Bei seinem Besuch in Kiew hat Bundeskanzler Friedrich Merz die Finanzierung weiterer weitreichender Angriffsmittel für die Ukraine zugesagt. In Deutschland läuft bereits die Serienproduktion von mehr als 5.000 Angriffsdrohnen für die ukrainischen Streitkräfte. Fachmedien geben die Reichweite eines der Systeme mit bis zu 1.500 Kilometern an.
Eine Milliarde Euro für weitere Waffen
Deutschland stellt rund eine Milliarde Euro für zusätzliche militärische Unterstützung bereit. Weitere rund 350 Millionen Euro sollen in die ukrainische Energieversorgung fließen. Zum militärischen Paket gehören Abfangdrohnen, Abstandswaffen, Kampfdrohnen und Satellitentechnik. In der von der Bundesregierung veröffentlichten Mitschrift der gemeinsamen Pressekonferenz mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj sagte Merz: „Wir liefern Abstandswaffen, Kampfdrohnen und Satellitentechnik, damit die Ukraine russische Abschussrampen ebenfalls bekämpfen kann.“ Welche Waffentypen im Einzelnen aus der neu zugesagten Milliarde bezahlt werden, legte Merz nicht offen.
Die zusätzlichen 350 Millionen Euro sollen unter anderem Generatoren, Umspannanlagen und Reparaturen der Energieinfrastruktur finanzieren. Insgesamt umfasst die neu zugesagte deutsche Unterstützung damit rund 1,35 Milliarden Euro. Selenskyj nannte daneben einen Gesamtwert von mehr als 8,5 Milliarden Euro für 15 Vereinbarungen und Dokumente mit der deutschen Seite. Nach Angaben des ukrainischen Präsidialamts umfasst diese Summe neben Sicherheitskooperation und gemeinsamer Produktion auch ukrainische Bestellungen bei deutschen Unternehmen. Woher die unterschiedlichen Zahlen kommen, ist unklar.
Anubis und Seth-X aus deutscher Produktion
Zu den bereits laufenden deutsch-ukrainischen Rüstungsprojekten gehört die Produktion der Angriffsdrohnen Anubis und Seth-X. Das Projekt wurde schon im Frühjahr vereinbart. In der gemeinsamen deutsch-ukrainischen Regierungserklärung wird Anubis ausdrücklich als „long-range strike drone“, also als Langstrecken-Angriffsdrohne, bezeichnet, Seth-X als Angriffsdrohne mittlerer Reichweite. Für die Produktion wurde nach Angaben des ukrainischen Präsidialamts ein Vertrag über 281 Millionen Euro geschlossen.
Entwickelt wurden die Systeme nach Angaben des ukrainischen Unternehmens Airlogix. Produziert werden sie gemeinsam mit dem Drohnen- und Softwareunternehmen Auterion in Deutschland. Airlogix beschreibt Anubis als System zum Angriff auf gegnerische Ausrüstung und strategische Ziele. Seth-X ist für kürzere Entfernungen und unter anderem gegen Fahrzeuge und Logistik vorgesehen.
Mehr als 5.000 Systeme in Serienproduktion
Auterion hat im September in einer Mitteilung zum Produktionsstart mitgeteilt, dass die Serienproduktion von mehr als 5.000 Anubis- und Seth-X-Systemen begonnen habe. Der Auftrag werde von der Bundesregierung finanziert. Auterion bezeichnet Anubis als „heavy strike system“ und Seth-X als „medium-range strike system“. Die Produktion ist für die ukrainischen Streitkräfte bestimmt.
Fachmedien nennen bis zu 1.500 Kilometer
Eine offizielle Kilometerangabe zur Reichweite von Anubis veröffentlichen weder Bundesregierung noch Hersteller. Das Handelsblatt berichtete bereits im April über Reichweiten von 1.000 bis 1.500 Kilometern und schrieb, damit könnten Ziele tief im russischen Hinterland erreicht werden. Auch das auf Verteidigungspolitik spezialisierte Fachmedium Hartpunkt nennt für Anubis bis zu 1.500 Kilometer Reichweite.
Jane’s bestätigt das Produktionsprogramm, nennt aber keine konkrete Kilometerzahl. Das Fachmedium berichtet, die Systeme sollten mit Software für autonome Navigation und Schwarmoperationen ausgestattet werden. Sollten die von Fachmedien genannten Reichweiten zutreffen, könnten von ukrainisch kontrolliertem Gebiet aus grundsätzlich auch Ziele weit innerhalb Russlands erreicht werden.
Zusätzlich Abfangdrohnen
Nicht alle von Merz angekündigten Drohnen dienen Angriffen auf Bodenziele. Deutschland finanziert auch Abfangdrohnen für die Luftverteidigung, die russische Angriffsdrohnen zerstören sollen. Merz sagte in der Pressekonferenz in Kiew, bei diesen Systemen habe es zuletzt technische Fortschritte gegeben, die eine schnellere Produktion ermöglichten.
Zunächst für die Ukraine
Die Produktion von Anubis und Seth-X ist zunächst für die Ukraine bestimmt. Jane’s berichtet unter Berufung auf Auterion, dass die Systeme derzeit nicht für die Bundeswehr beschafft werden.
Deutschland finanziert damit nicht nur Waffenlieferungen, sondern auch die industrielle Fertigung schwerer Angriffsdrohnen auf deutschem Boden. Offiziell ist die Reichweite von Anubis nicht veröffentlicht; Fachmedien nennen bis zu 1.500 Kilometer.
Großauftrag auch für Hensold, an denen BlackRock beteiligt ist
Beim deutsch-ukrainischen Wirtschaftsforum wurden zudem weitere Luftverteidigungsprojekte vereinbart. Das ukrainische Verteidigungsministerium unterzeichnete drei Memoranden mit Diehl Defence über IRIS-T-Systeme, Raketen und Munition sowie ein Memorandum mit Hensoldt über die Beschaffung von Radaren. Selenskyj sprach von einem großen neuen IRIS-T-Auftrag, der teilweise aus europäischen Kreditmitteln finanziert werden soll. Zu den institutionellen Investoren von Hensoldt zählt auch BlackRock; dem US-Vermögensverwalter wurden zuletzt über Fonds und Finanzinstrumente knapp fünf Prozent zugerechnet.
