, aus dem die Attentäter des heutigen Anschlags im Westjordanland stammten, zerstören. „Zunächst werden wir diesen Ort zerstören, ihn komplett verändern“, so Netanjahu in einem von seinem Büro veröffentlichten Video. Danach werde es eine Militär-Operation im Westjordanland geben.

Netanjahu bezeichnete sie als den größten Einsatz dieser Art seit dem Sechstagekrieg von 1967, in dessen Verlauf Israel die Kontrolle über das damals unter jordanischer Herrschaft stehende Westjordanland übernahm. „Verteidigungsminister Israel Katz und ich haben die Planung einer sehr umfangreichen Operation der israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) in Judäa und Samaria [Israels Bezeichnung für das Westjordanland – Anm. d. Red.] beaufsichtigt. Ein Einsatz in diesem Ausmaß hat es seit dem Sechstagekrieg nicht mehr gegeben. Die IDF sind bereit, ihn durchzuführen. Über den genauen Zeitpunkt werden wir noch entscheiden, aber er wird in Kürze stattfinden“, erklärte Netanjahu laut einer Mitteilung des Büros des Premierministers.

Er äußerte sich nach einem Angriff bewaffneter palästinensischer Radikaler nahe der Stadt Hebron am Freitag, bei dem Laut der Times of Israel zwei israelische Soldaten getötet worden.

Die Angreifer – mutmasslich Palästinenser – wurden noch am Tatort erschossen. Nach dem Vorfall riegelte das israelische Militär Hebron ab und begann, das Gebiet auf der Suche nach möglichen Komplizen zu durchsuchen. Netanjahu kündigte daraufhin an, das Westjordanland isolieren zu wollen.

Netanjahu zufolge soll die bisher auf Flüchtlingslager beschränkte Praxis – die Zerstörung von Gebäuden – künftig auch auf palästinensische Städte ausgeweitet werden, beginnend mit Hebron. „Wir werden Maßnahmen ergreifen, die es so bisher nicht gab: Wir beabsichtigen, das erfolgreiche Offensivmodell, das wir bereits in Flüchtlingslagern – die faktisch Terrorhochburgen sind – angewandt haben, nun auch auf dieses Gebiet in Hebron zu übertragen, aus dem die Terroristen stammten. Wir werden Bewohner evakuieren, Haus für Haus durchsuchen, Waffen beschlagnahmen und die gesamte terroristische Infrastruktur zerstören. Gleichzeitig werden wir eine Blockade über die Städte Hebron und Halhul verhängen. Wir ziehen in Betracht, dieses Modell auch auf andere Städte auszuweiten“, betonte er.

Nach Angaben des israelischen Militärs hatten die beiden Männer an der Judea Junction nahe Hebron das Feuer eröffnet. Soldaten hätten zurückgeschossen und beide getötet. Bei ihnen seien ein M16-Gewehr, eine Pistole und Munition gefunden worden. Reuters berichtete unter Berufung auf die Armee, die Suche nach möglichen weiteren Beteiligten dauere an.

Nach Angaben von Rettungskräften wurden mindestens fünf Menschen verletzt, einige von ihnen schwer. Die Associated Press berichtete, während des Einsatzes habe es zunächst weiter Schusswechsel gegeben.

Die Lage im Westjordanland ist seit Monaten angespannt. Das UN-Nothilfebüro OCHA dokumentierte seit Jahresbeginn zahlreiche Angriffe israelischer Siedler, bei denen Palästinenser verletzt oder Eigentum beschädigt wurde. Auch in der Region Hebron kam es zuletzt wiederholt zu Gewalt und Einschränkungen der Bewegungsfreiheit.

Israelische Medien berichten, die beiden Angreifer hätten geplant, israelische Zivilisten zu töten.

Der rechtsextreme israelische Sicherheitsminister Itamar Ben Gvir forderte laut der Times of Israel die Auflösung der Palästinensischen Autonomiebehörde. „Wir müssen handeln, bevor es zu spät ist. Die Palästinensische Autonomiebehörde muss aufgelöst und entmilitarisiert werden, und ihre Terrorinfrastruktur muss vollständig zerstört werden“, erklärte Ben Gvir fünf Tage vor den israelischen Wahlen.

Es gibt bisher keine Hinweise auf eine Beteiligung der Palästinensischen Autonomiebehörde an dem Vorfall.

Zuletzt gab es Spekulationen, der Krieg zwischen Israel und den USA gegen den Iran könnte vor den Wahlen erneut ausbrechen. Angesichts der angespannten Sicherheitslage wurden Überlegungen zur Durchführung der Wahlen angestellt.

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