Das in Kiel gebaute U-Boot legte nach Angaben der Times of Israel rund 8.000 Kilometer auf dem Seeweg zurück. Die Zeitung beschreibt die „Drakon“ als bislang größtes israelisches U-Boot und verweist auf neue, teils geheime Systeme sowie längere Tauchzeiten. Verteidigungsminister Israel Katz bezeichnete die Ankunft in Haifa vor allem als Botschaft an Iran.
Die Beschaffung gehört zugleich zu einem seit Jahren politisch belasteten Rüstungskomplex. Die sogenannte U-Boot-Affäre, in Israel als „Case 3000“ bekannt, betraf den Kauf von U-Booten und Kriegsschiffen beim deutschen Hersteller Thyssenkrupp sowie den Verdacht auf Bestechung und unzulässige Einflussnahme. Mehrere Personen aus dem Umfeld von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wurden angeklagt. Die „Drakon“ geht auf einen 2012 unterzeichneten Vertrag über Israels sechstes Dolphin-U-Boot zurück, der ebenfalls Teil der Untersuchungen war.
Eine staatliche Untersuchungskommission kam 2026 zu dem Ergebnis, dass es bei den damaligen Entscheidungen „systemische Versäumnisse“ gegeben habe. Die Regierung habe ohne klare strategische Linie gehandelt und Entscheidungen getroffen, die nach Einschätzung der Kommission die nationale Sicherheit gefährdet hätten. Bereits 2025 hatte die Kommission Netanjahu und weiteren damaligen Entscheidungsträgern vorgeworfen, Teile des Sicherheitsapparats umgangen zu haben.
Auch israelische Medien ordnen das U-Boot in die veränderte regionale Sicherheitslage ein. Ynet hebt Reichweite und verbesserte Fähigkeiten der „Drakon“ hervor und verweist neben Iran zunehmend auch auf die Türkei als strategischen Bezugspunkt.
Israel Hayom stellt die neuen Fähigkeiten ebenfalls in den Zusammenhang mit den Spannungen im östlichen Mittelmeer und mit Ankara. Die Zeitung beschreibt die „Drakon“ als Teil der israelischen Fähigkeit, weit entfernt und verdeckt zu operieren. Die offizielle Botschaft bei der Ankunft richtete sich jedoch vor allem gegen Teheran.
Netanjahu gegen Erdogan
Die Verschärfung gegenüber der Türkei zeigt sich auch auf juristischer Ebene. Nach einem Bericht des israelischen Senders i24NEWS hat Netanjahu ein ressortübergreifendes Team sowie die zuständige Abteilung für internationales Recht angewiesen, Material für ein mögliches Verfahren gegen den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan vor dem Internationalen Strafgerichtshof zusammenzustellen. Im Mittelpunkt sollen der Umgang der türkischen Regierung mit den Kurden sowie ihre Beziehungen und finanzielle Unterstützung für die Hamas stehen. Israel und die Türkei sind keine Vertragsstaaten des Römischen Statuts. Nach Angaben von i24NEWS wird erwogen, ein Verfahren über einen Drittstaat anzustoßen.
Die Initiative folgt auf eine türkische Attacke gegen Netanjahu. Die Türkei hatte im August bei Interpol eine sogenannte Red Notice gegen den israelischen Ministerpräsidenten beantragt. Grundlage waren Haftbefehle eines Istanbuler Gerichts vom 14. Juli im Zusammenhang mit dem israelischen Vorgehen gegen Aktivisten einer Gaza-Hilfsflottille. Eine Red Notice ist kein internationaler Haftbefehl, sondern eine Aufforderung an Interpol-Mitgliedstaaten, eine gesuchte Person ausfindig zu machen und gegebenenfalls vorläufig festzunehmen.
