Die WHO fordert von Russland weitere Informationen über den Todesfall am Anti-Plague Research Institute in Irkutsk. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus erklärte, Medien hätten zunächst über einen möglichen Fall von Lungenpest berichtet. Die betroffene Mitarbeiterin sei nach einer schweren Lungenentzündung gestorben. Russland bestreitet, dass es sich um einen Pest-Verdacht handelt.
Die WHO hatte Russland bereits am 3. Oktober um Informationen gebeten. Moskau teilte der Organisation mit, dass in der Region Irkutsk kein Pestfall festgestellt worden sei. Zugleich seien etwa 200 Kontaktpersonen unter Quarantäne gestellt worden. Die WHO verlangt weitere Angaben zu den Labortests der Verstorbenen und ihrer Kontaktpersonen. Außerdem will sie wissen, welche Gründe zu den Schutzmaßnahmen geführt haben und wie der Gesundheitszustand der Kontaktpersonen ist. Die Organisation versucht zudem, Berichte über einen zweiten Mitarbeiter mit einer Lungenentzündung ungeklärter Ursache zu überprüfen.
EU fordert transparente Informationen
Auch die Europäische Kommission fordert Russland zu einer zeitnahen und transparenten Berichterstattung über den Vorfall auf. Nach Angaben der Kommission werden verlässliche epidemiologische und mikrobiologische Befunde benötigt. Der Fall wurde auch im Gesundheitssicherheitsausschuss der EU beraten. Vertreter der WHO und des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten nahmen daran teil.
Bereits am 5. Oktober hatte die Kommission erklärt, sie beobachte die Berichte über den Vorfall und stehe mit dem ECDC in Kontakt.
Lauterbach fordert Kooperation mit der WHO
Auch der frühere Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat Russland zur Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation aufgefordert. Der Rheinischen Post sagte der SPD-Politiker, Russland müsse offen mit den internationalen Gesundheitseinrichtungen und insbesondere mit der WHO kooperieren.
Für die Bevölkerung in Europa bestehe nach seiner Einschätzung derzeit kein erhöhtes Risiko. Zugleich betonte Lauterbach die Bedeutung von Transparenz und schnellem Handeln bei möglichen Ausbrüchen.
USA fordern mehr Informationen
Auch die Vereinigten Staaten verlangen weitere Angaben von Russland. US-Außenminister Marco Rubio erklärte, Russland müsse mehr Informationen mit der internationalen Öffentlichkeit teilen. Zugleich sagte er, den USA lägen noch nicht genügend Informationen für eine abschließende Bewertung vor.
Nach Medienberichten übermittelte das US-Außenministerium zudem eine formelle diplomatische Anfrage an Moskau. Dabei seien weitere Angaben zum Todesfall und zu den Quarantänemaßnahmen verlangt worden. Der Wortlaut dieser Anfrage ist bislang nicht veröffentlicht.
China verweist auf Zusammenarbeit
Auch China wurde zu dem Fall befragt. Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums erklärte am 6. Oktober, China und Russland arbeiteten bei der Prävention und Kontrolle von Infektionskrankheiten eng zusammen. Dazu gehöre auch die Pest.
Ob Russland wegen des konkreten Vorfalls chinesische Behörden oder Experten um Unterstützung gebeten hat, teilte das Außenministerium nicht mit. Eine öffentliche Forderung Chinas nach zusätzlichen Informationen von Russland wurde in der Stellungnahme nicht erhoben.
Pestinfektion bislang nicht bestätigt
Eine Erkrankung der verstorbenen Mitarbeiterin an Lungenpest ist bislang nicht bestätigt. Russland teilte der WHO mit, dass in der Region Irkutsk kein Pestfall festgestellt worden sei. WHO, EU und USA verlangen weitere Informationen, um den Todesfall und die angeordneten Schutzmaßnahmen bewerten zu können.
