Wadephul zu Lawrow-Treffen: Auch im Kalten Krieg gab es immer einen Austausch

Außenminister Johann Wadephul hat in einem ZDF-Interview erläutert, warum er mit Sergej Lawrow gesprochen hat. Wir dokumentieren das Interview im Wortlaut.

Johann Wadephul im Interview mit dem ZDF. (Screenshot: ZDF)
Johann Wadephul im Interview mit dem ZDF. (Screenshot: ZDF)

Wadephul: Es war ein intensives Gespräch. Natürlich sind wir über wesentliche Punkte nicht einig geworden. Mir war es wichtig, klarzumachen, dass Deutschland derartige Dinge wie den Drohnenangriff in Leipzig nicht akzeptiert, dass das eine Eskalation ist, die nicht akzeptabel ist. Und ich habe Russland klar gewarnt, nicht so weiterzumachen. Wir können uns verteidigen, wir können uns wehren, das werden wir auch tun. Ich habe ihm angeboten zu deeskalieren, insbesondere auch mit Blick auf die Situation in der Ukraine, aber das hat noch keine offenen Ohren gefunden.

ZDF: Welche Themen haben Sie noch angesprochen?

Wadephul: Es geht jetzt vorrangig in der Ukraine darum, dass wir wirklich die Getreideexporte ermöglichen. Das gilt für russische Exporte und natürlich vor allen Dingen auch für ukrainische. Das ist für diese Länder wichtig, aber das ist insbesondere für den globalen Süden wichtig. Ägypten bezieht ein Drittel der Getreidelieferungen aus der Ukraine. Das heißt, wenn so etwas jetzt nicht stattfindet, dann gibt es Hunger, gerade im globalen Süden, und sowas muss vermieden werden. Ich habe ihm dringend geraten, offen zu sein für Gespräche. Die Ukraine ist offen dafür und Russland sollte es auch sein.

ZDF: Die Bundesregierung hat seit Beginn des Angriffskriegs nicht mit Russland geredet, auch die Vorgängerregierung nicht und hat dafür auch immer Begründungen gefunden. Was hat sich geändert?

Wadephul: Ich bin einerseits von zahlreichen Kollegen gebeten worden, offen zu sein für Gespräche, die geraten haben, dass man zu irgendeinem Zeitpunkt auch wieder direkt miteinander reden muss. Und ich möchte auch nicht, dass wir Europäer den Amerikanern den kompletten Austausch mit Russland überlassen. Und deswegen habe ich gesprochen. Es ist klar, dass wir wirklich kategorische Unterschiede haben in unseren Auffassungen zwischen unseren Regierungen. Aber auch darüber muss man sprechen. In Zeiten des Kalten Krieges hat es immer einen Austausch gegeben und ich fand es wichtig, zum jetzigen Zeitpunkt eine erste Möglichkeit zum Austausch zu suchen.

ZDF: Gilt denn das Mantra noch „Nicht über die Ukraine ohne die Ukraine reden“?

Wadephul: Selbstverständlich. Ich verhandle nicht über die Ukraine. Das machen die Ukrainerinnen und Ukrainer selber. Ich fordere Russland auf, mit der Ukraine zu sprechen. Ich habe Russland nochmal klar gesagt: Wir stehen an der Seite der Ukraine. Es gibt die vollständige Unterstützung für die Ukraine und es wird weiter auch wirtschaftlichen Druck auf Russland geben. Das habe ich Herrn Lawrow nochmal gesagt und ihn aufgefordert, jetzt endlich zu Gesprächen bereit zu sein.

ZDF: War das jetzt ein Anfang für weitere Gespräche oder war das ein einmaliger Versuch?

Wadephul: Das liegt im Wesentlichen in der russischen Hand. Wenn Russland bereit ist, konstruktiv zu reden und vor allen Dingen, wenn Russland bereit ist, von seinem Krieg gegen die Ukraine abzulassen, wird man sicherlich sprechen können. Und deswegen war mir die Botschaft jetzt hier noch einmal wichtig, klar zu sagen: Wir stehen zusammen an der Seite der Ukraine. Wir sind verhandlungsbereit, aber Russland muss diese Aggression beenden.

ZDF: Für uns kam dieses Treffen ja sehr überraschend. Können Sie noch verraten, wie es ganz praktisch zustande gekommen ist?

Wadephul: Ich habe ja gesagt, dass zahlreiche Kollegen mit Sergej Lawrow gesprochen haben und auf diesem Wege hat mich diese Gesprächsbitte erreicht. Aber das sind auch Dinge, die ich gerne im Kreis der Kolleginnen und Kollegen Außenminister lassen möchte.

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