In Brüssel haben am Freitag Demonstranten laut BX1 Einsatzkräfte mit Steinen, Flaschen und Feuerwerkskörpern angegriffen. Sie errichteten Barrikaden und zündeten einen Linienbus an. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein.
Die Gewerkschaftsdemonstration mit Zehntausenden Teilnehmern verlief dagegen friedlich. Die sozialistische FGTB/ABVV und die christliche CSC/ACV protestierten gegen weitere Sparmaßnahmen der Föderalregierung. Nach Polizeiangaben gehörten die gewalttätigen Gruppen nicht zur Gewerkschaftsveranstaltung, berichtet der Belgische Rundfunk.
Schülerproteste mit Bezug zu Frankreich
Bei den parallel stattfindenden Schülerprotesten beschreibt BX1 ein Übergreifen der französischen Bewegung auf Belgien, insbesondere auf den Raum Lüttich. Die Jugendlichen fordern mehr Mittel für Schulen, bessere Gebäude und zusätzliches Lehrpersonal.
Guillaume Goossens vom frankophonen Schülerkomitee CEF verwies im RTBF-Radio auf gemeinsame Anliegen: „Wir wollen beide besser repräsentiert sein, wir wollen beide, dass man uns mehr zuhört“, zitiert ihn der BRF. In Belgien richtet sich der Protest zusätzlich gegen die Bildungsreform.
Versammlungsverbot in Lüttich
Nach den Ausschreitungen im Wochenverlauf untersagte Lüttich vorübergehend Versammlungen von mehr als drei Personen im öffentlichen Raum. Ausnahmen gelten unter anderem für Angehörige desselben Haushalts und bereits genehmigte Veranstaltungen, berichtet Qu4tre.
Am Freitagnachmittag meldete der örtliche Sender eine Beruhigung der Lage bei weiterhin starker Polizeipräsenz. Zahlreiche Geschäfte blieben verbarrikadiert – zum Schutz oder weil ihre Schaufenster beschädigt worden waren.
Verkehr eingeschränkt, weiterer Streik angekündigt
Der Aktionstag beeinträchtigte den öffentlichen Verkehr. In Brüssel verkehrten Metro, Straßenbahnen und Busse eingeschränkt; am Flughafen wurden Flüge gestrichen, berichtet Le Vif.
Für Montag, 12. Oktober, hat die sozialistische Gewerkschaft des öffentlichen Dienstes CGSP erneut zum Streik aufgerufen. Laut BX1 sind Einschränkungen bei öffentlichen Dienstleistungen sowie im Nah- und Bahnverkehr angekündigt.
Streit um den Haushalt
Das staatliche Monitoringkomitee veranschlagte im Juli für 2026 ein gesamtstaatliches Defizit von gut fünf Prozent der Wirtschaftsleistung und eine steigende Schuldenquote. Die Föderalregierung will laut BRF bis 2029 zusätzlich zehn Milliarden Euro einsparen. Über die wichtigsten Maßnahmen bestand am Freitagnachmittag noch keine Einigung. Die FGTB lehnt eine höhere Mehrwertsteuer und Eingriffe in die automatische Lohnindexierung ab. Sie fordert stattdessen höhere Beiträge von Großvermögen, Kapitaleinkünften und großen Unternehmen.
