Der Vorfall in Litauen soll sich gegen zwei Uhr nachts ereignet haben. Ziel seien Anlagen eines Unternehmens in Vilnius gewesen, in denen sich Starlink-Technik befindet. Die zuständigen Dienste hätten das Unternehmen bereits vor möglichen Angriffen gewarnt und die Sicherheitsmaßnahmen seien verstärkt worden, berichtete der öffentlich-rechtliche Sender LRT unter Berufung auf Ministerpräsident Mindaugas Sinkevičius.
Nach Darstellung des Ministerpräsidenten wurden am Tatort Behälter mit brennbaren Flüssigkeiten gefunden. Sinkevičius sprach von einem möglichen Sabotage- oder Diversionsakt. Die betroffenen Anlagen stellten die Verbindung von neun Satellitenantennen sicher, die nach seinen Angaben auch für Kommunikation mit der Ukraine genutzt würden.
Der Regierungschef wertete den Vorfall als Teil eines russischen „hybriden Krieges“ gegen Europa. Zugleich räumte er ein, dass erst die Ermittlungen klären müssten, wer den Auftrag erteilt habe. Seine Aussage, Russland sei vermutlich der Auftraggeber, ist demnach eine politische Zuschreibung. Ein unabhängig überprüfbares Ermittlungsergebnis liegt aktuell nicht vor.
Der Leiter des litauischen Nationalen Krisenmanagementzentrums, Vilmantas Vitkauskas, präzisierte, dass das US-Unternehmen SpaceX die betroffenen Räume von einer litauischen Firma miete. Nach Informationen der Nachrichtenagentur BNS befindet sich die Anlage auf dem Gelände eines Rechenzentrums des Unternehmens Delska in Vilnius.
Die dort installierte Technik sei Teil des laufenden Starlink-Netzes und diene der Kommunikation von Privatkunden, Unternehmen und auch militärischen Nutzern, berichtete LRT.
Geringer Schaden
Der Brandversuch sei rasch eingedämmt worden. Verdächtige waren zunächst nicht festgenommen. Nach Angaben des litauischen Polizeichefs Arūnas Paulauskas entstand allenfalls geringer Schaden. Der Betrieb des Unternehmens sei nicht unterbrochen worden. Ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren wurde eingeleitet.
Auch Vitkauskas stellte den Vorfall in einen Zusammenhang mit mutmaßlichen russischen Sabotageaktivitäten in Europa und verwies auf ähnliche Fälle in Polen und Bulgarien. Eine unabhängig bestätigte Verbindung zwischen diesen Fällen und dem Vorfall in Vilnius lag zunächst nicht vor.
Für Montag kündigte Sinkevičius eine Sitzung der Nationalen Sicherheitskommission an. Dort soll neben dem Brandversuch auch ein separater Drohnenvorfall beraten werden.
Bisher keine Reaktion Russlands
Eine Reaktion des Kremls auf die Anschuldigung aus Vilnius war zunächst nicht bekannt.
Kremlsprecher Dmitri Peskow hatte sich allerdings wenige Tage zuvor grundsätzlich zu Starlink geäußert. Nach Angaben der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass sagte er am 14. Oktober, Moskau kenne Berichte über Einschränkungen des Starlink-Zugangs für ukrainische Streitkräfte lediglich aus den Medien. Er sagte, Technologien wie Starlink sollten seiner Ansicht nach möglichst nicht für militärische Zwecke eingesetzt werden.
Starlink wird vom US-Raumfahrtunternehmen SpaceX betrieben. Das Satellitennetz spielt seit Beginn des russischen Angriffskrieges eine wichtige Rolle für die Kommunikationsfähigkeit der Ukraine, einschließlich militärischer Anwendungen.
