Somalia warnt vor israelischem Militärstützpunkt in Somaliland

Für Israel wäre Berbera aufgrund seiner geografischen Lage von Bedeutung. Die Hafenstadt liegt in unmittelbarer Nähe der Meerenge Bab al-Mandab.

Karte: World News Monitor (mit Hilfe von KI erstellt)
Karte: World News Monitor (mit Hilfe von KI erstellt)

Somalias Präsident Hassan Sheikh Mohamud hat Israel vor der Errichtung eines Militärstützpunkts in Somaliland gewarnt. Israel plane nach seinen Informationen einen Marinestützpunkt in der Hafenstadt Berbera und wolle zudem den dortigen Flughafen nutzen, sagte Mohamud in einem Interview mit Al Jazeera. Somalia werde eine israelische Präsenz auf seinem Staatsgebiet „unter keinen Umständen“ akzeptieren und sich entsprechenden Schritten widersetzen.

Eine offizielle israelische Ankündigung über den Bau eines Stützpunkts gibt es bislang nicht. Dass eine israelische Militärpräsenz in Somaliland erwogen wird, ist allerdings nicht allein eine Behauptung der Regierung in Mogadischu. Israelische Medien berichten seit Anfang 2026 wiederholt über entsprechende Gespräche und Überlegungen.

Bereits im Januar berichtete die Times of Israel, eine hochrangige Vertreterin des Außenministeriums von Somaliland habe bestätigt, dass die Einrichtung eines israelischen Militärstützpunkts Gegenstand von Gesprächen sei. Deqa Qasim, Direktorin der politischen Abteilung des Außenministeriums in Hargeisa, sagte demnach dem israelischen Sender Channel 12, eine solche Basis liege „auf dem Tisch“. Ob sie tatsächlich eingerichtet werde, hänge von den künftigen Vereinbarungen zwischen beiden Seiten ab. Qasim erklärte außerdem, die Sicherheitskooperation mit Israel solle den Kampf gegen Terrorismus und den maritimen Bereich umfassen.

Im Juni berichtete die Jerusalem Post allerdings über ein Dementi des somaliländischen Verteidigungsministers Mohamed Yusef Ali. Dieser erklärte gegenüber Reuters in Tel Aviv, zu diesem Zeitpunkt gebe es weder eine israelische Militärpräsenz in Somaliland noch Verhandlungen über die Einrichtung eines israelischen Stützpunkts. Zugleich bestätigte er, dass Israel somaliländische Sicherheitskräfte und Polizisten ausbilde.

Am selben Tag wurde jedoch eine bereits deutlich weitergehende sicherheitspolitische Zusammenarbeit öffentlich. Israels Verteidigungsminister Israel Katz erklärte bei einem Treffen mit Somalilands Präsident Abdirahman Mohamed Abdullahi, Israel und Somaliland hätten bereits seit Jahren im Verborgenen zusammengearbeitet. Laut Times of Israel sagte Katz, beide Seiten hätten „über viele Jahre“ bei einer Reihe von Operationen „unter dem Radar“ kooperiert, deren Einzelheiten geheim bleiben würden. Nun solle die Sicherheitskooperation auf eine neue Ebene gehoben werden.

An dem Treffen nahmen auf israelischer Seite unter anderem der Leiter der Planungsdirektion der israelischen Streitkräfte, Generalmajor Hidai Zilberman, hochrangige Vertreter des Verteidigungsministeriums und Israels designierter Botschafter in Somaliland teil. Die Delegation Somalilands umfasste unter anderem den Verteidigungsminister, den Armeechef und den stellvertretenden Geheimdienstchef. Die Äußerungen von Katz liefern damit einen wichtigen Hintergrund für die Diskussion über eine mögliche israelische Militärpräsenz: Unabhängig von der Frage eines festen Stützpunkts bestand dem israelischen Verteidigungsminister zufolge bereits zuvor eine nicht öffentlich gemachte operative Zusammenarbeit.

Im August gewann die Debatte erneut an Gewicht. Israel Hayom berichtete, Somalilands Präsident Abdullahi biete Israel und den Vereinigten Staaten die Möglichkeit an, militärische Einrichtungen in Berbera zu errichten. Somaliland wolle sich als Sicherheitspartner am Roten Meer positionieren. Abdullahi bestritt zugleich Berichte, wonach bereits israelische oder amerikanische Streitkräfte vor Ort seien.

Im September berichtete schließlich die Jerusalem Post über eine Delegation der Israel and Somaliland Friendship Association, die sich ausdrücklich für eine israelische Militärpräsenz in Somaliland aussprach. Ahmed Dirie, Vorsitzender des Exekutivkomitees der Organisation, begründete dies mit der strategischen Lage Somalilands nahe der Meerenge Bab al-Mandab und dem Kampf gegen die Huthi im Jemen. Auf die Frage, ob Somaliland für eine israelische Militärpräsenz offen sei, antwortete Dirie ausdrücklich zustimmend. Eine solche Zusammenarbeit könne nach seiner Darstellung dazu beitragen, die Huthi zurückzudrängen und die Schifffahrtsroute zu sichern.

Damit ergibt sich ein widersprüchliches, aber über Monate hinweg konsistentes Bild: Einen offiziell beschlossenen israelischen Stützpunkt gibt es bislang nicht. Vertreter Somalilands haben entsprechende Verhandlungen zeitweise bestritten. Gleichzeitig haben andere Regierungsvertreter die Möglichkeit eines solchen Stützpunkts öffentlich bestätigt oder offengelassen, während Präsident Abdullahi Berbera selbst als möglichen Standort für ausländische Streitkräfte angeboten hat. Hinzu kommt die von Israel Katz bestätigte, bereits seit Jahren bestehende verdeckte Sicherheitskooperation.

Strategische Lage am Roten Meer

Für Israel wäre Berbera vor allem aufgrund seiner geografischen Lage von Bedeutung. Die Hafenstadt liegt an der Küste des Golfs von Aden gegenüber dem Jemen und in unmittelbarer Nähe der Meerenge Bab al-Mandab. Diese verbindet den Golf von Aden und den Indischen Ozean mit dem Roten Meer und weiter über den Suezkanal mit dem Mittelmeer. Erst kürzlich waren die Huthis dort militärisch erfolgreich aktiv.

Die Meerenge gehört zu den wichtigsten Schifffahrtswegen der Welt. Zugleich ist sie in den vergangenen Jahren zu einem zentralen Schauplatz des Konflikts zwischen Israel und den vom Iran unterstützten Huthi im Jemen geworden. Die Huthi haben wiederholt Schiffe im Roten Meer und im Golf von Aden angegriffen und dabei insbesondere Schiffe mit tatsächlichen oder behaupteten Verbindungen zu Israel ins Visier genommen. Auch Israel selbst wurde aus dem Jemen wiederholt mit Raketen und Drohnen angegriffen.

Bastion gegen Huthis?

Eine israelische Präsenz in Berbera würde sich auf der gegenüberliegenden Seite des Golfs von Aden befinden. Sie könnte Israel zusätzliche Möglichkeiten zur Aufklärung und Überwachung der Region sowie des Schiffsverkehrs durch Bab al-Mandab eröffnen. Auch Raketen- und Drohnenaktivitäten aus dem Jemen könnten von einem Standort am Horn von Afrika aus beobachtet werden.

Genau diesen Zusammenhang stellen auch die israelischen Berichte her. Die Times of Israel verwies bereits im Januar auf Somalilands Lage gegenüber dem von den Huthi kontrollierten Teil des Jemen und auf die von Qasim angekündigte Zusammenarbeit im maritimen Bereich. Israel Hayom bezeichnete Berbera im August ausdrücklich als möglichen Stützpunkt zur Sicherung des Roten Meeres. Auch die von der Jerusalem Post im September zitierte somaliländische Delegation stellte eine mögliche israelische Militärpräsenz unmittelbar in den Zusammenhang mit der Bekämpfung der Huthi und der Sicherung von Bab al-Mandab.

Konflikt um Somalilands Status

Der Streit über eine mögliche israelische Militärpräsenz ist zugleich Teil des ungelösten Konflikts um den Status Somalilands. Die Region erklärte 1991 ihre Unabhängigkeit von Somalia und verfügt seitdem über eine eigene Regierung, Sicherheitskräfte und staatliche Institutionen. Mogadischu betrachtet das Gebiet jedoch weiterhin als Teil Somalias.

Israel erkannte Somaliland im Dezember 2025 als unabhängigen Staat an und wurde damit zum ersten Mitglied der Vereinten Nationen, das diesen Schritt vollzog. Für Somaliland war die Entscheidung ein diplomatischer Durchbruch nach mehr als drei Jahrzehnten weitgehender internationaler Nichtanerkennung. Für Somalia stellte sie dagegen einen Eingriff in seine territoriale Integrität dar.

Aus Sicht Somalilands könnten engere Beziehungen zu Israel deshalb mehrere Ziele gleichzeitig erfüllen: internationale Anerkennung, wirtschaftliche Investitionen und sicherheitspolitische Unterstützung. Der Zugang zu Berbera wiederum ist für mögliche Partner aufgrund seiner Lage an einer der zentralen Verkehrsadern zwischen dem Indischen Ozean und dem Mittelmeer von strategischem Interesse.

Iran im Visier

Somalias Präsident Mohamud erklärte gegenüber Al Jazeera, Israel wolle durch einen Stützpunkt in Berbera näher an die Golfstaaten und an Iran heranrücken. „Wir werden die Herausforderungen überwinden, die sich unserem Land durch die israelischen Schritte stellen“, sagte er. Zugleich warf er auch den Huthi vor, die Region zu destabilisieren und die Schifffahrt durch Bab al-Mandab zu beeinträchtigen.

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