Die Initiative „Italia in Piazza“ (Italien auf die Plätze) hatte für Samstag zu Demonstrationen in mehreren italienischen Städten aufgerufen. Die Organisatoren bezogen sich nach einem Bericht von WordNews auf Protestbewegungen in Frankreich und anderen europäischen Ländern. Ihre eigene Mobilisierung hatten sie als friedlich angekündigt. In Italien hatte es laut ANSA bereits am Freitag bei gesonderten Schülerprotesten in Turin und Bologna Zusammenstöße mit der Polizei gegeben.
Verletzte und Sachschäden in Mailand
In Mailand beteiligten sich nach Angaben des Corriere della Sera rund 5.000 Menschen an dem Protestzug. Die ersten Zusammenstöße ereigneten sich in der Via Broletto. Einige Teilnehmer warfen Steine, Flaschen und Knallkörper auf die Polizei. Die Einsatzkräfte drängten Demonstranten zurück und setzten im weiteren Verlauf Tränengas und Wasserwerfer ein.
Die Auseinandersetzungen verlagerten sich auf den Domplatz, die Piazza dei Mercanti und in die Einkaufspassage Galleria Vittorio Emanuele II. Gruppen errichteten Barrikaden aus Abfallbehältern und Absperrgittern. Beschädigt wurden Schaufenster, Haltestellenunterstände und Polizeifahrzeuge. Touristen suchten zeitweise in der Metrostation Duomo Schutz, Geschäftsleute schlossen ihre Läden. Am Abend wurde auf dem Corso Vittorio Emanuele II zudem ein Geschäft der Kette Foot Locker geplündert.
Der Rettungsdienst versorgte nach einem Bericht von ANSA rund 20 Menschen im Bereich des Domplatzes und der Piazza Cordusio. Etwa die Hälfte wurde in Notaufnahmen gebracht. Auch mehrere Polizisten wurden verletzt. Die Angaben zur Zahl der Verletzten waren zunächst vorläufig. Nach einer späteren Meldung der Nachrichtenagentur wurden rund 50 Menschen zur Polizeidienststelle gebracht.
Die Initiative erläutert ihre Ziele in einem Manifest. Im Mittelpunkt stehen folgende Themen:
Steigende Preise
Die Bewegung verlangt Maßnahmen gegen die Verteuerung des täglichen Lebens, insbesondere bei Energie und Kraftstoffen. Sie beklagt, dass die Einkommen auch mit den steigenden Lebensmittelkosten nicht mehr Schritt hielten.
Wohnen
Gefordert werden bezahlbare Wohnungen für Menschen, die in den Städten leben, arbeiten oder studieren. Die Initiative kritisiert steigende Mieten, Leerstand, die Umwandlung von Wohnungen in Touristenunterkünfte und die Verdrängung von Bewohnern. Sie wirft privaten Investoren vor, für Studentenwohnheime bestimmte öffentliche Gelder für luxuriöse Campusprojekte zu verwenden. Wohnen soll als Recht behandelt werden.
Löhne
Die Bezahlung soll den Lebenshaltungskosten entsprechen. Zugleich fordert die Bewegung bessere Schutzrechte und mehr Sicherheit am Arbeitsplatz. Ihre Kritik richtet sich gegen prekäre und befristete Beschäftigung sowie unzureichenden Arbeitsschutz.

Investitionen
Mehr Mittel sollen in die öffentliche Gesundheitsversorgung, Schulen und Hochschulen fließen. Die Initiative beklagt lange medizinische Wartelisten, fehlendes Personal und mangelnde Ausstattung in Krankenhäusern sowie marode Schulgebäude und unsichere Beschäftigungsverhältnisse im Bildungswesen.
Sicherheit
Die Initiative fordert eine Sicherheitspolitik, die soziale Ursachen stärker berücksichtigt. Sie kritisiert, dass wirtschaftliche und gesellschaftliche Hintergründe von Unsicherheit sowie die Ausgrenzung armer Menschen zu wenig beachtet würden.
Zusammenstöße in Turin, Bologna und Brescia
In Turin demonstrierten Menschen gegen hohe Kraftstoffpreise, hohe Rechnungen und als unzureichend empfundene Löhne. Dabei kam es ebenfalls zu Zusammenstößen mit der Polizei. Eine Gruppe drang in die Feltrinelli-Buchhandlung im Bahnhof Porta Nuova ein und warf Bücher zu Boden, wie RaiNews berichtet.
In Bologna führte der Protestzug vom Stadtzentrum in Richtung Hauptbahnhof. Auf der Piazza Medaglie d’Oro warfen Gruppen Steine, Flaschen und andere Gegenstände auf Sicherheitskräfte. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein. Mehrere Menschen wurden festgehalten.
Auch in Brescia kam es zum Ende einer Demonstration zu Ausschreitungen. Auf der Piazza Paolo VI wurden nach Angaben von Sky TG24 Stühle, Tische, Gläser und Böller auf Polizisten geworfen. Die Beamten setzten Tränengas ein. Nach ersten Informationen wurden dort keine Verletzten gemeldet.
Weitere Kundgebungen in Genua und Rom
In Genua versammelten sich laut ANSA rund 200 Menschen auf der Piazza De Ferrari und zogen durch die Altstadt. Sie forderten unter anderem mehr Geld für Schulen, Unterstützung bei den Wohnkosten und ein Ende der Aufrüstung.
In Rom beteiligten sich Tausende Menschen an der eigenständig organisierten Kundgebung „La Via Maestra“. Dazu hatten die Gewerkschaft CGIL und mehr als hundert Verbände aufgerufen. Im Mittelpunkt standen höhere Löhne, weniger unsichere Beschäftigung, öffentliche Gesundheitsversorgung und Bildung sowie Frieden und soziale Sicherung. Wie Sky TG24 berichtet, kündigte CGIL-Generalsekretär Maurizio Landini bei der Abschlusskundgebung einen Generalstreik für den 20. November an.
