Nach dem Gipfel: Poker um den Iran geht weiter

Chinas Präsident Xi Jinping und US-Präsident Donald Trump haben bei ihrem Gipfel auch über den Iran gesprochen. Peking hält militärisch offiziell Abstand und übernimmt die iranische Position nicht. Gleichzeitig nutzt Teheran chinesische Technologie, die seine Aufklärungskapazitäten stärkt.

US-Präsident Donald Trump schüttelt Chinas Präsidenten Xi Jinping auf dfem Gipfel die Hand, (Foto: SAUL LOEB / AFP)
US-Präsident Donald Trump schüttelt Chinas Präsidenten Xi Jinping auf dfem Gipfel die Hand, (Foto: SAUL LOEB / AFP)

Beim Gipfel in Washington erklärten Xi und Trump, Iran müsse an seiner Verpflichtung festhalten, keine Atomwaffen zu entwickeln. Außerdem dürfe kein Staat Gebühren für die Passage durch internationale Wasserstraßen erheben. Das chinesische Außenministerium führte beide Punkte als Ergebnisse des Treffens auf. Auch Außenminister Wang Yi hatte zuletzt zwar von den „legitimen Rechten und Interessen“ Irans gesprochen, zugleich aber Zurückhaltung, neue Gespräche und eine Öffnung der Straße von Hormus gefordert. China balanciert damit mehrere Interessen aus: enge Wirtschaftsbeziehungen zu Iran, gute Beziehungen zu den Golfstaaten und die eigene Abhängigkeit von sicheren Energie- und Handelswegen.

Waffenlieferungen bleiben unklar

Für umfangreiche aktuelle chinesische Waffenlieferungen an Iran gibt es keine belastbaren öffentlichen Belege. Berichte über HQ-9-Luftabwehrsysteme oder tragbare Flugabwehrraketen blieben unbestätigt. Belegt ist dagegen, dass iranische Beschaffungsnetzwerke über Firmen und Mittelsmänner in China und Hongkong versuchen, militärisch nutzbare Technik zu beschaffen. Die Grenze zwischen ziviler Hochtechnologie, Dual-Use-Gütern und militärischer Unterstützung bleibt dabei schwer zu ziehen.

Chinesische Aufklärungstechnik

Konkreter sind die Hinweise bei der Aufklärung. Nach Recherchen der Financial Times hatte die iranische Revolutionsgarde bereits Ende 2024 einen chinesischen Hochauflösungssatelliten erworben. Der TEE-01B soll eine Bodenauflösung von rund einem halben Meter besitzen und zur Beobachtung amerikanischer Militärstützpunkte im Nahen Osten eingesetzt worden sein. Zum Vertrag gehörten dem Bericht zufolge technische Unterstützung und Zugang zu Bodenstationen; China wies eine staatliche Beteiligung zurück. Dokumentiert ist damit zumindest, dass chinesische Technologie Irans militärische Aufklärung verbessern kann, ohne dass daraus bereits eine direkte chinesische Kriegsteilnahme folgt.

Streit um US-Unterwasserdrohne

Neue Aufmerksamkeit erhält die Zusammenarbeit durch einen Vorfall in der Straße von Hormus. Die Revolutionsgarden behaupten, ein zweites amerikanisches autonomes Unterwasserfahrzeug erbeutet zu haben. Es soll sich um einen Mk 18 Mod 2 „Kingfish“ auf Basis des REMUS 600 handeln. Das US-Militär widerspricht. Gegenüber Al Jazeera erklärte es, weiterhin „positive control“ über seine Drohnensysteme zu haben, und bezeichnete die iranische Darstellung als „clearly desperate“. Eine unabhängige Bestätigung gibt es bislang nicht. Ein früherer Verlust Anfang September ist dagegen bestätigt: Damals gelangte ein autonomes US-Unterwasserfahrzeug vom Typ Dive-LD in iranische Hände. Nach amerikanischen Angaben war das System technisch ausgefallen und trug keine besonders sensiblen Daten.

Chinesische Hilfe bleibt unbewiesen

Sollte sich der jüngste iranische Bericht bestätigen, wäre entscheidend, wie das Fahrzeug aufgespürt wurde. Iran könnte eigene Sensoren eingesetzt, einen technischen Defekt ausgenutzt oder zusätzliche Aufklärungsdaten erhalten haben. Ein chinesischer Beitrag wäre technisch denkbar, ist aber nicht belegt. Nach dem Gipfel bleibt daher ein gemischtes Bild: Diplomatisch drängt China auf Deeskalation, zugleich stärkt chinesische Technologie die iranischen Aufklärungsfähigkeiten. Ob sie bereits direkt bei Operationen gegen amerikanische Systeme in der Straße von Hormus eingesetzt wurde, ist offen.

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